Filmfriend : Berliner Bibliotheken schaffen eigenes Streamingportal

Für Freunde des Arthouse-Kinos und deutscher Produktionen: Das Portal Filmfriend bietet vor allem Filme und Serien außerhalb des Mainstreams an.

Yunus Güllü
Die Amerika-Gedenkbibliothek. Mit "Filmfriend" haben Nutzer auch von zu Hause Zugriff auf Filme.
Die Amerika-Gedenkbibliothek. Mit "Filmfriend" haben Nutzer auch von zu Hause Zugriff auf Filme.Foto: imago/Sven Lambert

Neben Netflix, Amazon Prime, Maxdome und Co. tritt in Berlin nun ein weiterer Konkurrent in den Wettbewerb der Streaming-Dienste ein. Seit einigen Tagen läuft das erste Video-on-Demand-Filmportal speziell für Bibliotheken, welches das Abrufen von Filmen auf Anfrage ermöglicht. Es ist das erste Filmstreaming-Portal einer städtischen Bibliothek in Deutschland.

Filmfriend, so der Name des Portals, wurde vom Verbund öffentlicher Bibliotheken Berlin (VÖBB) in Kooperation mit der filmwerte GmbH aus Babelsberg entwickelt. Zurzeit besteht das Angebot aus rund 500 Spielfilmen, Dokumentationen und Serien. Bis Ende des Jahres soll das Angebot auf 1200 erweitert werden. "Ein realistisches Ziel", wie Silvia Loinjak von der filmwerte GmbH betont. Doch was kann Filmfriend trotz enormer Konkurrenz überhaupt leisten?

"Es ist ein Überraschungseffekt eingetreten"

"Europäische Filme sind unser Alleinstellungsmerkmal", sagt Loinjak. Ein Blick auf die Website verrät: Tatsächlich ist Filmfriend etwas für Arthouse-Kinoliebhaber und bietet dem Nutzer auch viele deutsche Produktionen, die bisher in der Öffentlichkeit wenig Berücksichtigung fanden. Die Bibliotheken möchten mit Filmen und Serien außerhalb des Mainstreams bei den Nutzern punkten. Mit dem Schwerpunkt auf deutsche und europäische Produktionen füllen sie ein Vakuum. Das würden auch erste Nutzerzahlen belegen.

"Zurzeit nutzen circa 3000 Menschen Filmfriend", sagt Moritz Mutter, der Zuständige des VÖBB für dieses Angebot. Rund 1000 Personen nutzten zudem die Online-Angebote der Büchereien, darunter Hörbücher, Musikangebote und den Zugang zur Genios-Pressedatenbank, ohne einen manuellen Bibliotheksausweis zu besitzen, ergänzt Mutter.

Hinzu kommt: Filmfriend ist in den jährlich für den Ausweis zu entrichtenden 10 Euro bereits enthalten, sodass keine Mehrkosten für den Nutzer entfallen. Ausweisinhaber können sich auf der Website mit ihren Benutzerdaten einloggen. Mit dem innovativen Angebot versuchen die Berliner Bibliotheken, neue Zielgruppen zu erreichen. "Es ist tatsächlich ein Überraschungseffekt bei unseren Besuchern eingetreten. Wir erhalten viele Anfragen wegen der Website (von Filmfriend, Anm.) per Mail und zahlreiche positive Rückmeldungen", betont Mutter.

Rückläufige Tendenz bei CDs, DVDs und Blu-Ray

Die Bibliotheken orientieren sich um. Bei den CD-, DVD- und Blu-Ray-Ausleihen gibt es seit 2015 eine rückläufige Tendenz, wie Anna Jacobi, die Pressesprecherin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin auf Anfrage des Tagesspiegels bestätigt. So seien 2015 noch 4,7 Millionen DVD- und Blu-Ray-Discs verliehen worden.

2016 würden nur noch insgesamt 4,5 Millionen verliehen. Bei den Leihen von E-Books hingegen sind deutliche Anstiege zu verzeichnen. Diese erreichten letztes Jahr laut VÖBB mit rund einer Million Ausleihen ihren bisherigen Höchststand. Auf diese Entwicklungen reagieren die Bibliotheken nun mit Filmfriend, um im digitalen Markt wettbewerbsfähig zu sein.

In den Sommertagen, in denen klassischerweise Reiseführer und Belletristik wieder ganz oben auf den Ausleihlisten stünden, gibt es nun auch für Filmliebhaber ein zusätzliches Angebot. "Wir befinden uns in Verhandlungen mit anderen städtischen Büchereien in Deutschland", sagt Loinjak. Noch gebe es aber keine Einigung zu vermelden. Bis dahin bleibt Filmfriend ein Berliner Pionierprojekt.

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