Filmpremiere im Zoo-Palast : Probier’s mal wieder mit Gemütlichkeit

Nur in Berlin, der Stadt des Bären, findet eine „Dschungelbuch“-Premiere den würdigen Rahmen – wie am Dienstag im Zoo-Palast.

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Justus von Dohnányi (l-r), Christian Berkel, Armin Rhode, Pablo Ribet-Buse, Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Ben Becker und Joachim Król kommen zu der Deutschlandpremiere von Disneys "The Jungle Book".
Justus von Dohnányi (l-r), Christian Berkel, Armin Rhode, Pablo Ribet-Buse, Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Ben Becker und...Foto: dpa

Der Vater der Gemütlichkeit war selbstverständlich Berliner, 1929 geboren in Dahlem, später dann Bühnendebütant am Hebbel-Theater, 30 Jahre Ensemblemitglied der Staatlichen Bühnen Berlins, dazu ein begehrter Synchronsprecher. Dem ewig Lollis lutschenden Kojak hat Edgar Ott seine Stimme geliehen, dem dicken Asterix, dem Hörspiel-Elefanten Benjamin Blümchen und eben Balu, dem Bären aus Disneys „Dschungelbuch“ mit dem überaus einleuchtenden Lebensprinzip „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“.

Ein Liedchen, dargeboten von original Berliner Lippen, das sich seit der Premiere des Zeichentrickfilms zu Weihnachten 1968 in Millionen Kinder- und Erwachsenenohren gebohrt hat, allein dies wäre Grund genug, die nächste Runde der „Dschungelbuch“-Erfolgssaga in Berlin zu starten, dazu selbstverständlich im Zoo-Palast, der ja schon durch seine Nähe zum Reich der wilden Tiere für Dschungelhaftes prädestiniert erscheint. Und zu dessen Bestand im Übrigen vier Lippenbären gehören, allesamt Vorbilder zu dem zotteligen Balu. Von denen einer, Rajath genannt, unlängst den Ur-Berliner Verein Hertha BSC zum Paten gewann, na bitte.

Vom "Dschungelbuch" zum "Jungle Book"

Premiere also, aber diesmal heißen Moglis Abenteuer „The Jungle Book“ und sind nicht länger mühsam Bild für Bild gezeichnet worden. Unter der Regie von Jon Favreau wurden vielmehr Live-Action mit dem Jungschauspieler Neel Sethi und Computeranimation kombiniert, selbstverständlich in 3-D. Hollywood-Stars wie Bill Murray und Scarlett Johansson sprechen im Original die Tiere des Dschungels, in der deutschen Version sind es Armin Rohde als Bär Balu, Joachim Król als Panther Baghira, Ben Becker als Tiger Shir Khan, Christian Berkel als Orang-Utan King Louie, Heike Makatsch als Wolfsmutter Raksha, Justus von Dohnányi als Wolfsrüde Akela und Jessica Schwarz als Schlange Kaa. Sie alle bevölkerten am Dienstagabend den roten Teppich vor dem Zoo-Palast, auch allerlei andere Prominenz war gekommen zum Urwaldfest mit Mogli, Balu & Co.

Premierenparty im "Dschungel"? Geht leider nicht

Schade eigentlich, dass es den legendären „Dschungel“ in der Nürnberger Straße nicht mehr gibt, er hätte sich zur Premierenparty angeboten, wie ohnehin Berlin nicht nur durch Balus Stimmgeber Edgar Ott und Hertha-Patenbär Rajath mit dem „Dschungelbuch“-Mythos verbunden ist. Das Wappentier Berlins? Es ist seit uralten Zeiten der Bär, zwar statt des indischen Lippenbären der einst hier ansässige Braunbär, aber eine dicke Lippe wird auch an der Spree ganz gerne riskiert. Von der hochbegehrten Bärentrophäe der Berlinale ganz zu schweigen. Der Stadtbär in seinem Zwinger am Märkischen Museum ist zwar Geschichte, eine aus Gründen des Tierschutzes begrüßenswerte, aus lokalpatriotischer Sicht aber bedauerliche Leerstelle. Und schließlich, ist nicht der Typ des Spezialberliners, der in Jogginghosen und ärmellosem Unterhemd über die hiesigen Straßen dem nächsten Kiosk entgegenschlurft, ein entfernter Verwandter des auf Gemütlichkeit schwörenden Bären Balu? Nur singen kann er bei Weitem nicht so gut.

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