Finanzlage : Air Berlin muss derzeit jeden Euro umdrehen

SCHULDENSTAND: 800 MILLIONEN

Air Berlin gilt schon länger als finanziell angeschlagen und steht unter dem Druck der Aktionäre, den Schuldenberg in Höhe von 800 Millionen Euro (Stand Juli) abzutragen. Die Aktie sinkt seit mehr als fünf Jahren fast stetig: Im Mai 2007 kostete ein Anteilsschein mehr als 20 Euro, am Dienstag nur noch 1,56. Die Klage hatte gestern kaum Einfluss auf den Kurs.

GERINGE AUSLASTUNG

Vor gut einem Jahr hatte der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den Chefsessel übernommen und die Expansionsstrategie des Vorgängers Joachim Hunold beendet. Anstatt immer neue kleine Airlines hinzuzukaufen, strich Mehdorn Strecken und verkaufte Flugzeuge – alles mit dem Ziel, die Auslastung der Maschinen zu steigern. So sinkt die Zahl der Passagiere weiter – auch im Oktober. Dafür waren die Maschinen etwas stärker (81 Prozent) ausgelastet. Zum Vergleich: Die Easyjet-Flugzeuge waren im Oktober zu mehr als 88 Prozent ausgebucht, bei steigenden Passagierzahlen. Auch Air Berlins größter Konkurrent Lufthansa präsentiert gute Geschäftzahlen.„Bei Air Berlin aber ist die Lage hoch dramatisch. Es entscheidend für den Fortbestand, dass die Gesellschaft jeden Euro eintreibt, auf den sie Anspruch hat“, sagt Aktionärsschützer Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Er begrüßt, dass nun endlich ein Gericht den Schaden beziffert, bedauert aber, dass dies lange dauern dürfte. Er hofft, nicht zu lange. „Es ist skandalös, dass Air Berlin und Flughäfen sich nicht außergerichtlich haben einigen können. Sollte Air Berlin diese Krise nicht überleben, werden die Flughäfen das noch sehr bedauern“, sagt Kunert. kph

0 Kommentare

Neuester Kommentar