Flucht aufs Land : Die Berliner zieht es ins Oderbruch

Hart, schnell und aggressiv. Björn Kern hat das Leben in Berlin nicht mehr ertragen. Im Oderbruch fand der Schriftsteller alles, was er braucht zum Glück: ein Haus, eine Bank, magische Felder. Und Nachbarn aus der Stadt, denen es genauso geht. Unser Blendle-Tipp.

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Stadtskeptiker: Björn Kern.
Stadtskeptiker: Björn Kern.Foto: Suskia/S. Fischer Verlag

Die Fahrt ins Paradies dauert 70 Minuten. So lange braucht die Regionalbahn von Berlin-Lichtenberg nach Neulangsow im Oderbruch. Dann trennen Björn Kern bloß noch 600 Meter Fußweg von seinem liebsten Ort, einer Bank am Ende seines Gartens hinter seinem alten Backsteinhaus.

Kern, Jahrgang 1978, ist ein Stadtflüchtling. In einer Zeit, in der alle nach Berlin wollen, will er weg. Je öfter er weg ist, draußen im Oderbruch, desto wohler fühlt er sich. „Diese Felder“, schwärmt er, „die haben eine Magie.“ Er hat kein Auto mehr, deshalb suchte und fand er sein Paradies in der Nähe einer Bahnlinie.

Nicht Berlin, sondern Neulangsow ist für ihn die große Freiheit. Ein paar Tage in der Stadt, dann möglichst ein paar Tage mehr im Dorf im Oderbruch, so lebt er, meistens zusammen mit seiner Freundin und der vier Jahr alten Tochter. Kern ist Autor, er kann seine Zeit selbst einteilen. Er hat Romane geschrieben, Texte fürs Radio und fürs Theater und nun ein Sachbuch mit dem programmatischen Titel „Das Beste, was wir tun können, ist nichts“. Wo er nichts tut, kann er einigermaßen frei entscheiden.

Er ist nicht der einzige Pendler zwischen einem der dünnsten und einem der am dichtesten besiedelten Orte in Deutschland. Morgens nach Berlin, abends zurück, das geht sogar täglich, wenn man muss. Im Landratsamt in Seelow kennt man das Modell. Thomas Berendt, Sprecher des Landrats und für „Migration“ zuständig, sagt, dass das Bevölkerungssaldo insgesamt zwar negativ sei – es verlassen mehr Menschen den Landkreis Märkisch-Oderland als dazukommen, die Einwohneranzahl sank in den vergangenen fünf Jahren von 190.500 auf 187.900 Menschen. Doch gebe es in den Dörfern, vor allem in denen mit Eisenbahnanbindung, „kaum Leerstand“. Denn insbesondere aus Berlin komme „ein deutlicher Zuzug“: Leute, die ein Wochenend- oder Ferienhaus suchen, Selbstständige, Freischaffende, Pendler.

Kerns Stadtflucht, die noch keine vollendete ist, liegt vier Jahre zurück ...

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