Berlin : Fluchtpunkt Berlin: Stadt erwartet Tausende Kosovaren

SILKE EDLER,KATJA FÜCHSEL

BERLIN .Während die Behörden noch auf Informationen über den zu erwartenden Flüchtlingsstrom aus dem Kosovo warten, bereiten sich die hier lebenden Albaner bereits auf die Ankunft ihrer Landsleute vor."Viele Flüchtlinge werden bei ihren Verwandten unterkommen", sagt ein Vertreter des Vereins "Dituria".Nach seinen Schätzungen leben derzeit etwa 23 000 Albaner in Berlin.

Die vergangenen Tage hat der "Dituria"-Vertreter - er hat nach eigenen Angaben schon Morddrohungen erhalten und will deshalb namentlich ungenannt bleiben - wie viele seiner Landsleute vor Fernseher und Radiogerät verbracht.Erfahren hat er, daß sich die gesamte Bevölkerung seines Heimatortes derzeit auf der Flucht befinden soll."Ich warte auf eine Nachricht von meinen zehn Verwandten, daß sie noch leben." Daran, daß die Flucht seiner Angehörigen in Berlin enden soll, hegt der "Duturia"-Vertreter keinen Zweifel."Wir sind hier drei Brüder: Wo sollen sie sonst hin?" Bereits jetzt gehören die Albaner nach Angaben der Ausländerbeauftragten John zur größten Gruppe von Flüchtlingen in der Stadt.

Die Berliner Behörden haben bislang noch keine Hinweise erhalten, wie viele der Flüchtlinge in Berlin untergebracht werden sollen.Hans-Uwe Götting vom Landesamt für Gesundheit und Soziales wartet derzeit noch auf detaillierte Informationen."Wir können uns kaum vorbereiten, da weder bekannt ist, ob, noch wann und wie viele Menschen aus dem Kosovo nach Berlin kommen." Freie Plätze gebe es derzeit nicht, da Berlin aufgrund abnehmender Flüchtlingszahlen in den vergangenen Jahren Heimplätze abgebaut habe.Allerdings könnten Unterkünfte kurzfristig aktiviert werden.

Berlins Innensenator Eckart Werthebach forderte, die Flüchtlingsproblematik auf europoäischer Ebene zu diskutieren.Zwar kämen derzeit - entgegen anderslautenden Meldungen - noch keine Kosovaren in westeuropäische Länder.Dennoch müsse man europaweit damit rechnen.Verständigt haben sich die Innenminister darauf, die Flüchtlinge in der Region zu halten."Dafür werden weitere Mittel für die humanitäre Hilfe bereitgestellt", sagte Werthebach.Außerdem sollen bis auf weiteres keine Bosnier aus Deutschland abgeschoben werden.

"Es steht zu befürchten, daß sich die humanitäre Lage der Flüchtlinge weiter zuspitzen wird", sagt der zuständige Sprecher im Auswärtigen Amt.Man suche derzeit nach Lösungen, um den Flüchtlingen eine "menschenwürdige Aufnahme" zu gewährleisten.Nach den Angaben des Bundesinnenministeriums am Montag sollen mehr als 450 000 Menschen aus dem Kosovo vertrieben worden sein; erwartet werden weitere 150 000 Flüchtlinge.Über 100 000 Flüchtlinge sind nach den Angaben eines Sprechers der albanischen Botschaft bereits in Albanien eingetroffen."Pro Stunde kommen 4000 Menschen hinzu." Fest stehe lediglich, daß "diese große Zahl" nicht in seinem Heimatland untergebracht werden könne.Völlig unklar sei hingegen, wie die Flüchtlinge in Europa verteilt würden.

John: Viele Flüchtlinge kommen zu Verwandten

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Berlin kommen könnten, wird nach Einschätzung der Ausländerbeauftragten Barbara John nicht mit dem früheren Flüchtlingsstrom aus Bosnien zu vergleichen sein.Damals kamen rund 40 000 Menschen."Wir müssen uns allerdings um die Flüchtlingsgruppe Gedanken machen, die Verwandte in der Stadt hat", räumt die Ausländerbeaufragte ein.In Berlin leben einige hundert Albaner schon seit rund 30 Jahren.Bei ihnen und bei den in den letzten Jahren nach Berlin gekommenen Kosovaren könnten jetzt etliche der Flüchtlinge Zuflucht suchen.Eventuelle Flüchtlingsströme in westeuropäische Länder sind für Barbara John derzeit aber das kleinere Problem.Man müsse zunächst Mazedonien und Albanien bei der Flüchtlingsversorgung unterstützen: "Mit den Kampffliegern hätten auch Versorgungsflugzeuge in die Region starten müssen."

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