Flüchtlinge im Flughafen Tempelhof : Eine Zeltstadt im Hangar

Die ersten 60 Flüchtlinge sind in Tempelhof untergekommen und haben die Zelte im Hangar bezogen. Weitere werden in der Nacht erwartet.

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Im Hangar 1 des Flughafens Tempelhof ist eine Zeltstadt für Flüchtlinge entstanden.
Im Hangar 1 des Flughafens Tempelhof ist eine Zeltstadt für Flüchtlinge entstanden.Foto: Hannibal Hanschke/Reuters

Die ersten 60 Flüchtlinge sind jetzt im ehemaligen Flughafen Tempelhof untergebracht. Sie kamen am frühen Montagmorgen an. Ursprünglich sollten sie schon am Vortag einziehen. Weitere Flüchtlinge wurden in dieser Nacht erwartet; drei Busse aus Bayern waren unterwegs. Da Ende vergangener Woche alle 90 Unterkünfte belegt waren, wurde dann schnell der Flughafen als Notunterkunft hergerichtet.

Bundeswehr, Feuerwehr und THW bauten Zelt auf

Belegt ist jetzt der Hangar 1 des denkmalgeschützten Flughafenensembles. Soldaten der Bundeswehr bauten gemeinsam mit Mitarbeitern der Feuerwehr und Freiwilligen des Technischen Hilfswerks Zelte in dem riesigen, rund 18 Meter hohen Hangar auf. Die Zelte waren zuvor in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau genutzt worden. Das dortige Zeltlager war in der vergangenen Woche abgebaut worden, da man angesichts des nahenden Winters Flüchtlinge dort nicht mehr unterbringen wollte. Jetzt stehen in der Hangarhalle 55 Zelte, in denen Männer, Frauen und Kinder unterkommen können. Sie bieten Platz für insgesamt 660 Flüchtlinge. Bis zu sechs Doppelstockbetten stehen in einem Zelt. Besondere Rücksicht wird auch auf Familien genommen, die in einem getrennten Bereich untergebracht werden. Diese Zelte würden nicht maximal mit Betten belegt, damit die Familien unter sich sein können und noch ein wenig Privatsphäre haben, sagte die Sprecherin der Senatssozialverwaltung, Regina Kneiding.

Container mit Duschen wurden bestellt

Inzwischen sei auch die Wärmeversorgung gesichert. In dem großen Hallenbau ist laut Kneiding ohnehin eine Heizung vorhanden, die noch durch weitere Anlagen ergänzt wird. Der Hangar verfügt über funktionsfähige Toilettenräume – die jedoch bei voller Belegung durch Flüchtlinge bei Weitem nicht ausreichen. Inzwischen sind mobile Toilettenanlagen aufgebaut worden. Auch Duschcontainer wurden bereits bestellt, sind aber bisher nicht geliefert worden. Sollte sich dieses weiter verzögern, wird es einen Shuttle-Bus zum nahe gelegenen Columbiabad geben. Mit den Bäderbetrieben sei darüber schon gesprochen worden, sagte Kneiding.

Ärzte und Sanitäter sind regelmäßig da

Auch für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge ist gesorgt. Regelmäßig seien Ärzte und anderes medizinisches Personal an Ort und Stelle, um sich um die Menschen zu kümmern. Die Organisation der Flüchtlingsunterbringung hat die Firma Tamaja übernommen, die zudem zwei weitere Einrichtungen betreut.

Über die Nutzung des einstigen Flughafens war in den vergangenen Monaten immer wieder diskutiert worden. Zunächst wurde das Gebäude als nicht geeignet für die Unterbringung von Flüchtlingen angesehen. Als die Zahlen der in die Stadt kommenden Menschen aber immer höher und andere Kapazitäten knapper wurden, beschloss der Koordinierungsstab für die Flüchtlingshilfe im vergangenen Monat, auch Tempelhof zu nutzen, wenn es keine weiteren Alternativen in der Stadt mehr gebe.

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