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Flüchtlinge in Berlin : Vor dem Lageso wird weiter in der Kälte gewartet

Bei Temperaturen von minus 8 Grad sind die Wartezelte überfüllt. Die Flüchtlinge warten dennoch. Die Rede ist von Erfrierungen.

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Am Mittwochvormittag vor dem Lageso.
Am Mittwochvormittag vor dem Lageso.Foto: Ronja Ringelstein

Die eisigen Temperaturen der vergangenen Tage halten die Flüchtlinge nicht davon ab, die Nacht über vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit auf einen Termin zu warten. Sowohl die ehrenamtlichen Helfer der Initiative „Moabit hilft!“ als auch die am Lageso tätigen Caritasmitarbeiter berichten von gesundheitlichen Belastungen durch die Kälte. "Heute ist der Andrang vor dem Amt noch größer", sagt der Leiter des Caritas-Sozialteams, Sascha Kiffer, am Mittwoch, da jetzt wieder der Betrieb voll aufgenommen wurde und viele Termine neu vergeben wurden. Eine genaue Zahl, wie viele Menschen auf dem Gelände heute warten, könne er allerdings nicht nennen.

Klar ist aber: Das Wartezelt vor dem Container am Haus A, am hinteren Ende des Geländes, ist schon am Vormittag überfüllt. Die restlichen Menschen stehen bei minus acht Grad draußen vor der Absperrung. Hier hoffen sie, das Wachpersonal doch noch überreden zu können, sie in das Wartezelt oder den Container zu lassen. Wohl vergebens, denn es sei schon unwahrscheinlich, dass heute alle im Zelt Wartenden überhaupt an die Reihe kommen, erklärt eine freiwillige Helferin auf dem Gelände.

Die Menschen müssen bei Minusgraden warten

Die Menschen, die da draußen in der Kälte stehen, haben Terminzettel dabei, auf denen längst vergangene Tage notiert sind. "Ich habe manche Zettel gesehen, auf denen Termine im November oder sogar September vermerkt sind", erzählt Sascha Kiffer. Deshalb müssten sie immer wieder persönlich zum Lageso und warten bis sie endlich an die Reihe kommen oder jedenfalls ein neuer Termin auf ihre Zettel gestempelt wird.

Bereits am Montag war nach dem Jahreswechsel und Feiertagen der Andrang besonders stark gewesen. Flüchtlinge sollen Erfrierungen erlitten haben, die von den Ärzten behandelt werden mussten.

Dies dementierte am Donnerstag die Sozialverwaltung für Gesundheit und Soziales ("Es gab keine Erfrierungen, es gab keine Notarzteinsätze"). Schon zuvor hatte die Caritas Berichte, wonach einem Mann aufgrund der Kälteverletzung ein Zeh amputiert werden musste, als nicht korrekt bezeichnet. Weder die Wartezelte seien ausreichend zu beheizen, noch hätten die Flüchtlinge passende Winterkleidung und Schuhe. Das Sozialteam ist mit zwölf Mitarbeitern am Lageso im Einsatz. Hinzu kommen stets zwei Mediziner – Ehrenamtliche und Ärzte der Charité.

Mit Kreislaufbeschwerden zusammengebrochen

Auch am gestrigen Dienstag kam es nach Angaben der Sprecherin von „Moabit hilft!“ zu Vorkommnissen. Drei Menschen seien mit Kreislaufbeschwerden zusammengebrochen. Die Sprecherin der Senatssozialverwaltung, Regine Kneiding, verweist indes auf viele Verbesserungen beim Lageso. In den vergangenen Tagen sei viel abgearbeitet worden. Zudem müssten die Menschen nicht mehr so oft zum Lageso kommen, da Kostenübernahmen für Unterkunft und Taschengeldzahlungen ohne erneute Vorsprache verlängert werden. Außerdem gebe es jetzt eine Bescheinigung über eine Gesundheitskarte. „Niemand muss mehr in der Nacht anstehen“, sagte Kneiding. Deswegen werde es derzeit keine Änderungen bei der Wartesituation geben. Der Hörsaal, der tagsüber genutzt wird, werde nachts nicht geöffnet.

In den Notübernachtungen für Obdachlose wird es eng

Wegen des Frosts wird es inzwischen auch in den Notübernachtungstellen der Kältehilfe für die Obdachlosen eng. Die Auslastung lag am Montag bei 98,1 Prozent; 706 der 721 Plätze waren belegt. Die Busse von Stadtmission (Telefon 0178/523 58 38) und Rotem Kreuz (Telefon 0170/910 00 42) sind in den Nächten im Einsatz, um Obdachlose in die Unterkünfte zu bringen. In den kommenden Tagen soll es nicht mehr ganz so kalt sein. Die Meteorologen sagen für den heutigen Mittwoch noch Minusgrade voraus, ab Donnerstag soll es dann wieder etwas wärmer werden.

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