Flüchtlinge in Berlin : Wuchermieten und Knebelverträge: Wer Flüchtlinge ausnutzt

Hunderte Menschen kamen im Herbst oft am Tag in einer Kommune an. Was manche Verwaltung in die Bredouille brachte. Gute Voraussetzungen für unseriöse Geschäftemacher. Beispiele aus Berlin

Zahlreiche Betten stehen in einer großen Sporthalle am Olympiapark im Stadtteil Charlottenburg für Flüchtlinge bereit.
Zahlreiche Betten stehen in einer großen Sporthalle am Olympiapark im Stadtteil Charlottenburg für Flüchtlinge bereit.Foto: dpa

Berlin wächst, die Zahl der Flüchtlinge steigt. Deren Unterbringung und Versorgung stellt das Land vor große Probleme. Fast immer herrscht Zeit- und Entscheidungsdruck. Findige Unternehmen und Privatleute wissen das auszunutzen. Die Nachrichtenagentur dpa hat einige Beispiele zusammengestellt, wer mit den Flüchtlingen Geld macht.

HOSTELS. Im Herbst 2015 musste Berlin einige tausend Flüchtlinge in Hostels unterbringen, weil alle Notunterkünfte voll waren. Betreiber belegten Zwei- und Vierbettzimmer mit doppelt so vielen Menschen und kassierten dafür bis zu 50 Euro pro Tag und Kopf vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Angesichts des Zuzugs von täglich bis zu 1000 Asylbewerbern schaffte die Behörde es nicht, das Einhalten der Standards zu kontrollieren. Die Sozialverwaltung räumt ein, es gebe schwarze Schafe in der Branche, will aber keine Zahlen nennen. Die Verwaltung arbeitet stattdessen an einer „Weißen Liste“ mit seriösen Hostels.

WOHNUNGEN. Privatleute mieten bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Wohnungen zu marktüblichen Beträgen - um diese dann zu überhöhten Preisen entweder an das Lageso oder an Flüchtlinge weiterzuvermieten. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) erzählt von einem Unternehmer, der zahlreiche Apartments bei der Berlinovo angeblich für einen Filmdreh für 800 bis 1000 Euro mietete. Dem Lageso stellte er anschließend 10.000 Euro pro Wohnung in Rechnung.

Ai Weiwei hüllt Berliner Konzerthaus in Schwimmwesten
Dick eingepackt sind die Säulen des Konzerthauses am Gendarmenmarkt seit Freitagabend.
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14.02.2016 10:31Dick eingepackt sind die Säulen des Konzerthauses am Gendarmenmarkt seit Freitagabend.

IMMOBILIEN. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) erhält immer wieder Angebote von Privatleuten, ganze Häuser und ehemalige Büroflächen für Flüchtlinge anzumieten. Das seien „Goldgräber“, sagt ein BIM-Sprecher. Sie riefen bei der BIM an, noch bevor ihnen die Immobilie überhaupt selbst gehöre. Angeboten werde das Haus dann zu völlig unwirtschaftlichen Preisen.

CATERER und SICHERHEITSUNTERNEHMEN. Caterer und Sicherheitsunternehmen wenden sich initiativ an Betreiber von Flüchtlingsunterkünften - und bieten ihre Dienste für viel Geld an. Die überteuerten Angebote würden aber nicht angenommen, betonen mehrere Betreiber. „Wir haben jahrzehntelange Kontakte zu unseren Partnern“, heißt es beispielsweise bei der Arbeiterwohlfahrt. Auch das Deutsche Rote Kreuz betont, in seinen Unterkünften würden Caterer und Sicherheitsfirmen zu marktüblichen Preisen angestellt.

HANDYVERTRÄGE Immer wieder werden Flüchtlingen viel zu teure Handy-Verträge angedreht. Die Verkäufer nutzen aus, dass die Menschen wenig deutsch sprechen und mit vielen organisatorischen Fragen überfordert sind. Weil sie nicht zahlen können, häufen sich die Schulden. In Berlin seien Flüchtlingen auch Kabelrouter verkauft worden, obwohl sie in den Unterkünften nicht mal eine Telefonbuchse hätten, berichtet die Organisation „Moabit hilft“. Die großen Telekommunikationsanbieter seien inzwischen aber kulant und verzichteten oft auf Forderungen, wenn man sich an sie wende. (dpa)

Wo Berlin seine Flüchtlinge unterbringt
Im früheren Ballsaal des ehemaligen Internationalen Congress Centrum (ICC) wohnen Flüchtlinge in abgetrennten Zimmern, die nach oben offen sind. Seit Dezember 2015 sind in den ehemaligen Veranstaltungssälen rund 600 Flüchtlinge untergebracht.
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04.05.2016 09:04Im früheren Ballsaal des ehemaligen Internationalen Congress Centrum (ICC) wohnen Flüchtlinge in abgetrennten Zimmern, die nach...

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