Flughäfen Tegel und Schönefeld : Dieser Streik war lange absehbar

Eine unüberlegte Privatisierung wirkt sich jetzt aus. So einfach lässt sich der Streik in Tegel und Schönefeld erklären. Ein Kommentar.

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Nichts fliegt mehr. Die Anzeige in Tegel am Freitag.
Nichts fliegt mehr. Die Anzeige in Tegel am Freitag.Foto: AFP

Als sich die Länder Berlin und Brandenburg als Miteigentümer der Berliner Flughäfen und die Lufthansa im Jahr 2008 gemeinsam für die Privatisierung der Bodenleistungen auf den Berliner Airports entschieden, machten sie einen guten Schnitt. Die Passagiere leider nicht. Die Gesellschaft Globe Ground, die nach allgemeiner Einschätzung bis dahin ihren Verpflichtungen ordentlich nachkam, wurde zerschlagen. Heute sind auf den Flughäfen in Tegel und Schönefeld mehrere miteinander konkurrierende Unternehmen tätig, die sich um das Be- und Entladen der Koffer, den Check-in und das Einweisen der Flugzeuge kümmern. Alle haben sie Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden, denn sie zahlen schlecht und machen dennoch Verluste. Das macht den derzeitigen Arbeitskampf für beide Tarifpartner so schwierig.

Geringere Löhne führen zu schlechterem Service

Der Druck durch die Fluggesellschaften auf die Kostenstruktur ist groß. Sie wollen für die Bodendienste möglichst wenig zahlen, das drückt die Gehälter. Der Stundenlohn liegt um elf Euro, Verdi verlangt jetzt eine Erhöhung um einen Euro. Die will die Arbeitgeberseite lediglich über vier Jahre gestreckt hinnehmen. Da viele der 2000 Jobs am Boden nur Teilzeitbeschäftigungen sind, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon nicht existieren. Sie brauchen einen zweiten Job oder Geld vom Amt. Zudem ist die Arbeit in Schichten und bei Wind und Wetter hart. Es bleibt ein Teufelskreis: Für wenig Geld bekommt man entweder kein oder nicht genügend Personal, die Mitarbeiter klagen darüber, dass sich auch das Bemühen um weitere Qualifizierung nicht auszahlt. Wie auch, wenn das Unternehmen in den Miesen ist?

Was wir in Berlin erleben, ist die klassische Folge einer unüberlegten Privatisierung. Damit konnte man die Löhne der Mitarbeiter drücken, aber der Service wurde schlechter. Qualität hat eben ihren Preis. Und da ist noch die Sicherheitsfrage. Verdi klagt, dass einzig in Berlin der Flughafen die Personalhoheit auf dem Boden aus der Hand gegeben habe. Angesichts der Gefahren durch den Terrorismus eine fahrlässige Entscheidung.

Die Flughäfen: Negativwerbung für Berlin

Und: Seit 2008, dem Jahr der Privatisierung, sind alleine im Januar die Passagierzahlen bis heute um 20 Prozent gestiegen. Die Arbeitgeberseite verweist darauf, dass bei der Konzentration auf einen Flughafen – also falls BER eröffnet – erhebliche Kosteneinsparungen möglich sind. Sollen die Passagiere bis 2019 leiden? Schon heute dauert es in Tegel oft genauso lange wie der ganze Flug von München oder Stuttgart, bis man seinen Koffer vom Band nehmen kann. Die Bemerkungen internationaler Passagiere über den Ton in Tegel sind keine Reklame für die Stadt. Vielleicht sollten die Eigentümer der Flughafengesellschaft aufhören, so zu tun, als ginge sie alles nichts an.

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