Flughäfen Tegel und Schönefeld : Taxifahrer können auch harmonisch

Von einem regelrechten Taxi-Krieg war in jüngster Vergangenheit mehrfach zu hören. Die einen Fahrer dürfen nur nach Tegel, die anderen nur nach Schönefeld – das muss doch Streit geben, oder?

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Vorerst herrscht ein Patt im Berliner Taxi-Streit.
Vorerst herrscht ein Patt im Berliner Taxi-Streit.Foto: dpa

So viel Harmonie unter den Taxifahrern am Flughafen Schönefeld hat es lange nicht gegeben. Sie plaudern über Silvester, tauschen ihre vorwiegend türkischen und arabischen Zeitungen aus und warten auf Fahrgäste. Vom vermeintlichen Taxikrieg zwischen Berliner und Brandenburger Unternehmen ist an diesem Mittwochnachmittag jedenfalls nichts zu spüren. „Es läuft prima“, sagt Osman Dinckan, Vorsitzender des Taxiverbandes im Landkreis Dahme-Spreewald (LDS). Er vertritt jene Unternehmen, die das einträgliche Flughafengeschäft in Schönefeld seit Neujahr ohne die Berliner Konkurrenz betreiben.

Im Konflikt um Tarife und die Aufnahme von Fahrgästen war kein Kompromiss zu finden, schließlich kündigte der Landkreis Dahme-Spreewald die Vereinbarung mit dem Land Berlin. Deshalb dürfen jetzt nur noch „LDS-Taxis“ Personen in Schönefeld abholen. Berliner Taxis dürfen lediglich Fahrgäste aussteigen lassen und müssen dann leer in die Stadt zurückfahren. Das Berliner Taxigewerbe konterte prompt und befördert alle Passagiere vom Flughafen Tegel nun ganz allein, ohne LDS-Taxis.

Auch die Berliner Unternehmer, die nun in Tegel auf Fahrgäste hoffen, sind mit dem Patt vorerst zufrieden. „Wir hatten bis Silvester täglich rund 200 Taxis aus LDS“ sagt Uwe Gawehn, Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes. „Die fallen nun weg. Da der Flughafen Tegel derzeit richtig brummt, sind wir alle zufrieden.“ Der Verlust von Schönefeld falle kaum ins Gewicht.

In Berlin gibt es derzeit rund 7300 Taxis. Im Landkreis Dahme-Spreewald gab es vor vier Jahren etwa 120 Taxis, nun sind es mehr als 1600. Viele davon fuhren noch vor kurzem mit Berliner Kennzeichen, so mancher Unternehmer hat seine Fahrzeuge umgemeldet, um die einträglichen Flughafenfahrten weiter betreiben zu können. Uwe Gawehn sieht aber einen weiteren Grund für den Taxiboom in Dahme-Spreewald: die strengere Berliner Ortskenntnisprüfung. „Da haben sich viele Fahrer im Landkreis Dahme-Spreewald angemeldet, um hier eine leichtere Prüfung zu absolvieren und dennoch am neuen Flughafen fahren zu dürfen.“

Tatsächlich sind die Unterschiede in den Prüfungen enorm. In Berlin muss ein Taxichauffeur mindestens tausend Objekte aus dem Kopf kennen – also Straßen, Plätze und Gebäude. Die Prüfer im Berliner Umland begnügen sich mit 300 Objekten in der Hauptstadt, über die ein Prüfling Bescheid wissen sollte. „Die Fahrer sind deshalb nicht dümmer“, sagt allerdings Osman Dinckan, der sowohl in Berlin als auch in Brandenburg ein Gewerbe angemeldet hat. „Wer ein Taxi mit einem Kennzeichen aus dem Umland fährt, muss sich auch im Landkreis gut auskennen.“

Obwohl die in Schönefeld einsteigenden Fahrgäste also keine Unterschiede im Service spüren dürften, müssen sie für das Scheitern der Politiker seit Neujahr bezahlen. „Eine Fahrt zum Ku'damm kostet jetzt rund drei Euro mehr“, bestätigt Dinckan. „Aber da wir auf Berliner Gebiet keine Fahrgäste aufnehmen dürfen, ist der Betrag aus unserer Sicht gerechtfertigt.“

Noch unklar ist, wie die Regeln für den neuen Großflughafen aussehen sollen, für Februar sind Gespräche angesetzt. „Wir brauchen auf jeden Fall das Geschäft mit den Flugpassagieren“, stellt Uwe Gawehn für die Berliner Taxis klar. „Als Kompromiss könnten wir den Kollegen einen Haltepunkt in Berlin anbieten, beispielsweise am Hauptbahnhof.“ Da 90 Prozent aller Fahrten vom Flughafen nach Berlin gehen, wäre eine einseitige Bevorzugung der Unternehmen aus dem Umland aus seiner Sicht nicht gerechtfertigt. Auch die LDS-Unternehmen hoffen auf eine rasche Lösung. „Sonst melden sich immer mehr Unternehmen im Landkreis an“, sagt Dinckan. „Dann könnte es wirklich zum Taxistreit kommen.“

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