Flughafen BER : 300 Szenarien für Feuer

18.07.2012 00:00 Uhrvon , Peter Tiede
Unter Helmen. Die Fraktion der Piratenpartei im Abgeordnetenhaus wurde von Flughafen-Chef Rainer Schwarz über den Fortgang der BER-Bauarbeiten informiert. Allerdings blieben Fragen offen. Foto: Davids/Brunner
Unter Helmen. Die Fraktion der Piratenpartei im Abgeordnetenhaus wurde von Flughafen-Chef Rainer Schwarz über den Fortgang der BER-Bauarbeiten informiert. Allerdings blieben Fragen... - Foto: Davids/Brunner

Vom Flughafen-Chef und dem amtierenden Bauleiter für den neuen Flughafen ließ sich der Vorstand der Piratenfraktion die BER-Baustelle zeigen. Die Piraten sollen den Untersuchungsausschuss zur verschobenen Flughafeneröffnung leiten, sehen allerdings viele Fragen noch offen. Die Brandschutzanlage gehört zu den komplexesten weltweit.

Nach außen sind sie ganz entspannt – Flughafen-Chef Rainer Schwarz und der amtierende Bauleiter für den neuen Flughafen, Joachim Korkhaus. Wegen der nächsten Tests der Entrauchungsanlage im künftigen Terminal mache er sich keine Sorgen, sagte Korkhaus am Dienstag auf der Baustelle. Der Vorstand der Piratenfraktion hatte sich dort von Schwarz und Korkhaus die Probleme und vorgesehenen Lösungen am Flughafenbau erklären lassen. „Viele Fragen blieben offen“, zeigte sich hinterher Martin Delius enttäuscht. Nach den Ausführungen könne man meinen, am Flughafen sei alles in Ordnung. Delius soll den Untersuchungsausschuss zum Flughafen-Desaster leiten.

Dabei soll geklärt werden, wie es dazu kommen konnte, dass die Entrauchungsanlage nicht funktioniert hat, was zum Verschieben des Eröffnungstermins 3. Juni geführt hatte.

Die Anlage gehört nach Angaben von Korkhaus zu den größten und komplexesten weltweit. 3500 Rauchklappen in Kilometer langen Kanälen müssen bei einem Feuer ebenso automatisch gesteuert werden wie Hunderte von Türen. Auch Fenster müssen sich nach einem vorgegebenen Plan öffnen oder schließen, je nachdem ob Rauch abgesaugt oder Frischluft herangeführt werden muss. 20 000 Brandmelder müssen verkabelt werden, mehrere tausend Lautsprecher sind anzuschließen. Die Notbeleuchtung muss anspringen – und: Der Rauch muss weg. Innerhalb von 15 Minuten muss es über dem Boden einen rauchfreien Bereich von 2,15 Meter Höhe geben.

300 verschiedene Szenarien, abhängig vom angenommenen Brandort, muss die Steuerung beherrschen; bis zu 200 verschiedene Schaltungen müssen dabei automatisch vorgenommen werden. Und dieses Zusammenwirken hat bisher nicht funktioniert. Baulich seien die Anlagen dagegen zu 97 Prozent fertig, versicherte Korkhaus. Rund ein Dutzend Firmen seien am Einbau beteiligt.

Weil der größte Teil der Anlage im Untergeschoss installiert ist, muss bei einem Brand der Rauch im Gebäude angesaugt und unter dem Flughafengelände über Kanäle abgesaugt werden. Dafür musste ein kompliziertes System aus Entlüftungsklappen und Ab- und Ansaugeinrichtungen sowie die dazu gehörende elektronische Steuerung entwickelt werden, deren Bewährungsprobe im Test nun noch bevorsteht.

Bei vorangegangenen Tests sind nach Tagesspiegel-Informationen Teile der Kanäle implodiert. „Der Grund dafür ist ganz einfach“, so sagte ein Insider: „Herausblasen ist etwas anderes als absaugen – da herrscht Unterdruck, und dem ist das System nicht gewachsen.“ Inzwischen soll es Nachbesserungen gegeben haben – wie im gesamten Gebäude.

Die Arbeiten werden vom Tüv begleitet und abgenommen. Dessen Endkontrolle ist für den Januar vorgesehen. Noch steht offiziell der 17. März 2013 als neuer Eröffnungstermin des Flughafens.

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