Flughafen Berlin-Brandenburg : Baukonzern schlägt Magnetschwebebahn zum BER vor

Über eine Verlängerung der U7 wird seit Jahren diskutiert. Nun ist eine andere Verbindung zwischen Rudow und Schönefeld im Gespräch. Sie könnte einige Verkehrsprobleme lösen – und wäre angeblich deutlich günstiger.

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Per Magnetschwebebahn zum BER? Das könnte vielleicht Wirklichkeit werden.
Per Magnetschwebebahn zum BER? Das könnte vielleicht Wirklichkeit werden.Foto: picture-alliance/ dpa

Zum Flughafen BER könnte künftig eine Magnetschwebebahn verkehren – und zwar vom U-Bahnhof Rudow. Diesen Vorschlag hat der Baukonzern Max Bögl unterbreitet. Die international tätige Firma (6000 Mitarbeiter, Milliardenumsatz) mit Hauptsitz in der Oberpfalz hat für den Transrapid in Schanghai, der die Metropole mit dem Airport verbindet, das Know-how für die Trassen geliefert. „Wir kennen den Vorschlag“, bestätigte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. „Ich finde es gut, wenn über Alternativen und Optionen nachgedacht wird, die Verkehrsanbindung des neuen Flughafens zu verbessern.“

So findet sich die Magnetbahnvariante auch auf einer Liste Mühlenfelds für den Aufsichtsrat vom April mit möglichen Lösungsansätzen, wie die veraltete BER-Verkehrsanbindung verbessert werden könnte. Denn das wird wegen des Passagierwachstums zwingend nötig. Wie berichtet, droht nach einem Gutachten im Süden Berlins Verkehrschaos und regelmäßig Stau auf der Stadtautobahn, wenn der BER am Netz ist.

Noch keine detaillierte Planung

Schon länger in der Diskussion ist die Verlängerung der U-Bahnlinie 7; gefordert wurde sie zuletzt von der Neuköllner SPD. Auch der Landkreis Dahme- Spreewald, die Gemeinde Schönefeld und weitere BER-Anrainerkommunen möchten diese Variante prüfen. Auch die Flughafengesellschaft würde das favorisieren, setzt kurzfristig aber darauf, mehr Busse ab Rudow fahren zu lassen.

Die Idee der Magnetbahnlösung wurde auf Einladung des Schönefelder Bürgermeisters Udo Haase – im  Beisein der Bezirksbürgermeister von Treptow und Neukölln – vorgestellt und erörtert, wie Bögl-Sprecher Jürgen Kotzbauer sagte. Eine detaillierte Planung gebe es noch nicht. Der Regierende Michael Müller (SPD), der auch BER-Aufsichtsratschef ist, ist über den Vorschlag informiert. Er habe, so Kotzbauer, „vorerst eine gewisse Skepsis gegenüber einem kurzfristigen Einsatz von Magnetschwebetechnologie zur Anbindung des Flughafens an das öffentliche Verkehrsnetz“ geäußert. Und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Bauen, die die Verkehrsanbindung zum BER für ausreichend hält, hält derzeit weder etwas von einer Magnetbahn noch von der Verlängerung der U7. Für diese sehe man „im Augenblick keine Notwendigkeit“, halte aber für die Zukunft vorsorglich die Trasse der U 7 frei, hieß es auf Anfrage. Nach Angaben der Senatsverwaltung würde ein Kilometer U-Bahnbau etwa 300 Millionen Euro kosten.

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Magnetbahn könnte deutlich schneller fertig sein als eine U-Bahn-Verlängerung

Eine Magnetschwebebahn wäre zumindest deutlich preiswerter. Die Kosten „wären ca. 50 Prozent niedriger“ als bei der U-Bahn, heißt es in dem Mühlenfeld-Papier. Und die Firma Bögl weist darauf hin, dass Magnetbahnen nicht unbedingt auf Hochtrassen und Hochgeschwindigkeitsstrecken unterwegs sein müssten. Die Kosten seien „vergleichbar mit anderen spurgebundenen Nahverkehrssystemen“ und deutlich niedriger als unterirdische Lösungen. Ein Vorteil sei auch, dass die Magnetbahn bereits zwei bis drei Jahre nach Baubeginn betriebsbereit sein könne.

Für die Senatsverwaltung sprechen allerdings „trotzdem eine Menge Gründe dagegen: zu teuer, zu sehr isolierte Verkehrsart, zu hoher Energieverbrauch, zu hohe Lärmimmissionen, zu starker Eingriff in das Stadt- und Landschaftsbild“, wie es hieß. In Deutschland waren Transrapidprojekte, etwa das am Flughafen München, bislang gescheitert. Doch besonders in Asien sind Magnetbahnen in Betrieb. Auch auf der Bahnmesse Innotrans nächste Woche in Berlin wird die Technologie explizit Thema sein.

„Die vorhandene Infrastruktur muss den tatsächlichen Fluggastzahlen angepasst werden“, sagt Chris Halecker, Baubeigeordneter und Vize–Landrat von Dahme-Spreewald. Das ist auch eine Forderung des Dialogforums der BER-Umlandkommunen und der Industrie und Handelskammer Cottbus. „Ob Verlängerung der U 7 oder Magnetbahn, beides sind sinnvolle Vorschläge“, sagt Schönefelds Bürgermeister Haase. „Ich finde die Magnetbahnidee toll.“

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