Flughafen-Debakel : Ramsauers Team durfte nicht zum Stresstest

Der Bundesverkehrsminister kritisiert mangelnde Transparenz bei der Flughafengesellschaft. Die spricht von einem erfolgreichen Testverlauf, Medien melden hingegen Zweifel an. Das zeigt: Der Rauch um die BER-Baustelle hat sich noch lange nicht verzogen.

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In der Leitungsebene.
In der Leitungsebene.Foto: dapd

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist sauer: Ausgerechnet die Mitglieder der von ihm nach dem Flughafen-Desaster eingerichteten Sonderkommission durften am Montag nicht beim Entrauchungstest auf der BER-Baustelle teilnehmen. Sie seien kurzfristig ausgeladen worden, sagte ein Sprecher. Der Bund ist außerdem Miteigentümer der Flughafengesellschaft. Von dieser gab es keine Begründung. Ihr Sprecher Ralf Kunkel teilte lediglich mit, die drei Gesellschafter – neben dem Bund sind auch Berlin und Brandenburg beteiligt –, seien gestern „sehr detailliert, umfänglich und vollkommen gleichberechtigt über die Tests auf dem Laufenden gehalten worden.“

Ramsauer forderte nach Angaben des Sprechers von der Flughafengesellschaft, auf „Heimlichtuerei und Schönrederei“ endlich zu verzichten. Schon häufig hat die Flughafengesellschaft Brisantes verschwiegen – den Verlauf der Flugrouten genau so wie Kostensteigerungen oder Terminverschiebungen. Beim Test am Dienstag waren auch keine Medien zugelassen. Im Vorfeld hatte der Flughafen die Bedeutung auch heruntergespielt. Der Test sei einer von vielen und nichts Außergewöhnliches. Dabei war klar, dass bei einem Scheitern der vorgesehene Eröffnungstermin 17. März 2013 nicht mehr zu halten gewesen wäre. Geprüft wurde, ob der Rauch bei einem Brand auch nach einem Stromausfall ins Freie geführt wird oder aus den Entrauchungsanlagen zurück ins Gebäude strömt. Nach Angaben der Flughafengesellschaft waren die vier vorgenommenen Versuche, bei denen der Stromausfall unterschiedlich lang simuliert worden war, erfolgreich. Auch ein Sprecher von Siemens – das Unternehmen ist für die Steuerung der Anlage zuständig – bestätigte dies. Siemens-Mitarbeiter waren am Test beteiligt.

Der jüngste Test der Brandschutztechnik war offenbar erfolgreich. Die Anlage gehört nach Angaben der Flughafenbetreiber zu den komplexesten weltweit. Foto: dapd/Gabbert
Der jüngste Test der Brandschutztechnik war offenbar erfolgreich. Die Anlage gehört nach Angaben der Flughafenbetreiber zu den...Foto: dapd

Dennoch sah sich die Flughafengesellschaft am Tag danach gezwungen, Berichte über Pannen bei den Tests und ein Scheitern von drei der vier Durchläufe zu dementieren. Die Serie sei „nach erstem Augenschein“ erfolgreich verlaufen, sagte der Sprecher der Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel. Die bei den Tests erhobenen Messdaten würden jetzt ausgewertet. Ein Ergebnis soll bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrats vorliegen.

Im Gegensatz zur Darstellung der Flughafengesellschaft berichtete die „Märkische Allgemeine“ über Berichte von Augenzeugen, wonach die Tests keineswegs erfolgreich waren. Danach soll der erste Test völlig schief gelaufen sein und die Anlage beim zweiten Test nur zu zehn Prozent funktioniert haben. Der dritte Durchlauf soll abgebrochen worden sein. Überprüfen lässt sich das alles nicht. Der Flughafensprecher jedenfalls fragte wegen der Gerüchte am Mittwoch noch einmal bei den Experten und Ingenieuren nach und blieb anschließend bei seiner Aussage. Auch ein Siemens-Sprecher hatte, wie berichtet, bestätigt, dass die Tests erfolgreich gewesen seien.

Demnach sind im nördlichen Hauptpier vier sogenannte Heißgasrauchtests mit kontrollierten Bränden auf verschiedenen Terminal-Ebenen durchgeführt worden. Geprüft werden sollte, ob bei einem Stromausfall und nach dem Anspringen der Notstromaggerate nach 15, 20 und 30 Sekunden der Rauch aus den Abzugskanälen ins Gebäude zurückströmt. Vor diesem Risiko hatte die Baubehörde im Landkreis Dahme-Spreewald gewarnt, beteiligte Firmen und Planer dagegen sahen diese Gefahr nicht. Im Ernstfall soll der Rauch von unterirdischen Anlagen angesaugt und ins Freie transportiert werden. „Wir haben das per Messsonden und Videokamera aufgezeichnet“, sagte Kunkel. Es habe sich gezeigt, „dass der Rauch nach draußen transporter wird, auch wenn der Strom ausfällt.“

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