Flughafen Tempelhof : Junge-Reyer stellt Pläne für Öffnung vor

Bislang hatte sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gegen die Öffnung des Flughafens Tempelhof ausgesprochen - unter anderem weil das Gelände gar nicht Berlin gehörte. Das ändert sich nun.

Klaus Kurpjuweit,Ralf Schönball
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Platz für Pläne. Ab dem 1. September gehört der Flughafen Tempelhof dem Land Berlin. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Anwohner am Flughafen Tempelhof und ein breites Bündnis für dessen Öffnung sind kurz vor dem Ziel. Am Montag wird Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) neue Pläne für eine Öffnung des Flughafens Tempelhof vorstellen. Zudem ist jetzt auch juristisch klar, dass es keinen Flugverkehr mehr geben kann.

Dem Vernehmen nach verlässt die Verwaltung ihre bisherige Linie, das Areal nur für ausgewählte Anlässe und an bestimmten Tagen zugänglich zu machen. Ein breites Bündnis von Bürgerinitiativen, Naturschutzverbänden und den Berliner Grünen hatte dagegen Stimmung gemacht – auch viele Anwohner schlossen sich der Forderung „Tempelhof aufmachen für alle“ an.

Bisher hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dies abgelehnt, weil Berlin rechtlich noch nicht Eigentümerin des Geländes sei, sondern der Bund. Am 1. September übernimmt Berlin jedoch die Anlage. Außerdem hieß es, dass auf dem Flughafen-Areal zu viele alte Gebäude oder Bunkeranlagen stünden sowie noch nicht abgebaute Anlagen der Flugsicherung. Diese sollten stehen bleiben, solange das juristische Verfahren um die Entwidmung als Flughafen noch nicht abgeschlossen war. Inzwischen hat das Bundesverwaltungsgericht den Antrag des letzten Klägers aber zurückgewiesen. Er war vor dem Oberverwaltungsgericht unterlegen und hatte gegen das Nichtzulassen der Revision Beschwerde eingelegt. Eine Wiedereröffnung als Flughafen sei damit ausgeschlossen, erklärte nun auch der Kläger Wolfgang Przewieslik. Zumindest die Flugsicherung kann ihre Anlagen entfernen.

Am Montag wird Junge-Reyer auch das Ergebnis der Bürgerbeteiligung zur Gestaltung der Parklandschaft auf dem ehemaligen Flughafen vorlegen. Die Umfrage ist repräsentativ, befragt wurden 6200 Bewohner im unmittelbaren Einzugsbereich sowie 1000 weitere in ganz Berlin. Die eingereichten Vorschläge sollen in die Vorgaben für den geplanten zweistufigen, internationalen landschaftsplanerischen Wettbewerb einfließen. Dieser soll Ende dieses Jahres ausgelobt werden.

Bewegung kommt auch in die künftige bauliche Nutzung des Areals. Zwei früher für das Gelände von Adlershof zuständige Planer sollen einen Entwicklungsträger für Tempelhof gründen, der dann zusammen mit dem Verwalter des Gebäudes, der landeseigenen Berliner Immobilien-Management (BIM), sowie der landeseigenen „Grün Berlin“ die Planungsarbeiten für das Gebiet übernimmt. Als wahrscheinlich gilt , dass Berlin sich mit dem Gebiet an der Internationalen Gartenschau beteiligen will. Erwogen wird außerdem, mit einer Internationalen Bauausstellung 2017 an den Start zu gehen.

Allerdings wird nach Angaben aus Verwaltungskreisen in der näheren Zukunft eher die Baureife für Grundstücke an der südlichen Grenze des Flughafenareals vorangetrieben, das an der S-Bahn-Trasse und der A 100 liegt. Dort könnten Grundstücke für Gewerbebetriebe ausgewiesen werden. In diesem Gebiet gibt es schon heute eine Konzentration von Gewerbeparks und Möbelhändlern.

Eher in den Hintergrund soll die Realisierung der städtebaulichen Entwürfe rücken, die zum Beispiel den Bau von Luxuswohnungen auf dem Columbiaquartier am nördlichen Rand des Feldes vorsehen. Mitte Mai hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die besten Ideen aus einem internationalen Wettbewerb vorgestellt. Vorschläge gab es für ein Gebiet, das vom Rand des Flughafenfeldes über die Umgebung der Columbiahalle bis an die Neuköllner Hasenheide heranreicht.

Die besten Pläne entwickelten nach Auffassung der Jury drei Arbeitsgemeinschaften aus Architekten und Landschaftsplanern: Die aus ihrer Arbeit für Hollywood-Star Brad Pitt bekannten Architekten Graft hatten gemeinsam mit den Berliner Architektenbüros Kiefer, Urban Essences und Lützow7 kooperiert. Überzeugen konnten die Pläne vor allem, weil sie das Tempelhofer Feld durch den Umbau des viel befahrenen Columbiadamms zu einer Stadtstraße und durch Neubauten mit den Rändern der angrenzenden Stadtteile Tempelhof, Kreuzberg sowie Neukölln verbinden.

Das frühere Flughafengebäude und seine gewerbliche Nutzung kommt ebenfalls voran. So gut wie sicher scheint die Nutzung des Hangars 3 durch den Eishockey-Club „Capitals“ sowie den Schlittschuhverband. Wie berichtet, müssen diese wegen des geplanten Abrisses der Deutschlandhalle auf einen anderen Standort ausweichen. Ebenfalls möglich ist der Umzug des Alliierten-Museums von Dahlem nach Tempelhof. Das Museum hatte dort bereits Lagerflächen genutzt und eine Sonderausstellung in Hangar 7 durchgeführt.

Durch die Vermietungen und die Entwicklung des Gebietes soll die Unterhaltung des Flughafens möglichst bald keine Kosten mehr verursachen. Bei der Berliner Immobilien-Management rechnet man damit, dass durch Einnahmen aus weiteren Mietverträgen und durch die Senkung der Verwaltungs- und Energiekosten das frühere Flughafengelände in fünf bis sieben Jahren kostendeckend betrieben und verwaltet werden kann. Zurzeit ist die Hälfte der rund 200 000 Quadratmeter vermietet. Verwaltung und Umbau des größten europäischen Baudenkmals verschlingen aber noch rund 14 Millionen Euro jährlich.

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