Flughafen : Wo bitte geht’s zum Besucherzentrum?

Die Info-Ausstellung am BER ist eröffnet und eher übersichtlich. Interessant gestaltet sich vor allem die Anreise.

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Aha. Die „Ausstellung“ ist fertig, leider fehlen die Kopfhörer. Nicht schlimm, ist ja eh kaum einer da. Fotos: Claus-Dieter Steyer
Aha. Die „Ausstellung“ ist fertig, leider fehlen die Kopfhörer. Nicht schlimm, ist ja eh kaum einer da. Fotos: Claus-Dieter Steyer

Die Pfeile auf der Fahrbahn können ignoriert werden. Und die Vorfahrtsregeln braucht hier auch niemand, sogar das Wenden in der Einbahnstraße fällt leicht.

Die riesige Baustelle des Großflughafens in Schönefeld hält jedem Vergleich mit einem Labyrinth stand. Dabei mischen sich seit dieser Woche unter die nur vereinzelt auftauchenden Bagger, Radlader und Männer mit Schubkarren und Schreibtaschen unter dem Arm auch ganz normale Neugierige.

Ihr Ziel ist das mitten auf dem Gelände und vor dem künftigen Terminal gelegene Besucherzentrum des Flughafens, das am Dienstag eröffnet wurde. „Ich habe davon in der Zeitung gelesen“, erzählt ein etwas ratlos wirkender Motorradfahrer. „Ich irre jetzt aber schon eine Viertelstunde zwischen Parkhäusern, Hotel, Bürohäusern und Baugruben umher. Die Ausschilderung ist mies.“ Erstaunt reagierte er auf den Hinweis, dass er unmittelbar vor dem Eingang zum Besucherzentrum auf dem Willy-Brandt-Platz stehen würde. „Da müsste doch an dem Bürotrakt ein Hinweis hängen.“

Doch im derzeitigen Zustand verdient der Raum hinter den getönten Scheiben im Erdgeschoss die Bezeichnung „Besucherzentrum“ auch gar nicht. Ganze sieben Aufstellwände enthalten ziemlich langweilig präsentierte Informationen. Da ist vom „Jobmotor Flughafen“ mit 40 000 neuen Arbeitsplätzen und der Aussicht auf bis zu 70 000 Jobs in den kommenden Jahren die Rede. Jeden Tag würden in Schönefeld zwei neue Arbeitsplätze entstehen, heißt es. Unglücklicherweise lässt der Blick nach draußen starke Zweifel aufkommen. Alles liegt still, nur der Test einer Alarmanlage im Parkhaus deutet auf Leben hin. Das Sirenengeräusch hält über Minuten an.

Von der „multimedialen Ausstellung“ kann ohnehin keine Rede sein. Zwar fordern Texte auf, die Bildschirme zu berühren. Aber zu den bewegten Bildern über das „Reiseland Brandenburg“, den „Tourismusmagneten Berlin“ oder zum „Arbeitgeber Flughafen“ gibt es keinen Ton. Auch Filme über die Gepäckkontrolle, die Sicherheit und den Venenscanner bleiben stumm. „Wir warten noch auf die Kopfhörer“, erklärt eine Dame hinter ihrem Tresen das Dilemma. „Sonst würden ja alle Filme wild durcheinanderlaufen, so dass niemand den Text verstehen könnte.“

Diese Gefahr besteht aber gar nicht. Bis um 12 Uhr hatten am gestrigen Mittwoch ganze elf Personen den Weg ins „Besucherzentrum“ gefunden. Der Motorradfahrer erhielt wenig später die Nummer 12. Jeder einzelne Gast zeigte sich dennoch amüsiert. „Die Ausstellung taugt nicht viel, zumal wir die Tafeln schon aus der Airportworld am Bahnhof Schönefeld kannten“, meinte Herbert Schanner aus dem nahen Königs Wusterhausen. „Aber nie hatten wir gedacht, dass wir so unbehelligt auf der Baustelle herumkurven können. Das ist schon ein Erlebnis.“ Seine Frau bedauerte zwar die Absperrungen vor dem künftigen Terminal. „Aber für schöne Fotos reicht der Blick schon.“

Auf dem Gelände selbst ist das Besucherzentrum völlig unbekannt. Alle befragten Personen mit gelber Weste schüttelten den Kopf und verwiesen auf den Info-Tower. Der Weg dahin gleicht wieder einer Irrfahrt durch völlig fremdes Terrain. Irgendwann wird der Turm dann doch noch erreicht, wenn auch viele Verkehrsregeln keine Rolle spielen durften.

Geführte Touren über die Baustelle beginnen an der geschlossenen Airportworld nahe Bahnhof Schönefeld: Dienstag 12, Donnerstag 14, Sonnabend 10 und Sonntag 12 und 14 Uhr. www.berlin-aiport.de

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