Flughafenbahnhof : Die täglichen Geisterfahrten zum BER-Bahnhof

Es fährt ein Zug ins Nirgendwo – und zwar täglich. Schuld ist die immer wieder verschobene Eröffnung des BERs, denn die Bahn muss den unterirdischen Flughafenbahnhof belüften - aber nicht nur das.

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Mit dem Zug zum Flug. Das hier ist der Bahnhof "Flughafen Berlin-Schönefeld", ein hässlicher, aber doch markanter Bau. Durch das Gebäude läuft eigentlich kein Mensch, deshalb sollen die letzten Mieter im Herbst 2014 ausziehen, sagt ein Bahnsprecher. Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden. Denn Bahnhof nutzen weniger als 10.000 Menschen am Tag.Weitere Bilder anzeigen
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12.09.2014 12:11Mit dem Zug zum Flug. Das hier ist der Bahnhof "Flughafen Berlin-Schönefeld", ein hässlicher, aber doch markanter Bau. Durch das...

Klaus-Dieter Rühmann kennt die Strecke. Etliche Male ist der S-Bahn-Triebfahrzeugführer sie schon gefahren, obwohl sie gar nicht in Betrieb ist. Kein Fahrgast ist bisher aus seinem Zug gestiegen, wenn er seinen Endbahnhof erreicht hat. Allein trottet Rühmann dann auf dem Bahnsteig den Zug entlang zum anderen Ende, und steuert den immer noch leeren Zug zurück, vorbei an einem Haltepunkt, an dem die Bahn nicht hält, und wo auch keine Fahrgäste warten. Seit Monaten finden diese Geisterfahrten zum und vom Flughafenbahnhof BER statt, vorbei am neu gebauten Haltepunkt Waßmannsdorf. Die Bahn hält durch das tägliche Befahren der rund acht Kilometer langen Neubaustrecke vom bisherigen Endpunkt im Bahnhof Flughafen Schönefeld zur künftigen Endstation unter dem neuen BER-Termin die Anlagen in Schuss und bringt gleichzeitig durch die Luftmassen, die die Züge vor sich herschieben, frischen Wind in die unterirdische Station. Es soll ja nichts schimmeln.

Die Bahn war startklar zum einst geplanten BER-Eröffnungstermin 30. Oktober 2011. Nach der mehrmaligen Absage der Inbetriebnahme des Flughafens kann die 636-Millionen-Euro-Investition für die Bahnanlagen nicht genutzt werden. Einfach einmotten lassen sich die Anlagen aber auch nicht, sagt Peter Schulze, bei der Bahn einst zuständig für den Bau der Flughafen-Verbindung. „Ein Auto, dass jahrelang nicht bewegt wird, lässt sich danach meist auch nicht so einfach starten“, erklärt Schulze. Und bei der Bahn sei es ähnlich.

BER und SXF: Geisterbahnhöfe am Flughafen Schönefeld
Mit dem Zug zum Flug. Das hier ist der Bahnhof "Flughafen Berlin-Schönefeld", ein hässlicher, aber doch markanter Bau. Durch das Gebäude läuft eigentlich kein Mensch, deshalb sollen die letzten Mieter im Herbst 2014 ausziehen, sagt ein Bahnsprecher. Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden. Denn Bahnhof nutzen weniger als 10.000 Menschen am Tag.Weitere Bilder anzeigen
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12.09.2014 12:11Mit dem Zug zum Flug. Das hier ist der Bahnhof "Flughafen Berlin-Schönefeld", ein hässlicher, aber doch markanter Bau. Durch das...

Die Weichen müssen sich bewegen; die Signale sich stellen. Und gleichzeitig kontrollieren die Lokführer bei ihrer Fahrt zum Flughafen auch noch die Anlagen, die zudem durch Sicherheitskräfte überwacht werden.

Auch die Kollegen von der Regionalbahn passieren täglich den toten Flughafenbahnhof – ebenfalls mit Leerzügen. Gut ein Dutzend solcher Fahrten finden täglich statt, sagt Berlins Bahnchef Ingulf Leuschel. Die Bahn will dem Flughafen später die Rechnung präsentieren. Grob geschätzt setzt sie monatlich rund zwei Millionen Euro in den Sand.

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