Fluglärm in der Einflugschneise : Das Dröhnen über uns

Bis zur Eröffnung des Flughafens BER in Schönefeld dröhnen die Flugzeuge im Minutentakt über die Einflugschneise in Wedding und Pankow. Doch für viele Anwohner gehört der Fluglärm bereits dazu.

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Ein Flieger von Air Berlin startet am Flughafen Tegel. Foto: dapd
Ein Flieger von Air Berlin startet am Flughafen Tegel.Foto: dapd

Ein Flugzeug von Air Berlin dröhnt über den S-Bahnhof Wollankstraße an der Grenze von Wedding und Pankow hinweg. Und zwar ziemlich tief. "Hier ist es noch relativ leise", sagt Karin Datz (63) mit lauter Stimme. "Je mehr Sie Richtung Bürgerpark gehen, desto lauter wird es." Karin Datz wohnt seit 10 Jahren in der Kattegatstraße in Wedding und hat sich an den Fluglärm gewöhnt. "An manchen Tagen ist es wirklich sehr laut, weil andauernd Flugzeuge über uns her fliegen. An anderen Tagen höre ich gar nichts davon." Auch die Gäste und die Kellnerin der Weinstube in der Steegerstraße gegenüber sind sich einig: der Lärm gehört dazu. "Schlimmer sind die Geräusche der S-Bahn. Die sind viel lauter als die Flugzeuge. Und die S-Bahn hört man immer, 24 Stunden am Tag." Der Geräuschpegel der Maschinen wird ihnen sogar fehlen.
An der Wollank- / Ecke Florastraße überquert Diana Kapischke (34) mit einem Kinderwagen gerade die Straße, als ein weiteres Flugzeug nach Tegel zur Landung ansetzt. "Ich wohne direkt in der Florastraße und habe vor kurzem ein Baby bekommen. Ich kann Ihnen sagen - mit ruhig schlafen ist da nichts." Doch nicht nur, weil ihr Neugeborenes nachts oft aufwacht – auch wegen des Fluglärms. "Also wer tagsüber schlafen möchte kann das gleich vergessen", sagt die Mutter. "Nachts muss das Fenster zu sein, sonst wird man von dem Dröhnen wach, die Flieger starten ja oft bis halb zwölf nachts."

Die Flughafenpannen in Bildern

Wenn das Ehepaar Weidmann zum Bürgerpark geht, fliegen im Abstand von wenigen Minuten sehr viele Flugzeuge über ihre Köpfe hinweg. Die beiden Rentner wohnen "hier um die Ecke" und wollen im Bürgerpark eine Runde spazieren gehen. Dort ist es doch aber wegen der in Tegel startenden Flugzeuge ziemlich laut oder nicht? "Man gewöhnt sich dran. Wer Ruhe will, den stört auch das Rauschen und Brummen nicht", sagt Ingrid Weidmann (75). "Wenn wir Gäste bekommen und uns auf die Terrasse setzen, ist es aber schon unangenehm." Scherzhaft fügt sie hinzu: "Wir können uns dann auch nicht so gut mit dem Besuch unterhalten, weil der meist schon etwas schwerhörig ist." Ihr Ehemann hofft jeden Tag darauf, dass der Wind sich dreht. "Wenn der Wind gen Osten weht, dann hört man bei uns kaum etwas. Dann fliegen die Flugzeuge nämlich weg von der Stadt, in die andere Richtung. Aber wir haben sowieso schalldichte Fenster, da ist es eh mucksmäuschenstill."

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Die Meisten, die in der Einflugschneise des Flughafen Tegels wohnen, freuen sich, wenn der Flughafen BER in Schönefeld eröffnet. "Wenn er denn jemals eröffnet", sagt Christian Nitsche (45), der mit seinen zwei Kindern eine Pause im Bürgerpark macht. "Ich verstehe sowieso nicht, wie man einen Flughafen direkt in Stadtnähe bauen konnte. Davon, dass ich so nah am Flughafen wohne habe ich auch nichts, wenn ich nur einmal im Jahr in den Urlaub fliege." Den Rest der Zeit müsse seine Familie mit dem Lärmpegel leben. "Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich, wenn der BER endlich öffnet und bei uns Ruhe einkehrt."

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