Flugplätze im Berliner Umland : BER-Chef Mehdorn gründet Luftfahrt-Lobbyverband

Der BER-Chef hat offenbar noch Kapazitäten: Er gründet einen Verband. „FlyBB“ will um Sympathien werben und die 14 Flugplätze der Region vernetzen.

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1. Vorsitzender des neuen Luftfahrt-Interessenverbandes ist Hartmut Mehdorn. Eingerahmt wird er von seinen Stellvertretern Martin Eckhardt, Chef des Flugplatzes Oehna (li.) und Frank Hellberg vom Unternehmen Air Service Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
1. Vorsitzender des neuen Luftfahrt-Interessenverbandes ist Hartmut Mehdorn. Eingerahmt wird er von seinen Stellvertretern Martin...Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Von Flughäfen und Landeplätzen kann Hartmut Mehdorn gar nicht genug kriegen. Am Rande des ehemaligen Flugplatzes Johannisthal dehnte der Airportchef seinen künftigen Flughafen BER gleich auf halb Brandenburg aus. Sein neues Konzept: „Ein Flughafen mit 14 Standorten.“ Diese Aussage ist stark interpretationsbedürftig, aber der Humorist Mehdorn weiß, dass Pointen nur dann sitzen, wenn sie nicht direkt auf die Wirklichkeit zielen.

Zu den Fakten: Hartmut Mehdorn hat zusammen mit den Managern der 14 kleinen, im Berliner Umland liegenden Flugplätze einen Lobbyverband aus der Taufe gehoben. „FlyBB“ vertritt künftig die Luftfahrtinteressen in Berlin und Brandenburg. Mehdorn hat zunächst den Vorsitz übernommen, das müsse aber nicht so bleiben, deutete er an. Und die kleineren Flugplätze dominieren wolle er als Großflughafenchef schon gar nicht. Man agiere partnerschaftlich, wie Brüder und Schwestern.

Das Ziel: Kein Flugplatz darf aufgegeben werden

FlyBB soll dafür sorgen, dass die Luftfahrt endlich aus den Negativschlagzeilen um Lärm, Flugrouten und Baustellenpannen herausfindet. Mehdorn: „Wir wollen uns politisch besser einbringen und klarer artikulieren, welche Ziele wir haben.“

Solarflughafen. In Neuhardenberg müssen sich die Flugzeuge den Platz mit Modulen zur Energieerzeugung teilen. Das hindert den Betreiber nicht daran, sich dem BER als Kooperationspartner anzudienen. Foto: promo
Solarflughafen. In Neuhardenberg müssen sich die Flugzeuge den Platz mit Modulen zur Energieerzeugung teilen. Das hindert den...Foto: promo

Das vordringlichste Ziel: Kein Flugplatz soll aufgegeben werden, zugunsten von Gewerbegebieten oder Siedlungsflächen. So was wie in Johannisthal, wo heute Häuser stehen und Schafe weiden, soll nicht noch einmal passieren. Über Tempelhof und Tegel redet Mehdorn lieber nicht. Gemeinsam wolle man künftig Position beziehen, denn für Mehdorn ist klar, dass die Luftfahrt im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern benachteiligt wird. „Niemand käme auf die Idee, eine Autobahn zu schließen, nur weil sie laut ist und CO2 ausstößt.“

Mehdorn: Es gibt eine "Kapazitätsdiskussion" am BER

Unter Mehdorns Vorgängern fühlten sich die kleineren Airports, genutzt vor allem von Hobby- und Geschäftsfliegern, weitgehend übergangen und an den Rand gedrängt. Das sei nun deutlich besser geworden. Mehrfach habe man sich bei „Bier und Buletten“ getroffen, erzählte Mehdorn und dabei die Idee mit dem Verband ausgebrütet.

Die Chefs der Flugplätze Neuhardenberg und Cottbus-Drewitz boten konkrete Hilfe für den BER an, der schon zur geplanten Eröffnung 2016 aus allen Nähten platzen wird. „Der BER muss die Bedarfe nur definieren“, sagte Uwe Hädicke vom Landeplatz Neuhardenberg. Doch Mehdorn nahm diese Vorlage nicht an. Es gebe eine „Kapazitätsdiskussion“, und man sei da mit dem Aufsichtsrat „in einem positiven Dialog.“

Von Schließung bedroht ist bislang noch keiner der 14 Brandenburger Flugplätze, aber deutlich kleiner sind einige schon geworden. Der Landeplatz Eberswalde-Finow schrumpfte von 380 auf 63 Hektar. Dort wird jetzt großflächig Solarstrom produziert. Auch der Platz in Neuhardenberg wirkt wie ein Solarpark mit breiter Zufahrtsstraße. Der Flugbetrieb sei dadurch aber nicht eingeschränkt, versicherte Hädicke.

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