Berlin : Foto-Wegert meldet Insolvenz an

Nur 32 der 83 Filialen in Berlin und Brandenburg werden weitergeführt. Betriebsrat bangt um 180 Stellen

Alexander Visser

Die traditionsreiche Fotokette Wegert hat am Mittwoch Insolvenz angemeldet. Der Betrieb soll zunächst in 32 von rund 83 Filialen fortgesetzt werden. Noch arbeiten für Wegert 250 Mitarbeiter. Sie müssen nun um ihren Arbeitsplatz bangen. Das Amtsgericht Potsdam bestimmte Christian Graf von Brockdorff zum Insolvenzverwalter. Wegert erklärte am Mittwoch, die Insolvenz sei „Start einer umfassenden Restukturierung des Unternehmens. Ziel dieses Prozesses ist der Erhalt des Unternehmens Wegert.“

Der Zeitpunkt der Insolvenz war, wie berichtet, für die Mitarbeiter von einem Tag auf den anderen völlig überraschend gekommen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Betriebsrat befürchten jetzt die Entlassung von über 180 Mitarbeitern. „Ich habe in den letzten Tagen viele Tränen gesehen“, sagte Betriebsratmitglied Uwe Genz. Geschäftsführer Christian John von Freyend sei zunächst für den Betriebsrat nicht zu sprechen gewesen. Dann habe er ein Gespräch am Freitag angekündigt. „Jetzt können wir gleich mit dem Insolvenzverwalter reden“, sagte Genz. Er ärgert sich besonders über die Art der Insolvenzanmeldung. Am Montag gingen viele Mitarbeiter noch ahnungslos zur Arbeit, um abends in Briefen zu erfahren, dass ihre Filiale am Dienstag nicht mehr öffnet.

In Branchenkreisen löste die Meldung über die Krise bei Wegert keine Überraschung aus. „Fotogeschäfte machen seit Jahren harte Zeiten durch“, sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Berliner Einzelhandelsverbandes. Vor zwei Jahren hatte etwa die Filialkette Foto Klinke aufgeben müssen. Grund ist ein Strukturwandel der Fotobranche, der vor allem Filialketten unter Druck gebracht hat.

Die Händler haben in den vergangenen Jahren vielfältige Konkurrenz bekommen. Drogeriemarktketten wie Schlecker oder Rossmann bieten Fotoentwicklung zu Billigpreisen. Auch Elektronik-Großmärkte wie Media Markt, Makro Markt oder Saturn haben große Fotoabteilungen. Die verbliebenen Einzelhändler haben nur noch geringe Rücklagen. Ihre Lieferanten, die oft selbst mit sinkenden Umsätzen kämpfen, betrachten sie daher mit Argwohn, fürchten um ihr Geld.

„Die Situation hat sich vor dem Weihnachtsgeschäft noch einmal verschärft“, berichtete Einzelhandelssprecher Busch- Petersen. Lieferanten hätten oft nur noch gegen Vorkasse oder Bankbürgschaft an die Fotogeschäfte geliefert. „Zum Teil konnten die Händler hochwertige Produkte gar nicht mehr vor Weihnachten anbieten“, sagte Busch-Petersen. Diese Situation könnte auch Foto-Wegert zugesetzt haben.

Zudem gehen Branchenkenner davon aus, dass es dem Filialisten Wegert nicht gelungen ist, eine erfolgreiche Strategie zwischen Medien-Großmarktkette und individuellem Einzelhändler zu finden. „Der Kunde, der nur auf den Preis achtet, geht wahrscheinlich zum Drogeriemarkt oder Saturn“, sagte Rainer Frohloff, der im Einzelhandelsverband für Fotogeschäfte zuständig ist. „Wer guten Service sucht, geht gleich zum Inhaber-geführten Fotoladen um die Ecke.“ Doch auch für diese Läden, befürchtet Frohloff, werden die nächsten Monate hart. „Nur wer dem Kunden echten Mehrwert anbietet, etwa bei der Qualität der digitalen Bildbearbeitung, kann überleben“, sagte Frohloff.

Das Traditionsunternehmen wurde 1930 von Egon Wegert gegründet und hatte zuletzt turbulente Jahre erlebt. Zwischenzeitlich hatte ProMarkt Wegert übernommen. Im Juli hatte der ehemalige Vertriebsleiter Christian John von Freyend die Foto-Radio-Wegert Filial GmbH gekauft. Zum neuen Geschäftskonzept gehörte eine Kooperation mit dem Mobilfunkanbieter Mobilcom.

Die Wegert-Angestellten wurden von Mobilcom geschult, um neben Foto-Artikeln auch Handys und Mobilfunkverträge verkaufen zu können. Noch sieht Mobilcom eine Zukunft für diese Partnerschaft. „Wir werden uns mit dem Insolvenzverwalter zusammensetzen und nach einer konstruktiven Lösung suchen“, sagte ein Mobilcom-Sprecher. „Wenn der Restrukturierungsplan überzeugend ist, spricht nichts dagegen, die Partnerschaft fortzusetzen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar