Frank Bewig : Der Zukunftsplaner von Spandau

Frank Bewig bekommt als Baustadtrat 2017 in Spandau viel zu tun. Er muss ein neues Wohnviertel für 10.000 Menschen vorantreiben und die Post-Brache neu gestalten.

Rainer W. During
Links Baustadtrat Bewig, rechts die groben Pläne für die Neugestaltung der Post.
Links Baustadtrat Bewig, rechts die groben Pläne für die Neugestaltung der Post.Fotos: Rainer W. During, promo

Die Bilder, die sein Sohn gemalt hat, hängen schon an der Wand seines neuen Büros im Rathaus. Den Boxsack, an dem sich sein Vorgänger gelegentlich abreagierte, hat Frank Bewig, 41, hingegen in die Ecke gestellt. Am 30. November hat der Christdemokrat das Ressort gewechselt. Als Stadtrat war er in Spandau bisher für Gesundheit und Soziales zuständig. Jetzt hat er das Sozialamt abgegeben und dafür die Verantwortung für den gewichtigen Bereich Bauen und Planen übernommen. Und das hat es in Spandau 2017 in sich.

2017 wird die Post abgerissen, das Viertel wird neu bebaut

Zeit, die Kisten mit den persönlichen Dingen aus seinem alten Büro auszupacken, hatte der Stadtrat noch nicht. Die ersten Wochen im neuen Amt nutzt er, um sich in die Bereiche einzuarbeiten. An Großprojekten, die jetzt in seinem Zuständigkeitsbereich liegen, mangelt es nicht – vom Abriss des alten Postamtes und der Neubebauung dieser zentralen Brache gleich neben dem ICE-Bahnhof über die Millionenprojekte zur Ertüchtigung der Altstadt und des Problemkiezes Heerstraße-Nord bis hin zu den neuen Wohnsiedlungen für 10.000 Menschen, die in Haselhorst entstehen („Projekt Gartenfeld“).

So stellen sich die Planer künftig den Winter am Gartenfelder Kanalufer vor.
So stellen sich die Planer künftig den Winter am Gartenfelder Kanalufer vor.Foto: UTB/COBE

Für Bewig ist der neue Stadtratsposten der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere. Der gebürtige Staakener besuchte die Zeppelin-Grundschule und das Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium, bevor er nach dem Zivildienst Politikwissenschaften an der Freien Universität studierte. Bei einem bundesweit tätigen Pflegeheimbetreiber wurde er Mitglied des Gesamtbetriebsrates und zog als Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat ein. 2005 trat der Spandauer der CDU bei, wurde ein Jahr später Bezirksverordneter und 2007 außerdem Kreisvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. 2011 zum Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung berufen, arbeitete Bewig parallel dazu als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Spandauer Bundestagsabgeordneten Kai Wegner, bis er 2014 den Posten des Stadtrates für Gesundheit und Soziales übernahm.

Spandau soll nicht nur die Armen anziehen

„Das Bauressort ist viel öffentlicher als das Gesundheitsressort“, hat Bewig festgestellt, aber auch, dass es zwischen beiden Bereichen auch viele Schnittstellen gibt, die er künftig stärker nutzen will. So will der Stadtrat in ressortübergreifender Zusammenarbeit aller Ämter die Planungskoordination forcieren: Profile der einzelnen Kieze sollen helfen, ein ausreichendes Angebot an Bildungs-, Gesundheits-, Jugend- und Senioreneinrichtungen sicherzustellen. Zu einem lebenswerten Wohnumfeld gehören für Bewig auch Grünanlagen, Spiel- und Sportplätze.

Die historische Belgienhalle bildete die Kulisse für die Vorstellung der Pläne.
Die historische Belgienhalle bildete die Kulisse für die Vorstellung der Pläne.Foto: During

Wichtig ist dem neuen Stadtrat auch eine sozialverträgliche Mischung der Kiezbewohner. Noch immer seien jährlich 400 bis 500 Menschen gezwungen, aus den Innenstadtbezirken nach Spandau mit seinen vergleichsweise noch niedrigen Mieten zu ziehen, so Bewig. „Ich will keine Anreize schaffen, dass dieser Verdrängungsprozess weiter an Dynamik gewinnt.“ Deshalb sei es notwendig, neben bezahlbaren Wohnungen auch Angebote für den Mittelstand zu gewährleisten und die Schaffung von Wohneigentum ebenfalls zu unterstützen.

Er will auch die Ex-Spandauer aus Brandenburg wieder gewinnen

Der Kommunalpolitiker hofft, dass es so gelingt, auch Berliner, die vor Jahren ins Umland gezogen sind, zu einer Rückkehr nach Spandau zu bewegen. Ferner denkt Bewig an ein Konzept von Fahrrad-Hauptstrecken im Bezirk, ohne den aus seiner Sicht ebenfalls wichtigen Autoverkehr zu vernachlässigen. Auch mit der BVG will er über ein besseres Busnetz sprechen. Auch hier gelte es, frühzeitig an die Anbindung der neuen Quartiere zu denken. Viele Klagen erreichten ihn bereits wegen der oft mangelhaften Koordination der Baustellen, die allerdings in der Zuständigkeit der Verkehrslenkung liegt. Auch hier will sich Bewig für Verbesserungen einsetzen.

Während des kurzen Urlaubs von Weihnachten bis Neujahr hat sich Frank Bewig die wichtigsten Akten zum Studium mit nach Hause genommen, will sich ansonsten seiner Familie widmen. Diese sei sein Hobby, betont der Staakener, der kaum noch Zeit findet, um Tennis- oder Basketball zu spielen, obwohl „ich mal sehr sportlich war“. Anfang des neuen Jahres will er dann erst einmal in allen neuen Abteilungen seines Ressorts jeweils einen halben Tag hospitieren, um die Arbeit dort besser kennen zu lernen.

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