Berlin : Frauenliteratur: Frauenbuchladen? Fehlanzeige.

Simone Leinkauf

Es gibt kaum noch Frauenbuchläden in Berlin. Die Charlottenburger Buchhandlung "Lilith", letzter von drei reinen Frauenbuchläden, die noch bis Ende der 80er Jahre die Hochphase der Frauenbewegung in Berlin symbolisierten, hat schon vor längerer Zeit geschlossen. Zu wenig Kundschaft, zu hohe Kosten und immer weniger Freiwillige, die sich unentgeltlich für die Special-Interest-Literatur stark machen wollten. Und das ausgerechnet in einer Stadt, in der die größte Schwulen- und Lesbenszene in Deutschland beheimatet ist.

Trotz allem: Ein Angebot an spezifischer Frauenliteratur ist weiterhin vorhanden. Auch wenn die Buchhandlungen nicht mehr Frauenbuchhandlungen heißen (wollen) und zusätzlich zur ideologischen Literatur ein ganz normales Vollsortiment pflegen. Vorwiegend sind das Läden, die von Frauen geführt werden, wie die erotische Buchhandlung "Lustwandel" in der Raumerstraße in Prenzlauer Berg oder auch "Anakolut" am Alexanderplatz.

In Kreuzberg findet frau bei "Anagramm" am Mehringdamm ebenso Frauenliteratur, wie in dem von zwei Schwulen betriebenen Laden "Chronika" in der Bergmannstraße. Und auch die Schwulenbuchhandlung "Prinz Eisenhart" in der Bleibtreustraße hat ein gut sortiertes Angebot an Frauenliteratur. Selbst bei Kiepert in Charlottenburg ist, seit die Tochter die Geschäftsführung übernommen hat, mehr Frauenliteratur im Angebot. Beispiele, die zeigen, dass sich der Berliner Buchhandel auf die veränderten Strukturen eingestellt hat.

Dass aufgrund der spezifischen Situation in Berlin weite Wege und ein breites Angebot in vielen kleinen Buchhandlungen" eine echte Frauenbuchhandlung in Berlin keine Chance mehr hätte, will Ekpenyong Ani allerdings nicht gelten lassen.

Die 35-Jährige ist Lektorin bei dem auf politische Frauenliteratur spezialisierten Kreuzberger Verlag Orlanda und kennt die Berliner Szene seit sieben Jahren: "Unsere Kundinnen erwarten heutzutage eben einfach ein sehr viel breiteres Service-Angebot als noch vor 20 Jahren." Und das bedeute natürlich auch, dass das Angebot im Laden sich nicht mehr auf reine Frauenliteratur beschränken dürfe.

Wie beispielsweise im Büchertempel Adhara, einer esoterisch orientierten Buchhandlung in Charlottenburg, die 1987 von Vera Krivohalavek eröffnet wurde. Die Inhaberinnen - inzwischen hat sich die Gründerin mit Heike Dräger und Alana Hees Verstärkung ins Haus geholt - achten bei der Auswahl ihres Sortiments vornehmlich auf die weibliche Komponente. Auch wenn sie ihren Laden selbst nicht als Frauenbuchladen deklarieren wollen.

Als Stärke von "Adhara" betrachtet das Frauen-Team das Non-Book-Angebot, also alles außer Büchern. Hier findet sich alles, was das weibliche esoterische Herz begehrt: Aura-Soma-Essenzen, Aroma-Düfte und Heilsteine, Salzlampen und Meditationskissen. Und auch im Buch-Sortiment, das sich hauptsächlich um spirituelle Themen rankt, finden sich vor allem Bücher von Frauen. Dazu kommen Frauenromane, die von Frauen für Frauen geschrieben sind. "Uns ist bewusst, dass wir den wirtschaftlichen Anforderungen eines solchen Ladens Rechnung tragen müssen", sagt Heike Dräger. "Schließlich wollen wir alle drei davon leben - und inzwischen können wir das auch.

Dass keine der Inhaberinnen jemals eine Buchhändlerinnen-Lehre gemacht hat, sieht Vera Krivohalavek, eigentlich Ingenieurin für Stadtentwicklung, nicht als Manko: "Entscheidend ist das Angebot und die kompetente Beratung." Die wissen die Kundinnen offensichtlich zu schätzen. Übrigens: "Adhara" kommt aus dem Sanskrit und steht für das "Gefäß, in dem die Weisheit wächst".

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