Berlin : Fritz als Treppenwitz

Über Friedrich den Großen darf im Jubiläumsjahr auch gelacht werden – in der Ausstellung „Pommes Fritz“ im Turm des Großen Waisenhauses.

Chantal Willers

Potsdam – Schon seit Eva im Garten Eden den Apfel vom Baum pflückte, ist bekannt, dass verbotene Früchte einen unwiderstehlichen Reiz ausüben. Ob Friedrich der Große daran dachte, als er seine Kartoffelfelder bewachen ließ, um seine Bauern so zum Diebstahl zu verführen? Dass er eine ganz besondere Beziehung zu den Erdäpfeln hatte, ist aber sicher. Gleichzeitig ruchloser Kriegsherr und leidenschaftlicher Musiker, Frauenhasser und gutherziger Hundefreund – um Friedrich II. ranken sich die kontroversesten Geschichten. Dass man den Preußenkönig auch mit ganz anderen Augen sehen kann, zeigt die Karikaturen-Ausstellung „PommesFritz. Satirisches Sammelsurium“, die jetzt im Treppenhaus des Großen Waisenhauses in Potsdam eröffnet wurde.

Ganz im Sinne des Jubiläumsjahres „Friedrich 300“ und doch aus einem neuen Blickwinkel zeigt die Ausstellung ihn als „Lichtgestalt und Spottfigur“. Verschiedenste künstlerische Stile, vom Comic über die Fotografie bist hin zu kaum erkennbaren Schwarz-Weiß-Kritzeleien, lassen ein Gesamtbild entstehen, das sich fast natürlich in die Architektur des historischen Treppenhauses eingliedert.

Dass der Herrscher seine Nase gern in fremde Angelegenheiten steckte, ist bekannt. So ist sein markantes Riechorgan Objekt beinahe jeder Karikatur. Mal kartoffelknollig, mal spitz, mal mit einem Huckel auf dem Rücken und ganz selten einmal gerade wie in Gerd Mackensens „Nase/Nase“, das Friedrich und einen seiner heiß geliebten Hunde zeigt. Im Profil gezeichnet stehen sich die Köpfe der beiden gegenüber und so ist ein Vergleich der langen Schnauze des Windspiels mit Friedrichs Gesichtserker unumgänglich.

Und natürlich ist auch die Kartoffel vertreten. Doch so mancher Künstler entwickelt in dieser Hinsicht eine ganz eigene Rezeption des Kartoffelmythos um Friedrich II. So erscheint auf einer Fotomontage von Klaus R. Kunzmann auf Friedrichs Grab neben einigen Kartoffeln auch eine Packung Kartoffelpüree-Fertigmischung. Und Petra Kaster nimmt eine Kartoffel mit einem Trieb als Nase und einem Dreispitz obenauf gleich ganz als Friedrich-Ersatz.

Aber auch aktuelle Bezüge kommen vor, etwa das Foto einer Friedrich-Statue neben einem McDonalds-Reklameschild mit der Aufschrift „Ihr habt ihn Big gemacht“. Oder Klaus Stuttmanns Idee, Angela Merkel in Friedrichs preußischblaue Uniform zu stecken, Untertitel: „Aufgeklärter Absolutismus – 300 Jahre später “ – übrigens eine von acht Karikaturen, die Berliner und Brandenburger Künstler für die Tagesspiegel-Serie „Der König und Berlin“ zu Jahresanfang zeichneten und die gleich mit in die Potsdamer Ausstellung aufgenommen wurden.

Dem Betrachter eröffnet sich mit jeder Karikatur ein neuer Blickwinkel. Trotz der vielen Stufen, die im historischen Turm zu erklimmen sind, möchte man keine einzige der mehr als hundert Karikaturen versäumen. Chantal Willers

„Pommes Fritz. Satirisches Sammelsurium“. Bis 31. Juli im Treppenhaus des Großen Waisenhauses, Lindenstraße 34a. Montag bis Freitag 7 - 18 Uhr. Der Eintritt ist frei

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