Frühling in Berlin : Das war ein Tag zum Niederknien

In der Sonne blinzeln, vorm Café dösen, herrlich! Und was passiert mit dem Streusalz bei dem Wetter? Mit den ollen Weihnachtsbäumen? Den Skiern im Fachmarkt? Hören wir uns doch einmal um.

von und Pawel Lokshin,Claus-Dieter Steyer
Mit Essen spielt man nicht! Anchali schon. Der junge Elefant freut sich über die Weihnachtsbäume, die ihm als Mahlzeit serviert wurden. 
Mit Essen spielt man nicht! Anchali schon. Der junge Elefant freut sich über die Weihnachtsbäume, die ihm als Mahlzeit serviert...Foto: dpa

Für eine Kugel Schokoladeneis ist’s vielleicht doch noch etwas zu kühl (außerdem sind da ja noch die guten Vorsätze zu Neujahr), aber wunderbar sonnig ist’s da draußen ja schon. Die Sonnenbrille geputzt, ein paar Minuten vors Café gesetzt, in der Wärme gedöst, die Menschen beobachtet. Berlin bei Licht betrachtet ist ein anderer, ein schönerer Ort. Zwölf Grad, viel Sonnenschein – und das am 7. Januar. Manche Gewohnheit bleibt allerdings auch so, andere müssen sich ganz schön umstellen.

Tanne auf dem Teller: Die meisten Weihnachtsbäume landen im BSR-Mülllaster, ein paar Exemplare aber auch im Zoogehege. Sie wurden den Elefanten gestern als aromatisches Festmahl serviert. Die Nadeln machen den Tieren nichts aus – im Gegensatz zu Lametta und Christbaumkugeln, weshalb eben nur unverkaufte Bäume verfüttert werden. Die Entsorgung hat die BSR übrigens wie üblich ausgeschrieben. In diesem Jahr hat nach Auskunft der Stadtreinigung der private Entsorger Alba den Zuschlag bekommen, die Bäume zu schreddern und in Heizkraftwerken der Region zu verfeuern.

Grünpflege statt Streudienst: Auf den Autobahnen sind Fahrzeuge mit dem Schild „Winterdienst“ im Einsatz, obwohl dort gar kein Schnee liegt. Und warum? Sie reinigen die Leitpfosten. Frühjahrsputz. „Andere Teams widmen sich der Grünpflege an den Rändern oder auf den Mittelstreifen“, erzählt Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb Straßenwesen. Und was passiert mit all dem Streusalz? Bislang wurde nur eher eine Prise auf den Straßen verteilt, der Rest – 800 Tonnen – bleibt im Depot. „Die halten zwei bis drei Jahre“, sagt Mitschka. „Nur die oberste Schicht klumpt wegen der Feuchtigkeit etwas zusammen.“ Die BSR ist auch im Einsatz. Soll sich ja keiner den Sommer vormachen: Am Stadtrand gibt es morgens durchaus glatte Straßen, da wird Feuchtsalz gestreut, „Fußgängerüberwege und Haltestellen stumpfen wir mit Splitt ab“, heißt es bei der BSR. Vor der Haustür sind die Anwohner zuständig – und der privat organisierte (und vorab bezahlte) Schneedienst. Die Herren freuen sich diebisch: Nichts tun und trotzdem Geld erhalten! Seien wir milde und gönnen’s ihnen, der letzte Winter war ja schneereich genug (bis April!).Und die BSR hat auch ohne Schnee viel Arbeit: „Die Pappbehälter der großen Feuerwerksbatterien können nicht von den Kehrmaschinen aufgenommen und müssen daher per Hand eingesammelt werden. Das kostet viel Zeit.“

Für Allergiker gibt es bald Probleme

Eine warme Decke, bitte! Blüten blühen, Vögel zwitschern. Die Natur ist der Zeit voraus. Allergiker könnten schon bald wieder Probleme mit Nase und Augen plagen. Denn die Haselnuss steht nach Auskunft des Bauernverbandes schon vor der Blüte. Gewöhnlich ist es in unserer Region erst zwischen zwischen dem 24. Januar und dem 6. März so weit. Nur ein Wintereinbruch in den nächsten Tagen könnte die Entwicklung stoppen. Voll in der Wachstumsphase befinden sich bereits der Raps sowie Winterweizen und -roggen. Daher hoffen die Landwirte auf eine schützende Schneedecke auf ihren Feldern, bevor starker Frost die Wurzeln angreift. Drei bis fünf Zentimeter Schnee würden ausreichen, um einen Kahlschlag nach einer bitterkalten Periode zu verhindern. Diese schütze dann auch die frischen Blätter, die sonst einfach platzen könnten. Andererseits wünschen sich die Bauern aber auch knackige Minusgrade. Dadurch würde die Zahl von Schädlingen und Wildschweinen erheblich zurückgehen. Bei diesen milden Temperaturen ziehe sich beispielsweise kaum ein Frischling eine Erkältung zu.

Ab auf die Skipiste! Holzschlitten, Spikes und Granulat stauben im Baumarkt vor sich hin. Und wie sehen es die Verkäufer in den Skigeschäften? Jetzt, da es blüht auf dem Teufelsberg und auch die Rodelbahn am Potsdamer Platz fast abgebaut ist? „Das Wetter in Berlin spielt für uns keine Rolle“, heißt es im Geschäft Ski-Service in der Bornholmer Straße in Prenzlauer Berg. „Unsere Kunden kaufen ihre Skier ja für die Alpen.“ Auch im Ski-Shop am Richard-Wagner-Platz in Charlottenburg herrscht Gelassenheit: „Die Menschen freuen sich auf die Winterferien, und wir freuen uns auf die Umsätze.“ In dreieinhalb Wochen sind Ferien.

Und sie baggern noch. Voriges Jahr lagen monatelang viele Baustellen flach, weil das Material bei der Kälte nicht verbaut werden konnte. Zu nass, zu kalt, zu viel Schnee. Nun geht vieles nach den Weihnachstagen schnell weiter. Die Schlechtwetterzulage gibt es erst, wenn es viel, sehr viel kälter wird.

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