Berlin : Für ihr Engagement wird Irmgarad Klette mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt

Ulrike Groppe

Irmgard Klette redet schnell. Sehr schnell. Unaufhörlich sprudeln die Worte aus ihr heraus. Wer sie stoppen will, braucht Selbstbewusstsein. "Ich weiß, dass das nervt, aber ich habe mich so dran gewöhnt, die Beamten hatten immer nur zehn Minuten Zeit für mich, da musste ich schnell sein", entschuldigt sich die 66-jährige Rentnerin. Doch wäre sie nicht so schnell und so hartnäckig gewesen, gäbe es den Görlitzer Park heute vielleicht nicht. Über zwanzig Jahre lang ist sie als Mitglied des Vereins "Görlitzer Park" in den Kampf gegen zögerliche Bürokraten gezogen, heute erhält sie dafür von Sozialsenatorin Beate Hübner das Bundesverdienstkreuz.

Eigentlich, findet Frau Klette, sei die Auszeichnung "zu hoch gehängt, eine Ehrenbürgerschaft im Bezirk hätte es auch getan", aber vielleicht könne sie damit ja diejenigen ärgern, die sie und ihre Pläne immer wieder ausgelacht haben. Dass aus der verkommenen Brache einmal etwas Schöneres werden könnte, auf die Idee kam Irmgard Klette 1960 bei ihrer Heirat im Kreuzberger Rathaus: Zusammen mit Ehemann Dieter sah sie dort ein Modell für eine Grünfläche auf dem Gelände des alten Görlitzer Bahnhofs. Die beiden zogen in eine angrenzende Wohnung, doch an dem Blick auf Schutt und Müll änderte sich über dreißig Jahre lang wenig. Das Gelände gehöre der DDR-Reichsbahn, beschied man Irmgard Klette, da seien dem Bezirk die Hände gebunden. "Je mehr Widerstand kam, desto mehr Wut spürte ich, und das gab Kraft", sagt sie. Motiviert wurde sie nach eigenem Bekunden durch ihre Kinderlosigkeit. "Ich wollte wenigstens die Kinder hier im Park spielen sehen."

Auf einer Liste sind die Namen von insgesamt 230 Personen verzeichnet, die sie wegen des Parks angesprochen hat: drei Regierende Bürgermeister, sieben Senatoren, auch der amerikanische Stadtkommandant John Mitchell ist darunter. Sie lauerte Ex-Innensenator Heinrich Lummer bei seinem Frühschoppen auf, "entführte" Eberhard Diepgen bei der Übergabe des Spreewaldbads mit dem Kremser zu den Dreckecken des Geländes. Und immer wieder hing sie am Telefon, mit dem Handbuch des Abgeordnetenhauses als Leitfaden. "Wenn man sich die Fotos ansieht, dann weiß man schon, mit wem man eher flapsig reden kann und wer lieber förmlich angesprochen werden will." Klettes Erfahrung: Die schlimmsten Ignoranten sitzen in den unteren Etagen, je höher, desto aufgeschlossener für ihre Belange war man.

Der Park gefällt ihr, so wie er ist: "Er sollte eben zweckmäßig sein." Doch bei der Eröffnung des Pamukkale-Brunnens 1998 überging man sie, wollte ihr lediglich einen Getränkegutschein überreichen. Das kränkte die resolute Ex-Verkäuferin sehr. "Deshalb habe ich dem Bürgermeister gesagt, er soll jetzt zu meiner Ehrung bloß keinen aus dem Bezirksamt mitbringen."

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