Fürst Pücklers Grab : Die Pyramide des grünen Fürsten in Branitz wird restauriert

Fürst Pückler hat sich im Schlosspark Branitz ein Denkmal gesetzt: die Pyramide, in der er sich beisetzen ließ. Sie wies erhebliche Erosionsschäden auf, die jetzt weitgehend behoben sind..

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Eine Pyramide für Fürst Pückler. Das Grabmal im Park von Schloss Branitz wird restauriert.
Eine Pyramide für Fürst Pückler. Das Grabmal im Park von Schloss Branitz wird restauriert.Foto: dpa/Pleul

Nur sechs Meter Höhenverlust in über 4500 Jahren – man kann mit Fug und Recht sagen, dass die heute knapp 140 Meter hohe Cheops-Pyramide sehr stabil gebaut ist. Besonders, wenn man bedenkt, dass der Schwund weniger der Erosion, vielmehr dem zeitweisen Missbrauch des Grabmals als Steinbruch anzulasten ist.

Das pyramidale Grabmal des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau hingegen kann man vergleichbarer Stabilität nicht rühmen. Es ist nur eine Erdpyramide, weitaus empfindlicher gegenüber Wind und Regen, die hierzulande zudem häufiger auftreten als unter Ägyptens Wüstensonne. So ist der mitten in einem See, als Teil des Parks von Schloss Branitz bei Cottbus, gelegene Tumulus im Laufe der Zeit geschrumpft und hat einiges von seinen ursprünglichen 13,50 Metern eingebüßt. Zwar bestand keine Gefahr, dass der 1871 gestorbene Fürst aufgrund des Grabmalschwunds wieder zum Vorschein kommen könnte, aber Gartendenkmalpflegern war der Zustand des Erdhügels dennoch ein Graus.

Nun aber nicht mehr: Im Sommer 2014 hatten die Arbeiten zur Restaurierung des Tumulus begonnen, sie sind schon weit vorangeschritten und sollen im Frühjahr beendet sein. Vielleicht kann ja das Grabmal schon zum Branitzer Gartenfestival Mitte Mai wieder offiziell der Öffentlichkeit übergeben werden.

So behält Fürst Pückler wohl doch recht, der seinem Grabmal vorausgesagt hatte, es werde „wahrscheinlich alle Monumente jetziger Herrscher überdauern, wie die sieben Weltwunder alle verschwunden sind und die (...) Pyramiden Ägyptens noch jugendlich ihre Häupter erheben“. Mittels umfassender Bodenarbeiten hat man die stark erodierten Pyramidenbereiche nachmodelliert und als Bekrönung eine Kopie des historischen Schlusssteins wieder aufgesetzt, ließ die Cottbuser Stiftung Fürst-Pückler-Museum jetzt wissen. Am Pyramidenfuß habe man eine ursprünglich umlaufende Erdstufe wiederhergestellt, den Wildwuchs zurückgedrängt und wilden Wein nachgepflanzt, auf dass Ende September das sich rot färbende Laub wieder zum spektakulären „Pyramidenfeuer“ auflodere. Auch ans Umfeld der Pyramide wurde gedacht, samt Sanierung der umliegenden Gewässer, Rekonstruktion von Form und Bepflanzung der angrenzenden Ufer, Inselchen und Uferwege. Kurz: Fast alles wieder picobello, der Rest in den kommenden Monaten.

„Platt wie ein Pfannkuchen“, so soll Fürst Pückler das weitläufige Areal des späteren Parks abfällig beschrieben haben, als er sich vor rund 170 Jahren daranmachte, es nach seinen an englischer Gartenkunst geschulten Träumen umzugestalten. Quasi aus dem Nichts entstand eine fein modellierte, natürlich wirkende, doch bis ins Letzte durchdachte Ideallandschaft, mit sanften Hügeln, einem elegant mäandernden Netz aus Wegen, Wasserläufen und Seen, mit das staunende Auge behutsam leitenden Baum- und Gehölzpflanzungen – und eben jener Erdpyramide im See, in der 1871 erst der Fürst selbst begraben und wohin 1884 seine 30 Jahre zuvor gestorbene Frau Lucie umgebettet wurde. Sie war ihm auch nach der Pro-Forma-Scheidung freundschaftlich verbunden geblieben. Pückler suchte damals, wenngleich auch erfolglos, eine neue, vor allem wohlhabende Gemahlin. Der Park von Branitz war die zweite große von Pückler geschaffene Ideallandschaft, nach dem Verkauf des Anwesens in Bad Muskau in der bereits zu Sachsen gehörenden Oberlausitz. Dort wird im kommenden Jahr das 200. Jubiläum der Gründung des Parks gefeiert, der heute zu zwei Dritteln in Polen liegt.

Und wenngleich der Besuch dort wie auch in Branitz ein Fest der Sinne ist – so weit muss man als Berliner gar nicht fahren, um den Gartenkünstler Fürst Pückler zu erleben: Denn der von Peter Joseph Lenné begonnene Park Babelsberg in Potsdam wurde erst von Pückler, dem grünen Fürsten, vollendet.

Informationen zu Fürst Pückler und seinen Gärten findet man im Internet unter:

www.pueckler-museum.de www.muskauer-park.de

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