Fußball mit Bier : Kneipiers schicken Sky die Kündigung

Weil der Pay-TV-Sender Sky seine Preise für Kneipen und Restaurants erneut deutlich anhebt, kündigen viele Sportbars in Berlin ihr Abo. In manchen läuft die Bundesliga wieder als Radiokonferenz.

Bodo Straub
Nur mit Sky können Kneipen die Fußball-Bundesliga live übertragen. Wirte befürchten, dass viele Gäste sich jetzt ein Abo für zu Hause holen – und vermuten eine Strategie des Pay-TV-Anbieters.
Nur mit Sky können Kneipen die Fußball-Bundesliga live übertragen. Wirte befürchten, dass viele Gäste sich jetzt ein Abo für zu...Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Ich bin angesäuert ohne Ende“, sagt Fred Eichhorn. Seit 25 Jahren betreibt er die Fußball-Kneipe „Puschel's Pub“ in der Potsdamer Straße, doch „was da gerade passiert, ist existenzbedrohend“: Der Bezahlfernsehsender Sky, der unter anderem die Fußball-Bundesliga und Champions League überträgt, hat zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Preis erhöht, Eichhorn zahlt jetzt fast doppelt so viel wie im August 2013. „Ich weiß nicht, wo das enden soll“,

Auch Andreas Eggerstorfer ist auf Sky gerade nicht gut zu sprechen: „Das ist eine bodenlose Frechheit“, poltert der Eigentümer der Bilderpinte in Prenzlauer Berg. „Am Anfang habe ich noch 190 Euro für das Abonnement gezahlt, letztes Jahr waren es dann auf einmal um die 350, und jetzt wollen die 528 Euro im Monat von mir.“ Eggerstorfer blieb nichts anderes übrig, als sein Abo zu kündigen – die Bilderpinte bietet nach wie vor nur 24 Sitzplätze, und die 180 Euro Mehrkosten im Monat auf seine Gäste umzulegen findet Eggerstorfer auch nicht fair. In Zukunft gibt es in seiner Kneipe also keinen Fußball mehr zu sehen, abgesehen von frei empfangbaren Länder- und Champions-League-Spielen.

Und damit liegt er im Trend: Die meisten der Kneipen- und Restaurantbesitzer, bei denen der Tagesspiegel nachgefragt hat, haben ihr Abonnement bei Sky schon gekündigt oder haben das zumindest vor. Laut der Internetseite des Landes gibt es zur Zeit in Berlin noch 510 sogenannte Sky-Sportbars. In der neuen Saison werden es vermutlich weniger sein.

118 Prozent mehr innerhalb eines Jahres

Das Gaffel Haus in Mitte wird man dann jedenfalls vergeblich suchen. „Der Preis ist innerhalb eines Jahres um 118 Prozent gestiegen“, sagt Geschäftsführer Heiko Lockenvitz, „auf mittlerweile 15 882 Euro im Jahr“. Schon vor der vergangenen Saison hatte Sky sein Preissystem umgestellt, was für viele Wirte teils drastische Erhöhungen bedeutete – der jeweilige Tarif richtet sich unter anderem nach der Größe des Betriebs.

„Im Durchschnitt muss ein Gastronomiebetrieb in der kommenden Saison etwa 30 Prozent mehr zahlen als in der vorangegangenen“, sagt eine Sky-Sprecherin dem Tagesspiegel. Sie erklärt die Preissteigerung unter anderem mit den gestiegenen Kosten, die der Bezahlsender für Programmlizenzen und für die eigenen Produktionen und Übertragungen aufwenden müsse.

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„Die können machen, was sie wollen, sie haben ja das Monopol in dem Bereich“, kontert Heiko Lockenvitz. Der Gaffel-Haus-Geschäftsführer hat den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) informiert und hofft, so Druck aufzubauen. Dehoga-Mitglieder erhalten aufgrund eines Vertrags mit Sky zumindest etwas Rabatt, doch der Berliner Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder sagt: „Die Stimmung unter den Mitgliedern ist nicht gut, es haben sich schon mehrere beschwert.“ Für Gastronomiebetriebe sei es ein zusätzliches Ärgernis, dass Champions-League-Spiele regelmäßig im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen seien.

"Keiner schaut in der Kneipe Tennis oder Golf"

Noch hat Phiru Thurairajah keinen Brief von Sky bekommen, doch das kann nicht mehr lange dauern, sagt der Store Manager des Playoff in den Potsdamer Platz Arcaden. Weil das Playoff mehrere Kneipen in Berlin und anderen Städten unterhält, hofft er auf eine bessere Verhandlungsbasis. „Ansonsten werden wir wohl eine Sammelkündigung an Sky schicken.“ Etwa 80 der 120 Gäste an einem Samstagnachmittag kämen zwar wegen des Fußballs, trotzdem müsste er in Zukunft doppelt so viel umsetzen wie bisher, damit sich der höhere Preis überhaupt rechnet. „Wie soll das gehen? Da spare ich mir lieber ein paar Tausend Euro im Jahr.“

Zwar verweist Sky immer wieder darauf, dass es sein Angebot ständig weit über den Fußball hinaus ausbaue, doch das hilft Andreas Eggerstorfer aus Prenzlauer Berg nicht: „Es kommt ja keiner in eine alt-Berliner Kneipe, um Tennis oder Golf zu schauen.“ Er ärgert sich, dass es Sky für Privatkunden seit vier Jahren zum unveränderten Preis gibt, während Kneipiers immer mehr zahlen müssen.

Sky will in Kneipensparte wachsen, nicht schrumpfen

Schon lange hält sich nämlich unter Gastronomen das Gerücht, Sky ziehe bewusst die Preise für Kneipenwirte an, um den Verkauf an Privatpersonen anzukurbeln. Die Sky-Sprecherin widerspricht entschieden: „Das Geschäft mit den Gastwirten ist für uns eine wichtige Sparte, in der wir auch weiter wachsen wollen.“ Nicht ohne Grund habe Sky die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich zuletzt aufgestockt. Im vergangenen Jahr sei trotz der Preisumstellung die Zahl der Gastronomiekunden um etwa 12 Prozent gestiegen, und auch für die kommende Saison geht sie von einem Wachstum aus.

„Die ständigen Preiserhöhungen sind unverschämt, schon die letzte war heftig“, sagt hingegen Horst Winter, Inhaber des Restaurant-Biergartens Filouu in Steglitz. Er fordert alle Berliner Gastwirte auf, sich zu vernetzen und geschlossen zu kündigen. „Das wäre mal eine Hausnummer, darauf müsste auch Sky reagieren.“

Und bis dahin hilft wohl nur, was sich Lockenvitz vom Gaffel Haus überlegt hat: „Bei uns läuft jetzt wieder jeden Samstagmittag die Radiokonferenz und um 18 Uhr dann die Sportschau – so wie früher.“