G-20-Gipfel : Berliner Linksextreme wappnen sich für Protest gegen Trump

Zahlreiche Bekennerschreiben linksextremistischer Gruppen in Berlin nehmen Bezug auf den G-20-Gipfel am 7. Juli in Hamburg. Das Datum scheint dem 1. Mai dieses Jahr den Rang abzulaufen.

Jörn Hasselmann
Ein Auto brennt in Berlin. Bei linksextremen Anschlägen nehmen die Täter derzeit meisten Bezug auf den Hamburger G-20-Gipfel.
Ein Auto brennt in Berlin. Bei linksextremen Anschlägen nehmen die Täter derzeit meisten Bezug auf den Hamburger G-20-Gipfel.Foto: Steffen Tzscheuschner/dpa

Einen Termin gibt es in diesem Jahr, der für die linksextremistische Szene in Berlin weitaus wichtiger ist als der 1. Mai: Der G-20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg. An dem Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wird auch US-Präsident Donald Trump teilnehmen. Die meisten Bekennerschreiben zu Anschlägen beziehen sich derzeit auf den G-20-Gipfel.

Zu dem in der Nacht zu Montag am Schöneberger Willmanndamm angezündeten Fahrzeug der französischen Botschaft ist eine Selbstbezichtigung im Internet aufgetaucht. Eine „Zelle Rémi Fraisse“ nennt darin als Motiv für den Anschlag den Bau eines Atommülllagers in Frankreich. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass der Gipfel in Hamburg der Start „zu einer anhaltenden anarchistischen Offensive“ sein solle.

Protest gegen den G-20-Gipfel scheint Hauptmotiv zu sein

Einen Hamburg-Bezug gibt es auch beim Anschlag Ende Januar auf ein Bürogebäude in der Dircksenstraße in Mitte. Die „Autonome Gruppe Blackout“ unterschrieb ihr Bekennerschreiben mit dem Aufruf: „G 20 sabotieren – Kapitalismus angreifen“. Angegriffen wurde der Software-Konzern PSI, weil er sich regelmäßig am Europäischen Polizeikongress beteiligt, der in zwei Wochen am Alexanderplatz stattfindet.

Mit einmonatiger Verspätung wurde nun auch zu dem Brandanschlag auf Autos in einem Neubaugebiet in Prenzlauer Berg ein Text veröffentlicht, auf einer einschlägigen linksextremistischen Internetseite. In dem mehrseitigen Pamphlet heißt es zur Begründung des Anschlags, dass „jeder beliebige Bulle als Ziel markiert“ werden müsse. „Egal ob er Einsätze steuert wie Treumann oder nur der letzte Sesselfurzer oder Schläger seines Reviers ist“, wie die Gruppe „AnarchistInnen“ mitteilt. Der Anschlag sei Teil der „bis jetzt erfolgreichen Mobilisierung gegen den G 20“, heißt es. Der genannte Enno Treumann ist ein hochrangiger Hamburger Polizist, dessen Privatwagen im Herbst von der autonomen Szene angezündet wurde.

A Long Hot Summer

Die Hansestadt bereitet sich auf einen heißen Sommer vor. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer rechnet mit 100 000 Demonstranten aus dem bürgerlichen und dem militanten Lager. Szenekenner erwarten, dass in den kommenden Wochen bis zum Gipfel die Zahl der Anschläge kräftig steigen wird, sowohl in Hamburg, aber auch in Berlin. Die nächste größere linke Demo soll am 18. Februar von Kreuzberg zum Potsdamer Platz führen – gegen den Polizeikongress.

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