Gedenkstätte : Baustart für Denkmal der ermordeten Sinti und Roma

Die ersten Planungen liegen schon 16 Jahre zurück. Doch jetzt entsteht das Denkmal für die während des Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Gleichzeitig gedachte der Bundesrat der Opfer der Vernichtungspolitik.

Sinti und Roma
Das Denkmal wird in der Nähe des Reichstags stehen. -Foto: dpa

BerlinRund 16 Jahre nach den ersten Plänen für ein Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma im Nationalsozialismus beginnen am Freitag die Bauarbeiten. Kulturstaatsminister Bernd Neumann will am traditionellen Gedenktag des Bundesrates für die vom NS-Regime verfolgten Sinti und Roma die Bauarbeiten im Rahmen einer Gedenkveranstaltung eröffnen. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wird bei der Feier am Standort des Denkmals in der Nähe des Reichstagsgebäudes sprechen.

Der Bundesrat hat am Freitag ebenfalls der Opfer des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma gedacht. Der Bundesratspräsident und saarländische Regierungschef Peter Müller (CDU) sagte mit Blick auf die Unterzeichnung des sogenannten Auschwitz-Erlasses am 16. Dezember 1942, damit sei der Versuch gestartet worden, die deutschen und europäischen Sinti und Roma vollständig zu vernichten. Gegipfelt habe die NS-"Mordpolitik" in der Deportation von etwa 23.000 Sinti und Roma aus nahezu allen europäischen Staaten nach Auschwitz, wo fast alle ums Leben gekommen seien. "Der Völkermord an den europäischen Juden, Sinti, Roma und Jenischen war ein Menschheitsverbrechen bisher nicht gekannten, beispiellosen Ausmaßes", fügte der CDU-Politiker hinzu.

Klare Absage an alle Formen des Totalitarismus

Müller verwies zugleich auf den für den Nachmittag in Berlin vorgesehenen Baubeginn eines Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma. Indem das Denkmal nahe des Reichstagsgebäudes errichtet werde, hätten sich Bundestag und Bundesrat "den Ort des Erinnerns nahe an ihre Wirkungsstätten geholt". Dies sei auch "ein klares Bekenntnis zu unserer historischen Verantwortung".

Er mahnte zugleich, "nie wieder ein Klima der Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma entstehen zu lassen". Wo immer "der Rechtsradikalismus sein hässliches Haupt erhebt", sei "die Solidarität der Demokraten gefragt". Sie müssten gemeinsam "allen Formen des Radikalismus, des Totalitarismus und des völkerverachtenden Denkens eine klare Absage erteilen".

Die Kosten für das zwei Millionen Euro teure Mahnmal trägt der Bund. Die ersten Pläne dafür gehen bereits auf das Jahr 1992 zurück. Der Beginn der Bauarbeiten war ursprünglich für 2004 vorgesehen. Ein jahrelanger Streit zwischen der Bundesregierung und dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma um die Inschrift des Mahnmals hatte jedoch immer wieder zu Verzögerungen geführt. (ah/ddp)

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