Berlin : Gedenktafel für Jonny K.

Montag beginnt der Prozess um die Alex-Gewalttat. Bezirk plant dauerhaftes Mahnmal.

Sidney Gennies/Timo Kather
Gedenken mit Kerzen. Die provisorische
Gedenken mit Kerzen. Die provisorische

Blumengestecke, Fotos, Kerzen – noch immer erinnert ein provisorisches Mahnmal an Jonny K., der am Alexanderplatz zu Tode geprügelt wurde. Am Montag beginnt der Prozess gegen die sechs jungen Männer, die ihn getötet haben sollen. Aufgestellt wurde das Mahnmal von Tina K., der Schwester des Opfers. Ein schwarz-grüner Baldachin schützt die Stätte vor Wind und Regen. Notdürftig ist das Dach mit Spanngurten an einer Straßenlaterne befestigt, Steinplatten stabilisieren die wacklige Konstruktion.

„Ursprünglich sollte das Mahnmal nur bleiben, bis alle Täter gefasst sind“, sagt Tina K. „Aber jetzt ist es doch schwer, sich davon zu trennen.“ Noch immer würden Menschen zum Mahnmal kommen, stellten frische Blumen auf und zündeten neue Gedenklichter an, sagt sie. Doch Zeit und Wetter nagen am Provisorium: Blumenkränze und Gestecke welken vor sich hin, ein vertrockneter Weihnachtsbaum steht in einer Ecke.

„Das Provisorium kann nur von begrenzter Dauer sein – in Absprache mit Frau K. muss eine andere, dauerhafte Lösung gefunden werden“, sagt Sabine Weißler (Grüne), Kulturstadträtin von Mitte. Angesichts des Prozessbeginns werden die Pläne nun konkreter, erste Aktivitäten gibt es allerdings schon länger. Bereits am 31. Januar beschäftigten sich damit der Kulturausschuss des Bezirks. Zunächst war von einem großen Denkmal die Rede. Tina K. favorisiert aber eine bescheidenere Erinnerung an ihren Bruder.

Eine Bodenplatte mit einem Handabdruck von Jonny K. soll an der Stelle in den Gehweg eingelassen werden, wo jetzt das Zelt steht. Die Kosten, die Tina K. auf etwa 1500 bis 2000 Euro schätzt, soll der Unterstützerverein „I am Jonny“ tragen. Die Vorlage für den Handabdruck steht noch bei Tina K. zu Hause. „Es soll natürlich ein spezifisches Mahnmal für Jonny sein, gleichzeitig aber auch ein generelles für Opfer solcher Gewalt.“, sagt sie. Jonny K.s Name, Geburts- und Sterbedatum sollen eingraviert werden sowie ein kurzer Text.

Am 14. Mai soll ein fertiger Vorschlag dem Kulturausschuss vorgelegt werden. Dann könnte ein Vollzugsantrag an die Bezirksverordnetenversammlung weitergegeben werden, sagt Vera Morgenstern (SPD), die Vorsitzende einer Arbeitsgruppe zu dem Vorhaben. Im Juni werde wohl die Entscheidung fallen.

Wann die Gedenkplatte übergeben wird, bleibt Tina K. und der Initiative „I am Jonny“ vorbehalten. „Alle Beteiligten wollen, dass dies zügig geschieht“, sagt Morgenstern. Spätestens am ersten Todestag von Jonny K. am 15. Oktober soll die Tafel enthüllt werden. Tina K. hatte sich eigentlich gewünscht, das Mahnmal bereits zu Jonny K.s Geburtstag am 7. April übergeben zu können. Bis zum Jahrestag seines Todes will sie aber definitiv nicht warten. „Ich möchte nicht, dass das Mahnmal nur mit diesem Datum verknüpft wird.“

Sidney Gennies/Timo Kather

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