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Gegen die Provinzialität : Eine englischsprachige Universität für Berlin

25.01.2013 21:46 Uhrvon
Über den Globus geweht. Von der britischen Insel aus hat sich das Englische in den letzten Jahrhunderten zur weltweit wichtigsten Verkehrssprache gemausert. In Berlin gilt es, diese Realität im Werben um Fachkräfte anzuerkennen.Bild vergrößern
Über den Globus geweht. Von der britischen Insel aus hat sich das Englische in den letzten Jahrhunderten zur weltweit wichtigsten Verkehrssprache gemausert. In Berlin gilt es,... - Foto: dpa

Der weltweite Hype hilft nicht darüber hinweg: Berlin ist vielerorts noch zu provinziell – auch an den Hochschulen. Um langfristig wichtige Fachkräfte anzulocken, sollte eine der drei großen Unis ihre Verkehrssprache komplett wechseln.

Zum Studium nach England: Für Shanti Behari Seth wäre das naheliegend, wie für viele junge, gebildete Inder. Mit Großbritannien verbindet ihn ein historisch, kulturell und familiär begründetes Netzwerk. Und auch mit der Sprache hätte er es in England leicht.

Doch Seths Familie ist zwar nicht arm – aber eben auch nicht reich genug, um ihm das gewünschte Studium in England zu finanzieren. Der junge Mann entscheidet sich für Berlin, obwohl er kein Wort Deutsch kann und ihm die Deutschen als raues, nicht unbedingt gastfreundliches Völkchen geschildert wurden. Gleich am ersten Abend verläuft er sich heillos in der deutschen Hauptstadt.

Er hat die Bahnhöfe Charlottenburg und Friedrichstraße verwechselt. Doch ein hilfsbereiter Passant hilft dem Verirrten und erklärt ihm – „in perfect English“ – wo es langgeht. Ein guter Start in der fremden Stadt.

Die Geschichte hat sich 1931 so abgespielt und ist Vikram Seths epischer Doppelbiografie „Zwei Leben“ über seinen indischen Großonkel und dessen deutsch-jüdische Frau entnommen. Was sich als Vorlage für große Literatur anbot, weil sich historisch wie persönlich dramatische Entwicklungen anhand dieser beiden Figuren erzählen ließen, könnte – und sollte – heute in Berlin endlich zum Alltag werden: Einwanderung aus Teilen der Welt, die traditionell eher mit den Kolonialmächten des 20. Jahrhunderts verbunden sind und deren Menschen es immer noch eher in deren Metropolen zieht.

Auch heute noch lebt es sich in Berlin – Klagen über steigende Mieten und „Gentrifizierung“ hin oder her – deutlich günstiger als in London. Das könnte ein Argument für Familien aus den wachsenden Mittelschichten jener Länder sein, ihren Nachwuchs zum Studium lieber hierher zu schicken.

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