Gegenbauer wirft hin : Sicherheitsdienst am Lageso neu ausgeschrieben

Nach der Hetzrede eines Mitarbeiters werden die Sicherheitsdienste am Lageso neu ausgeschrieben. Bis ein Nachfolger gefunden ist, werden die Gegenbauer-Firmen noch weiterarbeiten.

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Ein Sicherheitsmann versucht, Fragen zu beantworten. Foto: dpa
Ein Sicherheitsmann versucht, Fragen zu beantworten.Foto: dpa

Die Unternehmensgruppe Gegenbauer zieht ihre Sicherheitsdienste vom Lageso in Moabit und der Registrierungsstelle für Flüchtlinge in der Bundesallee ab – so schnell wie möglich. Damit soll „weiterer Schaden für das Unternehmen und seine über 15 000 engagierten Beschäftigten in ganz Deutschland abgewendet werden“, teilte das Unternehmen mit. Erheblicher Schaden ist bereits entstanden, nach der Veröffentlichung von Videos, die einen Gegenbauer-Mitarbeiter beim rassistischen Schwadronieren gegen Flüchtlinge zeigen, einen anderen des Subunternehmens Spysec bei einer Prügelattacke.

Der Mitarbeiter, der gegen Flüchtlinge hetzte, ist bereits fristlos entlassen, doch damit war die Affäre nicht ausgestanden. Wegen einer „massiven und in Teilen rufschädigenden Berichterstattung“ habe sich Gegenbauer zum Rückzug entschlossen. Rund 70 Gegenbauer-Mitarbeiter sind am Lageso und in der Bundesallee beschäftigt, für den Gebäudedienstleister ein eher kleiner Auftrag, der in keinem Verhältnis zum Imageschaden steht. Die zeitweise chaotischen Bedingungen am Lageso, mit langen Warteschlangen und campierenden Menschen in Eiseskälte, erschwert die Arbeit der Wachleute erheblich.

"Unternehmen hat richtig gehandelt"

Auftraggeber für die Sicherheitsfirmen ist die landeseigene Berliner Immobilienmanagent GmbH (BIM). Dort hieß es am Freitag, man sei selbst zu der Entscheidung gelangt, den Lageso-Auftrag neu auszuschreiben. Sven Lemiss, Geschäftsführer der BIM: „Aufgrund der aktuellen Diskussion besteht die Gefahr, dass sich der Fokus ausschließlich auf die Sicherheitsdienste konzentriert. Es ist jedoch wichtig, die gesamte Aufmerksamkeit und Kraft auf das Wohl der Flüchtlinge zu lenken.“

Der pöbelnde Mitarbeiter gehörte direkt zum Unternehmen Gegenbauer-Sicherheitsdienste, andere Security-Leute sind beim Subunternehmen Spysec beschäftigt, das von der Neu-Ausschreibung des Auftrags ebenfalls betroffen ist, wie die BIM bestätigte. Insgesamt seien mehr als 100 Wachschützer an den Einrichtungen beschäftigt. „Das Unternehmen Gegenbauer hat richtig gehandelt“, erklärte BIM-Sprecher Christian Breitkreutz. Nur habe die Entlassung plus öffentlicher Distanzierung nicht ausgereicht, um das Interesse der Medienöffentlichkeit in eine andere Richtung zu lenken.

Alltag im Flüchtlingsheim
Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet sich im Hintergrund. Im Februar hat die deutsch-schweizerische Künstlerin Barbara Caveng in einem Heim für Asylsuchende in Spandau ein Kunstprojekt begonnen. Beim "Kunstasyl" entscheiden die Bewohner mit den Künstlern gemeinsam, was sie tun wollen, um das Heim zu einer Heimat zu machen - und sei es auf Zeit. Ein Teil der Fotos von Till Rimmele sind am 23. Juli 2015 auch in einem vierseitigen Dossier zum Thema im gedruckten Tagesspiegel erschienen, oder nachzulesen im E-Paper. Foto: Till RimmeleWeitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Till Rimmele
23.07.2015 00:02Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet...

Die europaweite Ausschreibung werde mindestens drei Monate dauern, sagte Breitkreutz. Solange werden die Gegenbauer-Firmen noch weiterarbeiten. Ihr Vertrag wäre eigentlich erst 2017 ausgelaufen. Für die Berliner Sicherheitsfirmen insgesamt hat die Flüchtlingskrise einen kräftigen Auftragsschub gebracht. In jeder größeren Unterkunft gibt es Security-Mitarbeiter. Sie regeln den Einlass, schlichten Streitigkeiten oder alarmieren notfalls die Polizei.

Einbruchsversuch am Lageso

Unterdessen hat Polizeipräsident Klaus Kandt dem Landesverband der Linken über einen Anwalt ein Unterlassensbegehren wegen einer Pressemitteilung des Abgeordneten Hakan Tas zugestellt. In der Mitteilung hatte Tas den Senatoren Mario Czaja und Frank Henkel (beide CDU) Untätigkeit wegen der Übergriffe von Sicherheitspersonal vorgeworfen. Die Linke will dem Unterlassensbegehren nicht nachkommen.
Zudem wurde bekannt, dass es Anfang November einen Einbruchsversuch im Lageso gegeben hat. Einen Bericht der "BZ", wonach die Täter beinahe in den Sicherheitsbereich gelangten, in dem mehrere hunderttausend Euro verwahrt wurden, wollte die Polizei aus Ermittlungsgründen nicht kommentieren.

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