Geschäfte in der Krisenregion : Wowereit besucht Saudi-Arabien

Am Freitag reist Klaus Wowereit mit einer Delegation aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft nach Saudi-Arabien. Die Beziehungen zur arabischen Welt sollen ausgebaut werden. Auch der neue Großflughafen spielt dabei eine Rolle.

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Da geht´s lang. Trotz aller Revolten reist Klaus Wowereit am Freitag nach Arabien. Die Beziehungen sollen gestärkt werden.
Da geht´s lang. Trotz aller Revolten reist Klaus Wowereit am Freitag nach Arabien. Die Beziehungen sollen gestärkt werden.Foto: DDP

Nicht nur die aus arabischen Ländern stammenden Berliner verfolgen derzeit die dramatischen politischen Entwicklungen in Nordafrika und dem Nahen Osten mit besonderer Spannung. Auch etliche Unternehmer und Politiker beobachten sehr genau, was in der von Umbrüchen erfassten Region passiert. Denn der arabische Raum hat in den vergangenen Jahren vor allem wirtschaftlich stetig an Bedeutung auch für Berlin gewonnen.

Das symbolisiert eine Reise, die der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Freitag antritt: Mit einer Delegation aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft reist er für fünf Tage zu Kooperationsgesprächen ins Königreich Saudi-Arabien. „Berlin beginnt gerade erst, sich wirtschaftlich in der Richtung zu orientieren“, sagt Wowereits Sprecher Richard Meng. Zwar könne man nicht die arabische Welt pauschal in einem Atemzug nennen, aber klar sei: „Die arabische Halbinsel bietet Riesenchancen für Berlin, vor allem mit dem neuen Großflughafen.“ Am heutigen Donnerstag soll das Programm der Wowereit-Reise bekannt gegeben werden.

Dass der Besuch in eine Zeit fällt, in der in der Region ein Regime nach dem anderen von Protesten und der Forderung nach Reformen erschüttert wird, ist jedoch Zufall, wie Senatssprecher Meng deutlich macht. „Es ist allerdings keine schlechte Fügung, in dieser spannenden Zeit dort zu sein: Das macht die Gespräche noch spannender.“ Im Zentrum steht indes nicht etwa der Austausch über Bürgerrechte und Demokratie – Themen, bei denen man Meng zufolge durchaus andere Ansichten als die saudischen Gastgeber habe. Sondern es geht um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen von Berliner Unternehmen in die Region, wie zuletzt auch bei der Reise von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) und einer Delegation Ende Januar in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar. „Die Golfregion ist ein wichtiger Markt vor allem für die Gesundheitswirtschaft“, sagt Christoph Lang, Sprecher der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, der Wolf begleitet hatte. Das gilt sowohl für den Gesundheitstourismus an Kliniken der Charité, zu Vivantes oder ins Deutsche Herzzentrum wie auch für den Export von Technologie und Fachwissen. So lieferten Berliner Firmen wie Biotronik Herzschrittmacher oder Überwachungsgeräte in die Region, Konzerne wie Vivantes helfen beim Aufbau von Kranken- und Pflegeheimen. Arabische Investitionen in Berlin sind im Gegenzug bei manchem Großprojekt bedeutsam, so wird das Waldorf Astoria im Zoofenster von Investoren aus Abu Dhabi finanziert.

Die arabischen Länder, in denen es derzeit besonders turbulent zugeht, sind allerdings für Berlin von geringerer Bedeutung. So wurden nach Ägypten laut der letzten verfügbaren Statistik von 2008 gerade mal Waren im Wert von 51,1 Millionen Euro exportiert, nach Libyen lieferten Berliner Firmen laut IHK zuletzt Waren im Wert von 15,6 Millionen Euro. 15 Berliner Firmen kooperieren laut IHK mit libyschen Firmen. Nach Saudi-Arabien betrug das Exportvolumen knapp 200 Millionen Euro, in die Vereinigten Arabischen Emirate und in den Iran jeweils gut 100 Millionen Euro pro Jahr. Auch touristisch haben arabische Länder zwar eine wachsende, aber dennoch überschaubare Bedeutung für Berlin: Um 18 000 Besucher wurden zuletzt jährlich aus den arabischen Golfstaaten in Berlin gezählt. Im Verhältnis zu 3,3 Millionen internationalen Gästen eine verschwindende Größe.

Unter den in Berlin lebenden Staatsangehörigen arabischer Länder sind die Gefühle derzeit gemischt, wie Harald M. Bock sagt, Generalsekretär der Deutsch- Arabischen Gesellschaft. Wer mit den bisherigen Machthabern in Ländern wie Ägypten oder Libyen verbunden war, trauere den alten Zeiten nach. Andere hingegen, wie auch er selbst, empfänden eine große Sympathie für die Reformen und freuten sich über den „Wind der Freiheit“.  Die Zahlen der offiziell gemeldeten Staatsbürger arabischer Länder in Berlin schwanken zwischen einigen Dutzend (Vereinigte Arabische Emirate), einigen Hundert (Saudi-Arabien, Jordanien) und einigen Tausend (Syrien, Nordafrika).

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