Gesperrter Magdeburger Platz : Viele Anwohner werden den Park nicht vermissen

Der Bezirk Mitte hat den Magdeburger Platz wegen Verschmutzung gesperrt. Die einzelnen Baugitter sollen bald zu einem durchgehenden Zaun erweitert werden.

Nandor Hulverscheidt
Das Karree am Magdeburger Platz ist rundum eingezäunt.
Das Karree am Magdeburger Platz ist rundum eingezäunt.Foto: Nándor Hulverscheidt

Noch versperren nur einzelne Baugitter die Eingänge, doch die etwas verzweifelt wirkende Absperrung wird bald erweitert – zu einem durchgehenden Zaun rund um den gesamten Magdeburger Platz in Tiergarten. „Für meine Mitarbeiter ist es widerwärtig, ständig benutzte Kondome und Ähnliches entfernen zu müssen“, sagt Jürgen Götte vom Grünflächenamt Mitte, nachdem die Grünanlage und auch der Kinderspielplatz am Donnerstag vom Bezirksamt gesperrt worden war.

Pflege statt Kahlschlag

Wenn der neue Zaun steht, werde man den Müll beseitigen und das Grün zurückschneiden, so Götte, allerdings nur im Rahmen der üblichen Herbstpflege ab dem 1. Oktober. Ein deutliches Ausdünnen des Gestrüpps, um geschützte Ecken für Prostitution und Drogenkonsum zu beseitigen, ist nicht geplant, obwohl eine ähnliche Maßnahme bereits am Drogenumschlagplatz Görlitzer Park in Kreuzberg erfolgreich durchgeführt wurde. „Auch der Naturschutz gehört ja zu unseren Aufgaben“, erklärt Götte.

Das teils wild gewachsene Grün in der Anlage bietet Freiern und Junkies einen willkommenen Sichtschutz.
Das teils wild gewachsene Grün in der Anlage bietet Freiern und Junkies einen willkommenen Sichtschutz.Foto: Nándor Hulverscheidt

Das Karree wird gemieden

Viele Anwohner und Familien im Kiez werden die Anlage wohl nicht besonders vermissen. „Seit der Park am Gleisdreieck fertig ist, gehen wir lieber dorthin“, sagt eine Rentnerin mit Kinderwagen. Auch ihre älteren Enkelkinder lasse sie nicht allein vor die Tür. Es scheint, als hätten einige den kleinen Park aufgegeben und wünschten sich nur noch, die Prostituierten nicht bei ihrer nächtlichen Arbeit hören zu müssen.

Um den Park nachts dichtmachen zu können, müsste allerdings erst einmal ein richtiger Zaun her – der aktuelle ist kaum hüfthoch. „Die 30 000 Euro dafür haben wir aber nicht“, sagt Ordnungsstadtrat Carsten Spallek. Auch das nun verhängte Zugangsverbot wird nur schwer durchzusetzen sein. Spallek: „Wir haben zwei bis drei Streifen für ein Gebiet mit 40 000 Einwohnern. Da können sie sich selbst ausrechnen, wie effektiv die Kontrollen sind.“

Nicht jugendfrei - Verschmutzung am Magdeburger Platz
Die Forderungen dieses Hinweisschildes sind den Benutzern des Magdeburger Platzes herzlich egal...Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Nándor Hulverscheidt
24.09.2015 17:20Die Forderungen dieses Hinweisschildes sind den Benutzern des Magdeburger Platzes herzlich egal...

Helfen könnte vielleicht Architektin Ingrid Hermannsdörfer, die beim LKA für bauliche Kriminalprävention zuständig ist. Sie hatte in diesem Jahr mit Kritik an der neu gestalteten Tauentzienstraße zwischen Wittenberg- und Breitscheidplatz für Aufsehen gesorgt: Der Mittelstreifen biete mit Eibenhecken in schrägen Betonbeeten keine Aufenthaltsqualität sondern Tatgelegenheiten – ebenso wie dichter Bewuchs am Magdeburger Platz. Spallek sagt dazu, für bauliche Kriminalprävention brauche es bauliche Veränderungen. Und für die stehen am Magdeburger Platz keine Mittel zur Verfügung.

Unterfinanziertes Grünflächenamt

So blieb den Behörden bisher nur, das Chaos nach Sisyphosart zu beseitigen. „Wir hatten täglich zwei Mitarbeiter im Einsatz, damit war die Grenze aber schon erreicht“, sagt Grünfachmann Götte. „Für dieses Jahr hat man uns Mittel gestrichen, mit denen wir eine private Reinigungsfirma hätten beauftragen können.“ Die Beschäftigten der untersten Lohnstufe habe man entlassen müssen – die höher Besoldeten können nur teilweise für die Müllbeseitigung eingesetzt werden. Die entstandene Lücke lässt sich offensichtlich auch mit dem ehrenamtlichen Engagement vor Ort nicht füllen.

„Dabei finden viele der Frauen die Zustände selbst abstoßend und räumen mal mit uns auf“, sagt Monika Nürnberger von der Frauenberatungsstelle Olga. Auf die Prostituierten zu zeigen sei zwar einfach, löse aber das Problem nicht.

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