Gestohlene Mauerkreuze und das Gorki-Theater : Frank Henkel: Verabscheuungswürdige Tat

Die weißen Mauerkreuze an der Spree wurden wohl auch mit Unterstützung des Maxim-Gorki-Theaters gestohlen. Verabscheuungswürdig sei das, meint Innensenator Frank Henkel. Denn die Freiheit der Kunst dürfe nicht gegen die Würde des Menschen ausgespielt werden. Ein Gastkommentar.

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Das Reichtagsufer - ohne Gedenkkreuze für die Maueropfer.
Das Reichtagsufer - ohne Gedenkkreuze für die Maueropfer.Merle Collet

138 Menschen sind an der Berliner Mauer gestorben. Ihr Freiheitsdrang endete in einem tragisch gescheiterten Wagnis. An einige dieser Schicksale erinnern die weißen Mauerkreuze, die vergangene Woche gestohlen wurden. Diese verabscheuungswürdige Tat erhält nun eine neue Dimension. Denn mittlerweile gibt das Maxim-Gorki-Theater zu, die Aktion unterstützt zu haben, auch wenn das Ausmaß noch nicht ganz klar ist.

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Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber  die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.
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1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...

Darf ein Theater Komplize sein, wenn es um die Entehrung von Mauertoten geht? Kann sich eine Intendantin hinter dem Kunstbegriff verstecken, wenn sich am Opfergedenken versündigt wird? Nein. Die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Kunst darf nicht gegen die unantastbare Würde des Menschen ausgespielt werden. Dass ein Berliner Theater die Würde der Toten und die Geschichte unserer Stadt so mit Füßen tritt, hätte ich vor wenigen Tagen noch für undenkbar gehalten. Besonders bitter ist, dass diese Komplizenschaft offenbar mit Steuergeldern gefördert worden ist. Die Rolle des Maxim-Gorki-Theaters muss dringend aufgeklärt werden.

Der Autor ist Innensenator von Berlin.