Gestohlener Leichentransporter : Überführung der gestohlenen Leichen aus Polen wird kompliziert

26.10.2012 15:39 UhrVon Klaus-Dieter Steyer
  • Am Dienstag wurde der Prozess gegen die mutmaßlichen Leichenwagen-Diebe Maks S., Rafal K. und Radoslaw B. in Poznan eröffnet. Foto: dpa
    Am Dienstag wurde der Prozess gegen die mutmaßlichen Leichenwagen-Diebe Maks S., Rafal K. und Radoslaw B. in Poznan eröffnet. - Foto: dpa
  • Der Angeklagte Radoslaw B. wird beschuldigt, zusammen mit mehreren Mittätern im Oktober vergangenen Jahres einen Leichentransporter in Hoppegarten, östlich von Berlin, gestohlen zu haben. Foto: dpa
    Der Angeklagte Radoslaw B. wird beschuldigt, zusammen mit mehreren Mittätern im Oktober vergangenen Jahres einen Leichentransporter in Hoppegarten, östlich von Berlin, gestohlen zu... - Foto: dpa
  • Maks S. auf der Anklagebank. Die zwölf Särge entdeckten Polizisten eine Woche nach dem Diebstahl in einem Waldgrundstück nahe Posen. Foto: dpa
    Maks S. auf der Anklagebank. Die zwölf Särge entdeckten Polizisten eine Woche nach dem Diebstahl in einem Waldgrundstück nahe Posen. - Foto: dpa

Update Nachdem die zwölf verschwundenen Leichen in Polen wiedergefunden wurden, währte das Aufatmen der Angehörigen nur kurz: Auf die Familien und die Bestattungsinstitute kommen nun eine ganze Menge Formalitäten zu. Und zwei verdächtige Diebe sind noch auf der Flucht.

Für die Angehörigen ist noch kein Ende des Dramas und die vor fast zwei Wochen in Hoppegarten gestohlenen und in Polen aufgefundenen zwölf Leichen in Sicht. Auf die Familien und die von ihnen beauftragten Bestattungsinstitute kommen noch zahlreiche Formalitäten zu.

So will die Staatsanwaltschaft in Posen, rund 300 Kilometer östlich Berlins gelegen, einen Nachweis über die Todesursachen der acht aus Berlin und vier aus Brandenburg stammenden Personen. Das schreibt die im Nachbarland geltende Seuchenverordnung vor, damit keine Keime eingeschleppt und verbreitet werden.

Die polnische Seite verlangt für den Transport zudem fest verschließbare Metallsärge, während die Leichen im Transporter in Holzsärgen lagen.

„Wir können nicht einfach nach Polen fahren und die zwölf Särge zurückholen“, bestätigte der Sprecher der Sonderkommission „Grenze“ der Brandenburger Polizei, Jens Starigk. „Da müssen Formalitäten eingehalten werden, die ihre Zeit brauchen.“ Die Polizei biete den Familien Hilfe an, aber im Mittelpunkt stehe die Beweisführung im Diebstahlsfall.

Die Leichen befanden sich in einem von drei Transportern, die in der Nacht zum 15.Oktober in einem Gewerbegebiet in Hoppegarten am östlichen Berliner Stadtrand gestohlen worden waren. Der Wagen gehörte einem Fahrdienst, der im Auftrag mehrerer Bestattungsunternehmen regelmäßig Leichen in andere Krematorien fährt. Im Laderaum des Fahrzeugs, das äußerlich nicht als Leichenwagen zu erkennen war, befanden sich die zwölf Särge, die am Morgen ins Krematorium nach Meißen gebracht werden sollten.

Zwei Tage später tauchte eines der gestohlenen Fahrzeug im Raum Posen auf. Die polnische Polizei startete daraufhin eine intensive Suchaktion, die zur Festnahme von drei Verdächtigen führte. Weitere zwei Diebe sind noch nicht gefasst. Spaziergänger entdeckten in einem 85 Kilometer von Posen entfernten Wald schließlich die Särge. Die Identifizierung ist inzwischen abgeschlossen. Es bestehen keine Zweifel, dass es sich bei den gefundenen Toten um die in Hoppegarten gestohlenen Leichen handelt.

„Die Hinterbliebenen müssen sich jetzt an ihre Bestattungsunternehmen wenden, damit diese sich um den Rücktransport kümmern“, erklärte Polizeisprecher Starigk. „Die geschlossenen Verträge regeln auch die finanziellen Fragen.“ Das sei ausschließlich eine zivilrechtliche Angelegenheit. Derzeit befinden sich die sterblichen Überreste in einem Kühlraum in Polen.

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