Gesundheit : Jeder zweite Sechsjährige hat Karies

Die Lage bei zwölfjährigen Schülern ist aber schon deutlich besser. In der Hauptstadt fehlen den Zahnärztlichen Diensten immer noch Mediziner.

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Berlin fällt in der Zahngesundheit durch. Zu viele Kinder haben schlechte Zähne. Foto: dpa
Berlin fällt in der Zahngesundheit durch. Zu viele Kinder haben schlechte Zähne.Foto: dpa

Die Zähne von Berliner Kindern sind zwar vergleichsweise gesund – gerade bei Sechsjährigen aber gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf. Und auch insgesamt ist Karies in den vergangenen zwei Jahren nicht zurückgegangen. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) stellte am Dienstag aktuelle Zahlen in der Kita „Löwenzahn“ in Kreuzberg vor. Sie zeigen: Der Trend der vergangenen 20 Jahre, wonach Kinderzähne immer gesünder wurden, stoppte 2009. Unter den 2010 und 2011 von den Zahnärztlichen Diensten (ZÄD) der Bezirke 191 000 untersuchten Kindern hatten fast 33 000 Zahnbehandlungen wegen Karies, knapp 49 500 Kindern steht ein solcher Eingriff bevor. Von den untersuchten Dreijährigen hatten schon 16 Prozent Zähne, die behandelt werden mussten. Und nur 51 Prozent der Sechsjährigen hatten ein kariesfreies Milchgebiss. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält aber 80 Prozent für angemessen.

Senator Czaja sagte, er erhoffe sich durch den 2009 eingeführten Kinderzahnpass eine Verbesserung. Dieser wird mit dem Vorsorgeheft bei Geburt verteilt und dient den Eltern als Wegweiser zu Vorsorgeuntersuchungen. In Grundschulen und Kitas soll verstärkt über richtige Ernährung und Zähneputzen gesprochen werden. Im Schuljahr 2010/2011 wurden so 230 000 Kinder und Jugendliche in Berlin erreicht.

Im Schnitt hätten Kinder hierzulande aber gute Zähne, sagte Dietmar Oesterreich, der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer: „Bei den Zwölfjährigen sind wir Spitze.“ Wie Czaja wies Oesterreich daraufhin, dass viele Eltern die Pflege der Milchzähne nicht so sehr verfolgten wie die der nachwachsenden. Im Alter von sechs Jahren fallen Milchzähne ohnehin aus.

Bei den Zahlen der ZÄD ist zu beachten, dass deren Dentisten meist Einrichtungen in schwierigen sozialen Lagen besuchen. In einkommensschwächeren Kiezen wird weniger stark auf Vorsorge geachtet. In Neukölln und Lichtenberg ist der Anteil der Kinder, die behandlungsbedürftige Zähne haben, höher als in Steglitz oder Pankow.

Problematisch wird aber auch die Personalausstattung der ZÄD gesehen: Mindestens fünf Vollzeitzahnärzte fehlen, zumindest wenn man die einst getroffenen Personalempfehlungen als Maßstab nimmt. Czaja will nun weitere Zahnärzte für die Bezirksämter finden, insgesamt sollen 32 Vollzeitstellen besetzt sein. „Die Herausforderung liegt jedoch weniger in der Finanzierung, sondern darin, qualifiziertes Personal für diese Stellen zu finden“, sagte Czaja. Ob die Zahnärzte des ZÄD weniger gut verdienen als freiberufliche Zahnärzte, bestätigten Berufsverbände aber nicht.Hannes Heine

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