Gewalt im Berliner Amateurfußball : Foulspiel mit Messer

Der Abbruch des Bezirksliga-Spitzenspiels zwischen 1. FC Schöneberg und Galatasaray Spandau war keine Ausnahme: Allein am letzten Wochenende wurden sechs Spiele vorzeitig beendet.

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Ruhig bleiben. Im Amateurfußball kommt es besonders auf den Schiedsrichter an – oft kann aber auch der nicht mehr schlichten. Foto: dpa
Ruhig bleiben. Im Amateurfußball kommt es besonders auf den Schiedsrichter an – oft kann aber auch der nicht mehr schlichten....Foto: picture alliance / dpa

Eigentlich war alles gelaufen im sonntäglichen Spitzenspiel der Bezirksliga Berlin, Staffel Eins. Es war die sechste Minute der Nachspielzeit, der Gastgeber und Tabellendritte 1. FC Schöneberg hatte gerade gegen Tabellenführer Galatasaray Spandau zum 2:0 getroffen. Die Schöneberger hätten bis auf einen Punkt zu den Spandauern aufschließen können.

Dann stürmte ein Teil der etwa fünfzig Zuschauer den Sportplatz am Vorarlberger Damm, es kam zur gefürchteten Rudelbildung, eine Schlägerei unter Spielern beider Vereine und Zuschauern brach aus. Mehrere Menschen wurden durch Schläge verletzt, auch ein Messer wurde gezückt.

Dem Schiedsrichter blieb keine andere Wahl: Er brach die Partie ab und rief die Polizei. Fünfzig Beamte waren nötig, um die Lage zu beruhigen. Neun Strafanzeigen wurden gestellt, eine Person wurde mit Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Sechs Spielabbrüche an einem Wochenende

Es war nicht der einzige Spielabbruch im Berliner Amateurfußball an diesem Wochenende. Fünf Spiele im Herrenbereich und ein Spiel von A-Jugendlichen mussten vom Schiedsrichter beendet werden. Wegen Schlägereien oder weil sich eine Mannschaft schlichtweg weigerte, wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung weiterzuspielen. Beteiligt waren Vereine aus dem Märkischen Viertel, Frohnau, Charlottenburg, Neukölln und Lankwitz – sogar das Spiel eines Seniorenteams von Hertha BSC gegen Stern Britz wurde abgebrochen, weil die Spieler einfach den Platz verließen.

„Dieser Spieltag war ein Ausreißer, in dieser Zahl kommt das sonst nicht vor“, sagt Kevin Langner, Sprecher des Berliner Fußball-Verbands. Das Problem ist seit Jahren bekannt, allerdings recht überschaubar: Seit Saisonbeginn im letzten Sommer verzeichnete der Verband 63 Spielabbrüche – bei bisher 25.000 absolvierten Partien.

"Schwarze Liste" für gewalttätige Spieler

Nach jedem Abbruch leitet der Fußballverband eine interne Untersuchung ein. Die Vereine müssen sich binnen Wochenfrist schriftlich zum Vorfall äußern, der Schiedsrichter wird gesondert befragt. Das Sportgericht rekonstruiert den Fall anhand der Aussagen der Beteiligten, versucht Auslöser und Rädelsführer zu identifizieren und sanktioniert gegebenenfalls Täter und Vereine. Die Strafen reichen von Geldbußen über zusätzliche Sicherheitsauflagen bis hin zu Platzsperren.

Spieler, die wegen gravierender Gewalttaten auf dem Sportplatz auffallen, kommen nach Angaben des Verbandssprechers auf eine „Schwarze Liste“ und werden landes- oder sogar deutschlandweit vom Vereinsfußball ausgeschlossen. Im Idealfall fällt das Sportgericht sein Urteil innerhalb von zwei Wochen – nicht einfach bei einem Gremium, das ausschließlich mit Ehrenamtlichen besetzt ist. „Bis dahin gilt für die Spieler die Unschuldsvermutung“, sagt Langner – es ist also nicht unwahrscheinlich, dass die Schläger vom Sonntag nächstes Wochenende wieder auf dem Feld stehen.

Fußballverband sieht Vereine in der Mitverantwortung

Sanktionen gegen Vereine und Spieler sind möglich – Zuschauer, die bei den Auseinandersetzungen oft eine unrühmliche Rolle spielen, können dagegen nur über das Hausrecht der Heimvereine ausgeschlossen werden. Auch in Schöneberg sollen Spieler und Schiedsrichter vom Rand des Felds aus provoziert worden sein.

Zwar wird jeder Unparteiische während des Schiedsrichterlehrgangs in Konfliktbewältigung geschult – sie sind jedoch angehalten, nur über die Mannschaftskapitäne Einfluss auf das Publikum zu nehmen. Die Zahl der Zuschauer ist in niedrigen Ligen sehr überschaubar, aggressive Fans sind den Vereinsverantwortlichen meist bekannt. „Das Problem kann nur mit den Vereinen gelöst werden“, sagt Verbandssprecher Langner.

Bei der abgebrochenen Partie vom Sonntag hatte der 1. FC Schöneberg sogar extra einige Ordner gestellt, weil es schon im Hinspiel zu Auseinandersetzungen gekommen war. Als die Fäuste flogen, waren auch sie machtlos.

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