Gewalt in der Prignitz : Rechter Mob stürmt Jugendwohnheim

Eine siebenköpfige Gruppe soll in der Prignitz ein Jugendwohnheim gestürmt und Bewohner verletzt haben. Ein mutmaßlicher Täter hat angeblich den Hitlergruß gezeigt.

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Frehne - Nach einem Angriff auf ein Jugendwohnheim in der Prignitz am Dienstag ermittelt der Staatsschutz wegen eines möglicherweise fremdenfeindlichen Hintergrunds. Der Heimleitung zufolge soll eine zehnköpfige Gruppe aus Jugendlichen und Erwachsenen die Unterkunft im Ort Frehne, in der Jugendliche verschiedener Nationalitäten leben, gestürmt und die Bewohner mit Bierflaschen bedroht haben. Zudem sollen Angreifer sich fremdenfeindlich geäußert und den Hitlergruß gezeigt haben. Zwei Heimbewohner, darunter ein Deutschtürke, sollen verletzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin bestätigte den Vorfall, wollte sich aber zu Einzelheiten am Mittwoch nicht äußern.

Nach Tagesspiegel-Informationen wurden bereits sieben Beschuldigte von der Polizei vernommen. Alle stammen aus dem Ort, hieß es. Der Hintergrund ist bislang aber unklar. Jedoch sollen die Angreifer explizit nach dem Deutschtürken gefragt haben. Michael Arbogast, Heimleiter und Vorstandsvorsitzender des Trägervereins „Kinder und Jugendhilfe ohne Grenzen“, geht zwar von einem Zwist unter Jugendlichen aus, betonte aber am Mittwoch, dass die Einrichtung bereits häufiger Ziel rechter Anfeindungen gewesen sei. Am Dienstag hätten gegen 17.45 Uhr zunächst drei Jugendliche erfolglos versucht, sich Zugang zum Heim zu verschaffen. Wenig später seien sie dann in einer rund zehnköpfigen Gruppe zurückgekommen und hätten das Haus regelrecht gestürmt. Sowohl er selbst als auch andere Bewohner seien mit Bierflaschen bedroht und durch Schläge verletzt worden. Dem Deutschtürken sei der kleine Finger der rechten Hand aus der Gelenkkapsel gerissen worden, ein 17-jähriger deutscher Heimbewohner sei am Knie verletzt worden. Einem dunkelhäutigem Bewohner habe einer der Täter zudem zugerufen: „So etwas würden wir vergasen“ und den Hitlergruß gezeigt, so Arbogast.

Laut dem am Mittwoch in Potsdam vorgestellten Verfassungsschutzbericht des Landes wächst die gewaltbereite Neonaziszene im Land. Die Kameradschaften hätten weiter Zulauf, berichtete Innenminister Dietmar Woidke (SPD). Mit inzwischen rund 430 Mitgliedern gegenüber 410 noch im Jahr 2011 seien sie erstmals das stärkste Segment des Rechtsextremismus in Brandenburg. Matthias Matern

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