Gleichstellung : Bürgermeister plant Sporthalle nur für Frauen

Marzahn-Hellersdorf will mit einer ungewöhnlichen Idee das Angebot für Freizeitsportlerinnen verbessern: Der Bezirk plant eine Turnhalle, die allein von Frauen gemutzt werden darf. Der Plan hat nachvollziehbare Gründe.

Frische Idee im Neubaubezirk. Marzahn-Hellersdorf will das Sportangebot für Frauen verbessern
Frische Idee im Neubaubezirk. Marzahn-Hellersdorf will das Sportangebot für Frauen verbessernFoto: Thilo Rückes

Ist es der Siebziger-Jahre-Charme der Duschen und Umkleiden? Der Hauch von Gummimatten-Muff und altem Männerschweiß? Oder die Tatsache, dass der Volleyballkurs für Anfänger nur am Donnerstag von 18 bis 20 Uhr, nicht aber zu anderen Zeiten in der Woche angeboten wird? „Warum nur relativ wenig Frauen die Angebote klassischer Sportvereine nutzen, können wir nur vermuten. Aber wir wollen Abhilfe schaffen“, sagt Stefan Komoß (SPD), Bezirksbürgermeister und Sportstadtrat von Marzahn-Hellersdorf. Daher plant der 47-Jährige in seinem Bezirk für 2013 eine Sporthalle ausschließlich für Mädchen und Frauen; das Angebot ist für Frauen aus Berlin gedacht.

2012 soll in Zusammenarbeit mit dem Büro der Frauenbeauftragten des Bezirks die Planung erfolgen, die möglichst alle wichtigen Bedürfnisse weiblicher Sportinteressierter berücksichtigen soll. Dafür beginnt ab Ende Januar auf der Internetseite des Bezirksamts eine öffentliche Umfrage.

Der Hintergrund der laut Komoß in Berlin bisher einzigartigen Idee: Nur rund ein Drittel der Mitglieder der rund 90 Sportvereine in Marzahn-Hellersdorf sind Frauen, wohingegen Frauen in den meisten Fitnessstudios überrepräsentiert sind. „Wir wollen herausfinden, woran das liegt und ein bedarfsgerechtes Angebot schaffen“, sagt Komoß. Das könne sich auf die Sanitär- und Inneneinrichtungen, das sportliche Angebot und flexible Trainingszeiten beziehen. Nach einem ersten Gespräch mit Vereinsvertreterinnen im Sportausschuss habe sich auf jeden Fall abgezeichnet, dass ein Fitnessbereich mit Laufbändern, Hanteln und Bodenmatten nicht fehlen dürfe. Auch die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln müsse gewährleistet sein.

Voraussichtlich soll für das Projekt keine neue Sporthalle gebaut, sondern eine der bereits existierenden 80 Hallen des Bezirks umgebaut werden. „So bleiben immer noch 79 Sporthallen für Männer“, sagt Komoß und will möglichen Gegnern der Idee frühzeitig den Wind aus den Segeln nehmen: „Rein theoretisch kann man auf Gender-Ebene natürlich darüber diskutieren, ob so ein Angebot moralisch zu rechtfertigen ist.“ Aber die Realität zeige nun mal, dass Handlungsbedarf bestehe. Die Mittel für den „Millionenaufwand“, sagt der Sportstadtrat, könnten aus verschiedenen Quellen kommen: Aus baulichen Unterhaltsmitteln des Bezirksamts sowie aus Landessonderprogrammen wie den „Aktionsräumen Plus“ und dem „Stadtumbau Ost“. Der Betreiber der neuen Halle müsste ein bestehender oder neu zu gründender anerkannter Sportverein sein. Nur so wäre den Frauen eine preiswerte oder kostenlose Nutzung der Sportangebote möglich.

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