Go-Spieler in Berlin : Seine Welt ist schwarz-weiß

Go ist ein asiatisches Brettspiel, das auch in Berlin sehr Beliebt ist. Der Kreuzberger Johannes Obenaus will Profi werden. Am Wochenende traf sich die Szene zum Turnier in Tiergarten - und kämpfte mit den besten Europas.

Philip Barnstorf
Go, Berlin! Johannes Obenaus ist Berliner Meister in dem asiatischen Brettspiel. Mit den Besten der Welt kann der 23-Jährige aber noch nicht mithalten.
Go, Berlin! Johannes Obenaus ist Berliner Meister in dem asiatischen Brettspiel. Mit den Besten der Welt kann der 23-Jährige aber...Foto: Sven Darmer/DAVIDS

Stein um Stein setzt Johannes Obenaus auf das Holzbrett vor ihm. „Bedächtig spielen und geduldig auf eine Chance warten.“ So beschreibt Obenaus seinen Spielstil beim Go, einem vor allem in Japan, Korea und China beliebten Brettspiel. Seit elf Jahren spielt der Kreuzberger schon Go. Inzwischen ist der 23-Jährige Berliner Meister und belegte 2012 den zweiten Platz bei der Deutschen Meisterschaft. An diesem Wochenende aber geht es um viel mehr. Der Mathematikstudent tritt beim „China Cup“ im Chinesischen Kulturzentrum in Tiergarten gegen mehr als 100 Spieler aus verschiedenen Ländern an. Es geht um bis zu 1000 Euro Preisgeld. „Da spielen einige sehr starke Koreaner mit“, sagt Obenaus. „Die werden den Sieg wahrscheinlich unter sich ausmachen.“ Er wäre zufrieden, wenn er bei der Siegerehrung am Montag einen Platz unter den zehn Besten erreicht hätte.

Go kann man nur zu zweit spielen. 19 vertikale und 19 horizontale Linien ergeben 371 Schnittpunkte auf dem Spielbrett. Beide Spieler setzen abwechselnd einen weißen beziehungsweise schwarzen etwa münzgroßen Stein auf einen der Schnittpunkte. Dabei kommt es darauf an, die eigenen Steine so zu platzieren, dass sie mehr Gebiet auf dem Spielbrett einschließen als die des Gegners. Wichtig sei eine Mischung aus Aggressivität und Warten auf den richtigen Moment, sagt Obenaus, „Man darf keine Angst vor Kämpfen haben. Aber wer zu aggressiv spielt, kann schnell alles verlieren.“ Dieses Verständnis des Spiels hat Obenaus bei seinen zwei Reisen nach Japan gelernt – und von seinem früheren Lehrer, Hans-Karl Balduin.

Balduin kümmert sich um die Jugendarbeit im Go-Verband Berlin, der den „China Cup“ veranstaltet. Im Go gehe es um ein „sich entwickelndes Gleichgewicht der Kräfte und nicht einen schnellen Alles-oder-Nichts-Sieg“, sagt der 50-Jährige. Vor elf Jahren kam sein heute bester Schüler Obenaus zum ersten Mal zu Balduins Unterricht in die Kreuzberger Martha-Gemeinde. Montag, Mittwoch und Freitag lernen dort Kinder, aber auch Erwachsene das Brettspiel. Ab und zu unterrichtet hier auch Johannes Obenaus. Er spielt inzwischen viel besser als sein Lehrer, aber die beiden arbeiten nach wie vor zusammen – etwa bei der Organisation der vielen Spieleabende. „In Berlin kann man fast jeden Abend irgendwo Go spielen“, sagt Balduin und ist ziemlich stolz darauf.

Neben Obenaus und Balduin sitzen ein paar ältere Herren am Tisch und sehen sich die Übertragung einer Turnierpartie im Internet an. Gerade messen sich acht der besten europäischen Amateure mit vier in China zu Profis ausgebildeten europäischen Go-Spielern im Grand-Slam- Turnier, das von der European Go Federation parallel zum „China Cup“ im chinesischen Kulturzentrum ausgerichtet wird. Churchill habe wie ein Go-Spieler gedacht, sagt einer der Senioren. Die vier reden über charakterliche Bildung durch Go und unterschätzte Spielzüge.

Einer von ihnen ist Günter Cießow, „ein Stück Berliner Go-Historie“ nennt Balduin ihn. Cießow ist 81 Jahre alt und hat noch bei Felix Dueball gelernt. Der Schachspieler gründete in den 1920er Jahren die erste Go-Gruppe in Berlin. „Anfangs waren es nur 30 Mitglieder“, erzählt Cießow, „aber die Go-Gemeinde wuchs schnell, auch weil sie von den Nazis unterstützt wurde. Die wollten die Kultur ihrer japanischen Bündnispartner fördern.“ Cießow wurde einer der erfolgreichsten Berliner Go-Spieler, gewann 1960 die Europameisterschaft und ist bis heute Mitglied im Go-Verband Berlin. Der Verein hat heute 270 Mitglieder und vertritt damit mehr als zehn Prozent der etwa 2200 deutschen Go-Spieler.

Obenaus denkt derweil schon an seine nächste Partie. „Bei Turnieren stehe ich schon unter Druck“, sagt er, und an diesem Wochenende geht es für Obenaus um besonders viel. Er will im Sommer drei Monate in einer Go-Schule in Peking lernen. Aber für eine Chance auf ein Stipendium der European Go Federation muss er gute Turniere spielen. Die erste Partie gegen Robert Jasiek hat er am Sonnabend zwar verloren. Aber im „China Cup“ werden bis Montag noch sechs Runden gespielt.

Informationen zu Spieleabenden und Schnupperkursen gibt es unter: www.govb.de

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