Görlitzer Park: Drogenumschlagplatz in Berlin : Kiez-Aktivisten fühlen sich bedroht

Kürzlich brannten vier Autos, nun gibt es ein Bekennerschreiben: Darin wird gegen Anwohner gehetzt, die sich für mehr Sicherheit einsetzen. Eine Anwohnerinitiative hatte sich zuvor gegen den Görlitzer Park als Drogenumschlagplatz formiert.

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Nicht schön, aber selten: Der Görlitzer Park in Kreuzberg. Treffpunkt für Familien, Studenten - und Drogendealer. Foto: Sylvia Vogt
Nicht schön, aber selten: Der Görlitzer Park in Kreuzberg. Treffpunkt für Familien, Studenten - und Drogendealer.Foto: Sylvia Vogt

Der Konflikt im Görlitzer Park erreicht eine neue Qualität. In der Nacht zu Montag wurden Brände an vier älteren Fahrzeugen in der Görlitzer Straße gelegt, die Autos brannten vollständig aus. Zunächst ging die Polizei nicht davon aus, dass die Taten einen politischen Hintergrund haben. Am Montagnachmittag tauchte aber ein anonymes Bekennerschreiben auf der von linken Aktivisten genutzten Internetplattform linksunten.indymedia.org auf. Der oder die Verfasser übernehmen die Verantwortung für die Brandattacken. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

"Kreuzberg: Feuer gegen rassistischen Bürgermob"

Das Schreiben hat den martialischen Titel: „Kreuzberg: Feuer gegen rassistischen Bürgermob.“ Wie berichtet, beschweren sich seit einiger Zeit Anwohner und Parkbesucher über den Drogenhandel im Park. Eine große Razzia der Polizei fand in der letzten Woche statt. Die Verfasser schreiben, dunkelhäutige Menschen im Park würden „als Dealer pauschalisiert, die sogar Kinder belästigen würden“. Kunden der Dealer seien auch Mitglieder der „jetzt Stimmung machenden Mittelschicht“. Diese „weiße Mittelschicht sei, so das Fazit der Autoren, als „rassistischer Bürgermob“ zu betrachten, deren Autos man nun angezündet habe. Dabei spiele der „Wert der Autos“ keine Rolle.

Der Görlitzer Park in Kreuzberg
Der Görlitzer Park: An schönen Tagen ist der Park mitten in Kreuzberg sehr belebt. Foto: dapdAlle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: dapd
31.05.2012 15:50Der Görlitzer Park: An schönen Tagen ist der Park mitten in Kreuzberg sehr belebt.

Ob der oder die Verfasser auch für den Brandanschlag verantwortlich sind, wird noch ermittelt. Bei Indymedia können Beiträge anonym und ohne vorherige redaktionelle Prüfung veröffentlicht werden. Das Schreiben kann also durchaus von einem Trittbrettfahrer stammen, der die Auseinandersetzung noch weiter anheizen möchte. Das Schreiben wurde von den Nutzern der Plattform sehr ablehnend kommentiert, von manchen Kommentatoren im Forum wird die Echtheit des Bekennerschreibens angezweifelt. Die Wirkung aber auf die Menschen vor Ort ist real.

Anfeindungen gegen Aktivisten

Im Fokus der Verfasser stehen die Anwohner, die sich gegen die Entwicklungen im Görlitzer Park positionieren. Dezidiert genannt werden die Initiative „Unser Görli – einer für alle“ und die Betreiber des Caférestaurants „Edelweiss“, welches sich im Görlitzer Park befindet. Die Frau des Betreibers, Katrin Jacob, hatte sich zuletzt öffentlich gegen den Drogenhandel im Park ausgesprochen und war deshalb tätlich angegangen worden. Als sie am Montag einen Spaziergang durch den Park machte, wurde sie nach eigener Aussage von einer Frau als „Rassistin“ beschimpft.

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