Görlitzer Park : Kreuzberger wollen Gras zum Ausruhen – nicht zum Rauchen

Der Görlitzer Park verwahrlost immer mehr. Müll und Dealer sind ein Problem. Nun suchten Anwohner und Verwaltung Lösungen bei einem "Kiezgespräch".

Matthias Jekosch,Jan Oberländer
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Müll im Görlitzer Park. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Es ist kein schöner Anblick. Ganze Großfamilien haben hier offensichtlich Grillwürstchen gebrutzelt – und einen Müllberg aus Plastiktellern und Essensresten hinterlassen. Krähen zerren die Abfälle aus überquellenden Papierkörben und verteilen sie im Park. Der Görlitzer Park ist verdreckt. Obendrein machen manche hier ihre schmutzigen Deals: Hinter dem seit Jahren gesperrten Pamukkale-Brunnen sitzen ein paar Männer. Deutsch scheinen sie nicht zu sprechen, aber das Wort „Gras“ haben sie gelernt. Ganz offen versuchen sie, Drogen zu verkaufen.

„Es ist Zeit, ein Signal zu senden“, findet Yolanda Arias vom Quartiersbüro im Wrangelkiez. Deswegen hat der Quartiersbeirat ein Kiezgespräch zum Görlitzer Park organisiert. Zum Treffen am Sonnabend auf der Platte vor dem Park-Café „Edelweiss“ kamen etwa 100 Anwohner, Vertreter der Polizei, die parteilose Baustadträtin Jutta Kalepky, der Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten Peter Beckers (SPD) und Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne).

Störer waren nicht da – auch wenn im Vorfeld eine gefälschte Einladung kursierte. Auf den Flugzetteln wurde im Namen des Bezirksamts nicht nur „Dreck und Drogen“, sondern auch „Punks“ und „Pennern“ der Kampf angesagt. Die Verfasser forderten die Einrichtung einer Bürgerwehr, Videoüberwachung und die nächtliche Schließung des Parks.

Von solchen Ideen distanzierten sich die Initiatoren des Kiezgesprächs. Man wollte Ideen sammeln, die Anwohner informieren und, ganz wichtig, miteinander ins Gespräch kommen. Zwei Stunden leidenschaftliche Diskussion, etwa zum Thema Müll: Bisher reinigt eine private Firma den Park zwei Mal die Woche. Das ist zu wenig, und die Nutzer sind genervt. Baustadträtin Kalepky führte finanzielle Schwierigkeiten und komplizierte Zuständigkeiten an. Allerdings soll es jetzt einen zusätzlichen Reinigungsgang am Samstag geben. Zudem will sie im nächsten Haushalt Geld für „krähensichere“ Mülleimer unterbringen. Die von den Anwohnern gewünschte Beleuchtung bestimmter Wegstrecken scheint schwieriger zu realisieren, weil mit einer Beleuchtung auch eine – teure – Verpflichtung zum Winterdienst einhergeht. Man versuche aber, eine Sonderregelung auszuhandeln, sagt Kalepky. Dem Park mit seinen vielen befestigten Flächen setzt im Sommer die Trockenheit zu, stellenweise ähnelt er einer Mondlandschaft mit kahlen Stellen oder eingegrabenen Kohleresten. Dass er viel zu viele Besucher hat, macht die Sache nicht besser. Irgendwo müssen die Kiezbewohner ja hin. „Der Anteil an Grünflächen ist gering im Vergleich zu anderen Bezirken“, erklärt Kalepky. Sie hofft, die Sanierung des Gartendenkmals Luisenstädtischer Kanal zwischen Spree und Landwehrkanal könnte für etwas Entlastung sorgen. Aber das Grillen ist dort nicht möglich und die Identifikation mit dem „Görli“ ist hoch im Kiez.

Er ist durch das Engagement von Anwohnern erst entstanden. Eine von ihnen, Irmgard Klette, erhielt das Bundesverdienstkreuz für ihren Einsatz. Darauf, dass Anwohner sich verantwortlich fühlen für den Park, baut auch Kalepky. „Die soziale Kontrolle ist ganz wichtig.“

Das Publikum beim Kiezgespräch jedenfalls forderte den „mündigen Bürger“. Und zeigte zugleich, dass man nicht untätig zusehen will, wie ihr Park verkommt. Mehrere Initiativen wollen die Aufenthaltsqualität im „Görli“ steigern. Da ist etwa der Spielwagen von Volker Hedemann, der mehrmals wöchentlich mit Spielzeug und Pädagogen für Kinder und Jugendliche da ist. Da ist der Boule-Platz, den „Edelweiss“-Betreiber Fred Jacob nicht nur anlegen, sondern auch warten will. Und mit „Cleaner-Greener-Berliner“ haben Marion Bühl und Thorsten Trede eine Umweltgruppe gegründet, die Müll sammelt und Aktionen plant, um das „Eigenverantwortungsgefühl“ der Parknutzer zu steigern. Am Sonnabend, 12. Juli, treffen sie sich zum ersten Mal in Fred Jacobs’ Café.

Und die Dealer? „Man wird ständig angemacht. Sogar Kinder wurden schon angesprochen“, sagt Arias. Die Polizei bestätigt, dass der Park seit Jahren als Handelsplatz für weiche Drogen, hauptsächlich Marihuana, bekannt ist. Es würden auch regelmäßig Streifengänge durchgeführt. Leider, so der Kripo-Vertreter beim Kiezgespräch, sei es schwierig, die Dealer von der Straße zu holen, weil der komplette Verkaufsvorgang beweiskräftig dokumentiert werden müsse, vom Drogenbunker im Gebüsch bis zum Kunden. Das sei der Polizei oft nicht möglich. Auch hier sollen es wohl die Anwohner richten. Die Bevölkerung, hieß es, sei aufgerufen, die Augen offen zu halten.

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