Gottesdienst in Zwölf-Apostel-Kirche : Ökumene mit ungewöhnlichen Katholiken

In der Zwölf-Apostel-Kirche feierten Altkatholiken gemeinsam mit Protestanten zu Ostermontag ein gemeinsames Abendmahl. Im Gegensatz zu den Römisch-Katholischen, dürfen bei Altkatholiken auch Frauen Priester werden und Schwule werden gesegnet. Ein Gottesdienstbesuch.

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Foto: dpa/ Maurizio Gambarini
Foto: dpa/ Maurizio Gambarini

Wer am Ostermontag in den Gottesdienst der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde wollte, wurde zunächst mit sozialer Realität konfrontiert: Auf dem kurzen Stück zwischen U-Bahnhof Kurfürstenstraße und dem Eingang des Gotteshauses sahen die dort postierten Prostituierten im Kirchgänger die vielleicht letzte Chance eines Geschäfts an diesem Tag. Da wirkte schon der Eingang in das nüchterne, ruhig gestaltete Gotteshaus irgendwie erlösend.

Doch alles, was draußen vor der Kirchentür geschah, war vergessen, als Bruder Franziskus und Dekan Ulf-Martin Schmidt ganz in Weiß gekleidet und weihrauchschwenkend in die evangelische Kirche einzogen. Weihrauchschwenkend? Es war kein normaler evangelischer Gottesdienst, der da am Ostermontag in Schöneberg stattfand. Gefeiert wurde eine ökumenische Eucharistie mit den Katholiken der Altkatholischen Gemeinde zu Berlin.

Wie in der Heiligen Messe der Katholiken üblich, umschritt Dekan Schmidt mit dem Weihrauchfass den Altar. Und zu Beginn des Gottesdienstes küssten beide Zelebranten den Altar. Denn die altkatholische Kirche ist eine katholische Kirche: Aus Protest gegen das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes spalteten sich die Altkatholiken im 19. Jahrhundert von der römisch-katholischen Kirche ab.

Seitdem entwickelte sich ihre Kirche in eine andere Richtung weiter: Altkatholische Geistliche dürfen heiraten, es gibt Priesterinnen, gleichgeschlechtliche Paare werden gesegnet. Und mit den evangelischen Landeskirchen gibt es eine wechselseitige Einladung zu Eucharistie und Abendmahl – was am Montag in der Zwölf-Apostel-Kirche dann auch in die Praxis umgesetzt wurde.

Zuvor allerdings erinnerte Bruder Franziskus vom evangelischen Rogate-Kloster in seiner Predigt an die Geschichte der Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus dem auferstandenen Jesus begegneten. Die Auferstehung hätten sie zunächst nicht begreifen können. Erst beim Abendmahl hätten sie gemerkt, wen sie vor sich hätten. „Jesus bricht mit ihnen das Brot ... das Vertraute wird jetzt sichtbar.“ So sei es auch heute: Egal, was Menschen theologisch über das Abendmahl dächten: „Uns verbindet die Form, die Sehnsucht und die Freude, dass wir gemeinsam etwas Heiliges tun.“

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