Großstadtnatur : Wühlarbeit auf der Wiese

Wildschweine verheeren den königlichen Rasen am Schloss Babelsberg. Auch Biber wildern in den Parks der Region – und nagen an alten Bäumen.

Holger Catenhusen
Mahlzeit. Wildschweine besuchen gerne die Stadt, um nach Essensresten zu suchen oder nach Eicheln zu graben.
Mahlzeit. Wildschweine besuchen gerne die Stadt, um nach Essensresten zu suchen oder nach Eicheln zu graben.Foto: dpa

Gerade erst hatte der Park Babelsberg durch die Wiederherstellung seiner Wasserspiele wieder an Attraktivität gewonnen. Doch seit einigen Wochen werden die royalen Wiesen rund um das neogotische Schloss Wilhelms I. von Wildschweinen zerwühlt. Die Schäden sind so großflächig, dass man sie nicht übersehen kann. Viele Rasenflächen sehen aus wie ein umgepflügter Acker. Grasbatzen liegen kreuz und quer herum. Der Chef der Schlösser-Stiftung, Hartmut Dorgerloh, legte kürzlich jede diplomatische Zurückhaltung ab und erklärte unumwunden: „Diese Schweine sind nicht unsere Freunde.“

Einen Keiler, eine Bache und neun Frischlinge hat die Stiftung vor einiger Zeit im Babelsberger Park gezählt. Doch die Schwarzkittel fühlen sich offenbar nicht nur hier sauwohl, auch in anderen Schlossgärten der Region wühlen sie sich durch das gepflegte Grün. So ist nach Angaben der Stiftung auch der Schlosspark Caputh massiv von Schäden durch Wildschweine betroffen. Auf der Berliner Pfaueninsel waren die Schwarzkittel schon vor Jahren ein großes Problem. Bis 2008 hatten die Tiere dort nach Stiftungsangaben ein etwa drei Hektar großes Terrain so stark geschädigt, dass nur durch die Errichtung eines immerhin vier Kilometer langen Elektrozaunes weitere Schäden verhindert werden konnten.

Im vergangenen Jahr wurden fast 71.400 Wildschweine erlegt

Als Gründe für die Parkbegeisterung der Wildschweine nennen die Potsdamer Welterbehüter eine zunehmende Bebauung von Brachflächen, aber auch den Klimawandel, der mit seinen milden Wintern für viel Nachwuchs sorge. Aber nicht nur in den einstigen Parks der Hohenzollern, sondern in ganz Brandenburg wird der Wildschweinbestand zunehmend als Problem angesehen. Während im Jagdjahr 2013/14 in der Mark nach Angaben des Umweltministeriums 63.254 Wildschweine erlegt wurden, waren es ein Jahr später bereits 70.857 Tiere. Im Jagdjahr 2015/16 wurden sogar 71.364 Wildschweine zur Strecke gebracht.

In Potsdam ist der Trend nach Angaben der Statistiker weniger eindeutig. Während in der Saison 2013/14 nur 475 Wildschweine erlegt wurden, stieg diese Zahl ein Jahr später sprunghaft auf 1.160 Tiere an, ging dann aber im zurückliegenden Jagdjahr 2015/16 auf 865 Schwarzkittel zurück. Für das Land Brandenburg müssten die Anstrengungen der Jäger zur Reduzierung der Schwarzwildbestände noch intensiviert werden, appellierte kürzlich das Landesumweltministerium. Die Parkanlagen der preußischen Schlösser und Gärten gehören allerdings zu den sogenannten befriedeten Bezirken. Eine Bejagung kann hier nur unter besonders strengen Auflagen erfolgen.

Mehrere 10.000 Euro Schäden durch Biber

Aber auch andere Tierarten machen den Schlösser-Hütern zunehmend Sorgen. So würden sich seit drei Jahren die Biber in mehreren Parkanlagen verbreiten, heißt es aus der Schlösserstiftung. In Sanssouci versuchten die Nager immer wieder, das Wehr im südlichen Bereich des Maschinenteichs mit Geäst und Schlamm zu versperren und die Parkgewässer anzustauen. Dadurch, so die Stiftung, würden Bauwerken, wie beispielsweise den Römischen Bädern, gravierende Schäden an ihren Gründungen drohen. Hinzu kommen in Sanssouci Fraßschäden „an identitätsprägenden Altbäumen“, wie die Schlösserstiftung mitteilte.

Auf mehrere 10.000 Euro beziffert die Stiftung allein die Biberschäden in den vergangenen drei Jahren in Sanssouci. Im Berliner Schlossgarten Charlottenburg seien durch die Tiere mittlerweile etwa 50 Bäume abgenagt worden. Ein zunehmendes Problem sind auch die Waschbären. „Die Tiere räumen permanent die Müllbehälter auf der Suche nach Nahrung aus und schaffen Unrat heran“, teilte die Verwaltung mit. Zudem würden die Waschbären viele Gelege ausrauben und Jungvögel fressen. Höchstwahrscheinlich sei es zudem auf Waschbären zurückzuführen, dass in den vergangenen Jahren auf der Pfaueninsel keine Entenküken mehr gesichtet wurden.

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