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Grüne Jugend Berlin : Ein "Nein" zum Flaggen-Patriotismus

Eigentor oder neuer Veggie-Day? Vor dem Deutschlandspiel gegen die Ukraine wendet sich die Grüne Jugend Berlin gegen schwarz-rot-goldene Fahnen. Die Union reagiert prompt.

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Gefällt der Berliner Grünen Jugend nicht: fahnenschwenkende Fans beim Public Viewing auf der Fanmeile. So wie hier 2010.
Gefällt der Berliner Grünen Jugend nicht: fahnenschwenkende Fans beim Public Viewing auf der Fanmeile. So wie hier 2010.Foto: Soeren Stache/dpa

Die Grüne Jugend Berlin mag keine fahnenschwenkenden Fußballfans während der Europameisterschaft. Dieser "Party-Patriotismus" führe zu nationalistischem Denken und zu Gewalt, teilte Patrick Grünhag mit, Sprecher der Grünen Jugend Berlin am Samstag in einem Statement mit. Seine Kollegin Emma Sammet sieht es so: "Selbst viele, die die AfD verpönen, werden wieder ganz unverkrampft die Deutschlandfahne schwenken." Damit werde das nationale Kollektiv betont und man grenze sich von anderen Gruppen ab. Bei all den schwarz-rot-goldenen Fanartikeln in Supermärkten, an Autos und Balkonen werde es einem "richtig mulmig zumute", kritisierte Sammet. "Denn es kann kein Sommermärchen geben, wenn brennende Geflüchtetenunterkünfte die abscheuliche deutsche Realität darstellen."

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Deutsche Fans beim Public Viewing in Berlin glücklich
Deutsche Fans beim Public Viewing in Berlin glücklich

Die Position der Jugendabteilung teilen die Berliner Landesvorsitzenden der Grünen, Bettina Jarasch und Daniel Wesener, nicht. Dem Tagesspiegel sagten sie: "Für uns Berliner Grüne steht fest: Alle sollen ihre Freude am Fußball so ausleben, wie sie mögen – ob mit Fahne oder ohne. Der deutschen Nationalmannschaft wünschen wir bei der EM viel Erfolg. Wir hoffen auf eine friedliche EM, die trotz der gestrigen Ausschreitungen den Teamgeist feiert. Eine EM, bei der rassistische Beleidigungen oder das Herabwürdigen anderer Länder keinen Platz haben."

Kaum hatte die Grüne Jugend ihr Statement via Twitter verbreitet, gab es Kritik von prominenter Seite, insbesondere aus dem Unionslager. Kai Wegner, Generalsekretär der CDU, teilte am Wochenende mit: "Gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise brauchen wir einen aufgeklärten Patriotismus nötiger denn je." Nur wer eine positive Beziehung zu seinem eigenen Land habe, könne auch offen für neue Einflüsse sein. Wegner kritisierte die Grüne Jugend scharf: "Die verbalen Ausfälle der Grünen Jugend offenbaren erneut, das viele Linke ein gestörtes Verhältnis zu ihrem eigenen Land haben. Wer die fröhlichen Fans, die unsere Mannschaft anfeuern, unter Rassismusverdacht stellt, outet sich als intoleranter und verbohrter Spielverderber.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) schrieb bei Twitter: " kapiert's nicht: Fahnen der Fans sind das Gegenteil der Fahnen von einst: Symbol für weltoffenes, sympathisches Deutschland!"

Der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kündigte eine explizite Gegenreaktion an. Er wolle nicht nur die Fahne schwenken, sondern obendrein nach jedem Tor die Nationalhymne singen.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer fand sehr deutliche Worte. Er twitterte: "An die Grünen Kritiker sage ich ganz klar: Besser ein Patriot als ein Idiot."

Der Junge Union, der Jugendverband der CDU, reagierte via Facebook und postete dort ein Video, in dem die Mitglieder die deutsche Nationalhymne singen.

Von den Grünen im Bund war bisher noch keine Kritik zu hören, doch dürften prominente Parteikollegen den Aufruf etwas anders sehen. Jürgen Trittin twitterte bereits am Freitag:

In Berlin freuen sich die Grünen vor der Wahl im September eigentlich über steigende Zustimmung in den Umfragen. Ob die eher singuläre Haltung der jungen Berliner Grünen zum Thema Flagge da zum Eigentor wird oder gar zum neuen "Veggie-Day" wird - wer weiß. Die Forderung nach selbigem brachte den Grünen jedenfalls im Bundestagswahlkampf 2013 den Ruf als Partei der Verbote und der Spielverderber ein.

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