Günter von Drenkmann : Ein liberales Terroropfer

Die Elßholzstraße in Schöneberg soll nach Günter von Drenkmann benannt werden, der 1974 einem terroristischen Attentat zum Opfer fiel.

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Der „Deutsche Herbst“ 1977 lag noch in der Zukunft – aber in der Rückschau wirkt der Mord an Günter von Drenkmann am 10. November 1974 wie ein Auftakt. Drenkmann, Präsident des WestBerliner Kammergerichts und damit höchster Richter der Stadt, hatte am Vorabend 64. Geburtstag gefeiert, schöpfte also keinen Verdacht, als ein angeblicher Fleurop-Bote klingelte. Mehrere Täter stürmten in die Wohnung, es fielen drei Schüsse, Drenkmann starb sofort. Bislang erinnert an ihn nur eine Gedenktafel am alten Kammergericht – bald aber soll die Elßholzstraße in Schöneberg seinen Namen tragen. Dafür setzen sich Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) und die Fraktionen des Abgeordnetenhauses ein. Anlass: die 30. Wiederkehr seines Todestages.

Das Attentat auf den Richter war Folge der Rachelogik der „Bewegung 2. Juni“, einer Berliner Abspaltung der RAF: Am Vorabend hatte sich der Terrorist Holger Meins in der Haft zu Tode gehungert. Das Verbrechen ist bis heute ungesühnt, denn die Justiz scheiterte mit ihrem Versuch, 1978 bis 1980 im „Lorenz-Drenkmann-Prozess“ Klarheit zu schaffen. Ralf Reinders, Till Meyer, Ronald Fritsch, Gerald Klöpper, Andreas Vogel und Fritz Teufel, Mitglieder der Bewegung 2. Juni, wurden zwar zu Haftstrafen zwischen fünf und 15 Jahren verurteilt, doch dies betraf nur die Lorenz-Entführung 1975 sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.

Drenkmann war liberaler Sozialdemokrat. „Jede hoheitsvolle oder auch nur strenge richterliche Attitüde war ihm fremd“, hieß es in einem Nachruf. 1937 hatte er es nach dem Staatsexamen abgelehnt, in den Staatsdienst einzutreten, und wurde Referent bei der Industrie- und Handelskammer. Nach dem Krieg arbeitete er einige Jahre als Anwalt und Zivilrichter, machte Karriere in der Justizverwaltung. Kammergerichtspräsident wurde er 1967, fast eine Familientradition: Auch sein Großvater hatte dieses Amt von 1890 bis 1904 inne. Für die Terroristen uninteressant. „Günter von Drenkmann war der oberste Richter in Berlin. Er gehörte somit zum ,harten Kern‘ der Verantwortlichen. Unsere Forderungen nach Erfüllung der von den Gefangenen gestellten Bedingungen lehnte Richter Drenkmann ab. Damit nahm er in Kauf, dass noch weitere Revolutionäre in deutschen Haftanstalten sterben“, hieß es in der Gründungserklärung der Bewegung 2. Juni.

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