Guggenheim-Lab : Protest auch am Pfefferberg

25.04.2012 10:30 Uhrvon
Vor dem Pfefferberg versammelten sich am Dienstagabend Gegner des von BMW gesponserten Guggenheim-Labs. Foto: Björn Kietzmann
Vor dem Pfefferberg versammelten sich am Dienstagabend Gegner des von BMW gesponserten Guggenheim-Labs. - Foto: Björn Kietzmann

Die Arbeiten für das Guggenheim Lab haben an der Schönhauser Allee begonnen. Aktivisten haben sich am Dienstagabend zu einer ersten Kundgebung versammelt. Vom Lab ist bislang nicht mehr als ein Sandhaufen zu sehen.

Die Protestler kamen im Regen – aber sie blieben standhaft. Unverdrossen bauten die Gegner des BMW Guggenheim Lab am Dienstagabend vor dem geplanten Standort Pfefferberg an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg ein Zelt auf, installierten darunter einen Video-Beamer und knoteten eine Leinwand zwischen zwei Laternen fest. Es war der Beginn ihrer ersten Protestaktion – einer friedlichen „Video-Kundgebung“, zu der etwa 50 Aktivisten kamen. Vorgeführt wurde die TV-Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“. Darin geht es um die Zusammenarbeit der Unternehmerfamilie mit den Nazis, vor allem im Hinblick auf die Ausbeutung von Zwangsarbeitern.

Heute gehören den Quandts große Teile der BMW-Aktien – ein Grund für die Demonstranten, BMW als Sponsor des Guggenheim Lab abzulehnen.

Vom Lab ist bislang nicht mehr als ein Sandhaufen zu sehen, dennoch planten die Aktivisten von verschiedenen Kiezgruppen aus Mitte und Prenzlauer Berg am Dienstagabend bereits weitere Aktionen. Dabei waren sie gut bewacht: Die Polizei hatte vorsorglich rund 70 Beamte vor Ort stationiert. Es gab aber keinerlei Zwischenfälle.

Das von BMW gesponserte Lab sei für die Initiativen kein ernst zu nehmendes Diskussionsforum für Stadtentwicklung, sagte die Sprecherin der Kiezgruppe Prenzlauer Berg, Claudia Müller. Die stadtentwicklungspolitische Debatte gehöre in öffentliche Hände – und nicht in die Hände von Unternehmern.

Im Hinterhof des Pfefferbergs haben unterdessen die Bauarbeiten für das Lab begonnen, beauftragt wurde die international tätige Nüssli AG aus der Schweiz. Zuletzt baute das Unternehmen die Halle für den Eurovision Song Contest in Baku, Aserbaidschan. Wann die Lab-Konstruktion geliefert und aufgebaut wird, ist bislang unbekannt. Auch Andreas Kranold, Pfefferberg-Geschäftsführer, kennt den Termin nicht. Die Eröffnung ist für den 15. Juni geplant.

Kreuzberg ohne Denkfabrik

In Berlin ist ein Vorbereitungsteam des Guggenheim New York damit beschäftigt, ein Programm auszuarbeiten. Nach den Protesten in Kreuzberg wurde das Thema Gentrifizierung zusätzlich auf die Agenda gesetzt. Zur Diskussion dazu wird auf den Internetseiten des Lab schon aufgerufen. Christine Mc Laren, die für Guggenheim bloggt, ruft Berliner Gentrifizierungsopfer auf, sich zu melden und ihre Geschichte zu erzählen. Bis zum Dienstagnachmittag blieb ihr Blogbeitrag vom Montag allerdings ohne Kommentare. Weitere Themen sind Do-it-yourself-Workshops, „die zeigen, wie man die eigene Stadt mitgestalten kann, indem man öffentliche Räume ,hackt‘ und umwandelt“. Auch soll es um Aktivitäten im Bereich „nachhaltige Mobilität“ und neue Technologien gehen, die „das urbane Leben, Bewusstsein und Design verändern können“.

Die Polizei hat unterdessen für den Standort Pfefferberg eine neue Gefährdungsanalyse erarbeitet. Offenbar fiel sie besser aus als am alten Standort in Kreuzberg. Man habe mit dem Lab-Team ein „gemeinsames Sicherheitskonzept“ erstellt, sagte Polizeisprecher Redlich. „Die Polizei beteiligt sich am Schutz des Labs.“ Für den ursprünglich bevorzugten Standort Cuvrystraße in Kreuzberg war die polizeiliche Analyse negativ ausgefallen. Nach Drohungen, den Standort zu besetzen und das Lab mit Farbbeuteln zu attackieren, zogen die Lab-Kuratoren ihre Entscheidung für Kreuzberg zurück.

Radikale Lab-Gegner hatten nach dem Standortwechsel angekündigt, den Bau des Labors überall in der Stadt verhindern zu wollen. Sie fühlen sich von den Veranstaltern bei der Vorbereitung des Events übergangen. Dabei betonen die Lab-Macher, die Debatten im Lab seien für jeden Teilnehmer offen.

Trotz der anhaltenden Kritik will BMW an seinem Sponsoring festhalten. „Wir stehen voll hinter dem Guggenheim Lab“, sagte Thomas Girst, Leiter der BMW-Kulturabteilung. Das Lab sei in enger Kooperation zwischen Guggenheim und BMW über eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren entstanden. Da könne man nicht einfach aussteigen.

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