Berlin : Gutgläubige Nonnen um ihr Geld gebracht

Christkönigschwestern in Alt-Lankwitz mussten Insolvenz anmelden, weil sie auf mutmaßliche Betrüger hereinfielen. Die Polizei nahm zwei Hauptbeschuldigte fest

Claudia Keller

Ihr Leben lang haben die Christkönigschwestern hilfsbedürftige Menschen gepflegt. Seit 80 Jahren leben Ordensfrauen in dem Kloster in Alt-Lankwitz und arbeiten im dazugehörigen Theodosius-Krankenhaus. Nun sind viele der Schwestern selbst alt und wollen ihren Lebensabend in Ruhe in ihrem Kloster verbringen. Doch jetzt haben mutmaßliche Betrüger die Nonnen um ihr Vermögen gebracht. Am Mittwoch wurden zwei Hauptbeschuldigte festgenommen. Ihre Wohnungen in Bayern und Baden-Württemberg sowie sieben Banken wurden durchsucht und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt.

Um das Theodosius-Krankenhaus und spätere Altenpflegeheim in Alt-Lankwitz betreiben zu können, haben die Ordensschwestern in den Zwanzigerjahren die Dominikushaus GmbH gegründet. Im Dezember 2002 musste das Heim schließen und seine 70 Mitarbeiter entlassen. Im Februar 2003 meldeten die Schwestern Insolvenz an. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft den beiden Hauptbeschuldigten vor, „die Dominikushaus GmbH als Geschäftsführer im Juni 1999 sowie im Zeitraum von Juli 2000 bis Oktober 2001 durch verschiedene Handlungen wirtschaftlich ausgehöhlt und zur Insolvenzreife geführt zu haben“. Hierbei sollen sich die Beschuldigten mindestens 2,3 Millionen Euro des Vermögens des Ordens angeeignet haben. „Sie erkannten offenbar, dass hier fünf alte und geschäftlich unerfahrene Frauen über ein Millionenvermögen verfügen. Eine nennenswerte Kontrolle oder Überwachung durch Dritte gab es nicht. Sie schienen deshalb leichtes Spiel zu haben, sich das Ordensvermögen anzueignen“, sagt Peter Leonhardt. Er hat als Insolvenzverwalter den Vermögensverlust der Ordensschwestern untersucht und bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen die beiden Männer gestellt. Die vom Insolvenzverwalter beauftragte Firma Handels- und Finanztreuhand schätzt den Vermögensverlust sogar auf 3,4 Millionen Euro.

„Wir waren zu gutgläubig“, sagt die 73-jährige Oberin Schwester Stephana. Sie kann es gar nicht fassen, wie ihnen jemand so etwas antun konnte. Einer der beiden Beschuldigten sei ihr 1997 von einem Caritas-Mitarbeiter aus Augsburg als Berater empfohlen worden und habe zunächst einen guten Eindruck gemacht. Die Schwestern erhofften sich von ihm, dass er ihnen bei der Modernisierung des Pflegeheims hilft und ihre Zukunft sichert.

Zu der 4000 Quadratmeter großen, unter Denkmalschutz stehenden Anlage in Alt-Lankwitz gehört neben dem Mutterhaus und dem Pflegeheim auch eine Kapelle, das Gästehaus „Angelicum“ und ein großer Park, in dem die Schwestern früher Rehe, Pferde und Esel hielten. Die Gebäude wurden im Krieg weitgehend zerstört, die Schwestern haben sie zum Teil mit ihren eigenen Händen wieder aufgebaut. Viele Lankwitzer kennen die Christkönigschwestern als Religionslehrerinnen und hilfsbereite Nachbarinnen. „Wir hoffen sehr, dass die Schwestern in ihren Gebäuden bleiben können“, sagt Wolfgang Friese vom Arbeitskreis Historisches Lankwitz. Die Nonnen seien immer so lebensnah und fröhlich gewesen, an Ostern hätten sie oft zu einem großen Treffen in ihrem Park eingeladen. Aber in letzter Zeit hätten die Ordensfrauen nur noch einen sehr traurigen Eindruck auf ihn gemacht.

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