Berlin : Harte Ansagen im Rollbergviertel

Wie in Neukölln die Kriminalität bekämpft wurde

Christian van Lessen

„Bildet Banden“ steht auf einer Mauer an der Werbellinstraße. Der Schriftzug ist verblasst. „Es ist ruhiger geworden“, sagt Karin Kussin, Wirtin des „Briese-Ecks“ im Neuköllner Rollbergviertel. Sie spricht nicht von der unheimlichen Ruhe, die das große Betriebsgelände der stillgelegten Kindl-Brauerei auf die Umgebung ausstrahlt. Sie meint das Wohnviertel drumrum, das so oft mit hoher Kriminalität in Verbindung gebracht wurde. „Ich lebe gern hier, das ist mein Kiez“.

Kaum 50 Meter entfernt, im Büro an der Falkstraße 25, fühlen sich die Quartiersmanager Gilles Duhem, Renate Muhlak und Ayten Köse am Montag in ihrer Arbeit bestätigt. Am selben Tag hat ihnen Polizeipräsident Dieter Glietsch, wie sie sagen, „den roten Teppich ausgelegt.“ Glietsch hatte im Tagesspiegel die Zusammenarbeit des Quartiersmanagements Rollbergviertel mit der Polizei gelobt. Die Kriminalität sei in den letzten Jahren um 30 Prozent gesunken. Die Polizei allein könne diese Erfolge nicht erzielen. „Das hier ist knallhart, hat mit Sozialromantik nichts zu tun“,sagt der Politologe und Stadtplaner Duhem. Mit den Bewohnern, der Gesellschaft Stadt und Land und der Polizei hatte man sich an einen Tisch gesetzt, und erörtert, was gut und was schlecht im Viertel ist. Anklang fand, das Kameras installiert wurden. Sie haben auch die breite Mittelpromenade an der Falkstaße im Blick. Zwei Jugendliche, die hier ständig gepöbelt hatten, erhielten Platzverweise. Das Quartiersmanagement zögerte nicht, störende Jugendliche anzuzeigen. Es gab wüste Drohungen, aber die Gemüter kamen zur Ruhe. Längst rasen nicht mehr Jugendliche mit Motorrollern über die Fußgängerpromenade. Das strenge „QM“ notierte sich die Nummern, meldet sie der Polizei und die beschlagnahmte prompt sechs, sieben geklaute Motorroller. Väter kamen vorbei, entschuldigten sich für ihre Söhne. Frühere Projekte für Jugendliche wie die Treffs „Araberkeller“ und „Waschküche“ bewährten sich nicht.

„Zu viel Selbstregie“, sagen die Quartiersmanager, die 2002 die Arbeit übernahmen. Junges Personal sei von Jugendlichen unter Druck gesetzt worden. Die Projekte hätten zu Unruhe geführt. Dafür gibt es zwei neue Jugendeinrichtungen. „Alle Bewohner finden Hilfe. Aber es gibt die Grundregel: Es wird nicht gepöbelt.“ Politologin Renate Muhlak betont: „Wir ermuntern die Bewohner zur sozialen Kontrolle. Es zeigt Wirkung.“

Die „Jungs von der Polizei“ beteiligen sich an Kiezfesten, kochen auch für die Bewohner. Die Probleme von Armut, Arbeitslosigkeit, fehlender Bildung, mangelnder Sprachkenntnis ( fast 50 Prozent der 5700 Rollberger sind ausländischer Herkunft) aber kann das Quartiersmanagement kaum mindern. Aber es organisiert beispielsweise ehrenamtliche Schülerhilfen. Das Quartiersbüro hat rund 260 000 Euro zur Verfügung.

„Wir machen die Spinne“, drohen manchmal Jugendliche. Die Spinne war eine berüchtigte Gang im Viertel. Die Zeit wünscht sich hier keiner mehr zurück.

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