Hasso Plattner : "Ich will nicht als Fremdkörper auftreten"

Der Unternehmer und Mäzen Hasso Plattner will Potsdam eine Kunsthalle schenken - unter einer Bedingung: Die Bürger sollen sie auch wollen. Ein Gespräch, nicht nur über die Eigenheiten der Kunst.

Multimillionär und Mäzen. SAP-Gründer Hasso Plattner gehört zu den Potsdamer Prominenten, die viel für ihre Stadt tun. Sollte die Kunsthalle am Ort seiner Wahl gebaut werden, wäre sie vom Hauptbahnhof zu Fuß in etwa fünf Minuten erreichbar.
Multimillionär und Mäzen. SAP-Gründer Hasso Plattner gehört zu den Potsdamer Prominenten, die viel für ihre Stadt tun. Sollte die...Foto: dapd

Herr Plattner, wie sind Sie darauf gekommen, eine Kunsthalle zu stiften?

Mit dem Gedanken trage ich mich schon länger. Ich denke, ich verstehe etwas von Kunst, es liegt mir nahe. Es wäre eine tolle Sache. Mäzenatentum in der Kunst ist ja wahrlich nichts Neues. In den USA ist es sogar eher die Regel, dass Kunsttempel privat finanziert worden sind. Ich will etwas schaffen, was auch in einhundert Jahren noch da ist und Wert hat, wenn sich niemand mehr erinnert, wer Hasso Plattner war. Potsdam ist sicher ein idealer Ort. Die Stadt ist selbst ein ästhetisches Kunstwerk, hat aber keine Kunsthalle. Essen hat eine, Mannheim hat eine.

Was wollen Sie in der Kunsthalle zeigen?
Die Kunsthalle ist ein langfristiges Projekt, nichts, was man einfach aus dem Boden stampft. Manches muss man jetzt tun, etwa ein Grundstück zu suchen, sonst hätten Sie ja auch nicht davon Wind bekommen. Stiften ist gar nicht so easy. Es sind noch viele Fragen zu klären. Ich bin dabei, die bisher ausschließlich auf Ausbildung ausgerichtete Hasso-Plattner-Förderstiftung, über die unter anderem das Hasso-Plattner-Institut finanziert wird, um den Zweck der Kunstförderung zu erweitern. Da müssen andere Beteiligte, im wesentlichen die Familie, noch zustimmen. Die Stiftung wird sich darum kümmern, eine Kunstsammlung aufzubauen.

Was für Kunst?

Ich habe als ersten Schritt veranlasst, eine Kunstsammlung mit Werken aus der ehemaligen DDR und aus den neuen Bundesländern anzulegen, also Kunst aus dieser Region, aus den letzten 60 Jahren. Wenn DDR-Künstler in den Westen gewechselt sind, hatten sie die Chance, berühmt und damit teuer zu werden. Ich glaube, dass die Dagebliebenen auch gute Kunst gemacht haben. Diese möchte ich ausstellen. Einige Bilder hängen bereits im Hasso-Plattner-Institut, weitere werden langsam über Organisationen angekauft. Diese Kunst wird den erste permanente Ausstellungsteil der Halle bilden, die zudem mit wechselnden Ausstellungen bestückt werden soll.

Was fasziniert Sie an sozialistischen und postsozialistischen Bildern?

Ich bin ja West-Berliner, der Osten hat mich immer interessiert. Ich hatte keine Berührungsängste, habe Ostfernsehen geguckt, mich an Olympiasiegern aus der DDR genauso erfreut, besonders, wenn sie aus Berlin oder dem Umland kamen. Das waren ja nicht wenige. Ich habe nicht pauschal mitgemacht, wenn alles, was nur irgendwie mit DDR zu tun hatte, als schlecht bezeichnet wurde. Ich habe eine nostalgische Beziehung zu dem Landstrich, der Berlin umgibt. Das war ja auch der Grund, warum ich mit dem Hasso- Plattner-Institut nach Potsdam gegangen bin. Als ehemaliger Havelländer fühle ich mich dieser Region verpflichtet, obwohl ich in Baden-Württemberg mein Geld verdient habe. Für die Kunsthalle wäre Potsdam ein sehr schöner Standort. Die Stadtverwaltung und an vorderster Stelle der Oberbürgermeister möchten natürlich, dass es Potsdam wird.

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